Alltag, Familienrollen, Nachgefragt

Enby: “Ich habe mich nie als „Frau/Mädchen“ gefühlt.”

Enby: Auf Twitter dreht sich vieles bei Dir um sprachliche Feinheiten, und darum welches Pronomen gilt. Aber unabhängig von der Sprache: Wie kamst Du überhaupt drauf, dass Du enby bist?

Dass ich ein Enby bin war mir nicht „von Anfang an“ klar. Wie denn auch? Das Bewusstsein für die geschlechtliche Identität bildet sich ja erst in den frühen Kindheitsjahren aus.

 

Ich habe mich nie als „Frau/Mädchen“ gefühlt. Ich konnte damit „Frau zu sein“ nicht viel anfangen. Menstruationsbeginn und „Jetzt bist du eine Frau!“ und ich dachte nur so „Aha.“. Ich habe nie in den Spiegel gesehen und gedacht „Da steht eine Frau“. Ich habe es aber durchaus versucht, denn ich kannte keine Optionen außer „Frau sein“ und „Mann sein“.

Ich habe mich sehr früh in der Pubertät als lesbisch geoutet und kam in der lesbischen Szene auch gut unter, als eher maskulin auftretende Person (eher im Verhalten denn im Aussehen) vermeintlich weiblichen Geschlechts lässt es sich in der Szene gut leben.

 

Ich war 16 als ich zum ersten Mal bewusst einen trans Menschen kennen gelernt habe. Mindblowing! Vielleicht könnte ich ein Mann sein? Ich hab’s probiert. Ich bin kein Mann.

 

Erst Ende 20 las ich zum ersten Mal von dem Begriff „nicht binär“. Ich habe ne Weile gebraucht um diesen Begriff für mich anzuwenden und seitdem geht es mir auch bedeutend besser. Ich beschäftige mich ja viel mit Gendertheorien und -thematiken und vermutlich habe ich den Begriff auch davor schon mal irgendwann gelesen – oder den Begriff genderqueer, aber ich habe ihn wahrscheinlich ausgeblendet. Als ich ihn wahr zu nehmen begann war das schon ne kleine Offenbarung: es gibt andere wie mich. Ich bin normal.

 

Das finde ich deshalb betonenswert, weil ja, gerade aus rechten Ecken, es oft tönt: du willst ja nur was Besonderes sein! Special Snowflake! Davon abgesehen, dass ich es nicht verwerflich finde, etwas Besonderes sein zu wollen, will ich das was mein Geschlecht angeht nicht. Ich fand es erleichternd zu erfahren, dass es andere gibt die weder Frau noch Mann sind. Dass es dafür einen Namen gibt.

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