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Brustkrebs zum zweiten Mal: „Anders ist diesmal, dass ich weiß, was auf mich zukommt.“

Biene hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Brustkrebs: Wie die zweifache Mutter damit umgeht, das erzählt sie in den Familienrollen

Als Du zu Deiner zweiten Tochter schwanger warst, bekamst Du eine Krebsdiagnose und hast während Deiner Schwangerschaft angefangen gegen den Krebs zu kämpfen. Als Leserin Deines Blogs klang das so unglaublich heftig, das war es bestimmt auch. Wie hast Du das bewerkstelligt?

Zum Glück hatte ich in dieser Zeit sehr viel Unterstützung, vor allem durch meine Familie. Damals sind wir gerade mit meiner Mutter zusammen in unser neues Haus gezogen, so konnte sie mich im Alltag viel unterstützen. Mein Mann hat natürlich viel übernommen und auch der Rest meiner Familie war in dieser Zeit eine große Stütze, allen voran mein Bruder.

Daneben hatten wir eine Zeit lang (nach einigen Startschwierigkeiten) auch eine Haushaltshilfe (bezahlt von der Krankenkasse), die uns mit den ganzen alltäglichen Arbeiten geholfen hat und auch mal für die Kinder gekocht hat, wenn ich es nicht konnte.

Auch unser neuer Kindergarten hier im Dorf war sehr entgegenkommend und hat meine große Tochter schon früher als geplant aufgenommen, so dass wir uns den weiten Weg zur alten KiTa sparen konnten.Das Schlimmste damals war für mich die Angst, dass die Behandlung meiner ungeborenen Tochter schaden könnte. Denn auch wenn alles streng überwacht wurde und die Ärzte mir versichert haben, dass alles gut gehen würde, macht man sich ja trotzdem immer Sorgen… zum Glück in diesem Fall unnötig, denn die Mini-Prinzessin kam nach 3 Chemo-Zyklen kerngesund auf die Welt!

Schwer fand ich damals auch die Tatsache, dass ich mich oft nicht so um meine Töchter kümmern konnte, wie ich es gerne getan hätte. Durch die tolle Unterstützung, die wir hatten, war das zwar für die beiden (denke ich) weniger schlimm als für mich, aber dennoch hat es mich sehr belastet.

Wie ging es Dir kurz nach der Geburt?

Nach der Geburt ging es mir eigentlich erstmal ziemlich gut! Vermutlich in erster Linie, weil endlich die Anspannung von mir abgefallen war und ich wusste, dass es meiner Tochter gut ging und dass sie alles gut überstanden hatte.

Mein Mann hat für die Geburt und die Tage danach glücklicherweise frei bekommen und so konnten wir im Krankenhaus ein Familienzimmer beziehen. Die große Tochter war in dieser Zeit mit meiner Mutter zu Hause und kam uns jeden Tag besuchen. Eigentlich war diese Zeit für uns alle sehr schön.

Körperlich war ich natürlich nicht ganz auf der Höhe. Die Geburt wurde zwischen zwei Chemo-Zyklen eingeleitet, das heißt ich hatte gerade mal eine gute Woche Erholungszeit zwischen Chemo und Geburt und auch danach ging es knappe zwei Wochen später wieder weiter mit der Chemo.

Schlimm war auch hier für mich, dass ich meine kleine Tochter schon nach so kurzer Zeit in andere Hände geben musste und mich nicht immer um sie kümmern konnte. Auch die Tatsache, dass ich nicht Stillen konnte hat mich damals belastet, weil ich mir sehr gewünscht hatte, dass es dieses Mal klappen würde. Darüber hatte ich auch hier schon mal geschrieben.

War Brustkrebs schon ein Thema in Deiner Familie: Warst Du besonders sensibilisiert?

Nein, gar nicht. Ich habe zwar das BRCA1-Gen, das vererbt wird, aber das kam wohl von Seiten meines Vaters, zu dem ich seit vielen Jahren keinen Kontakt habe und mit dessen Familie wir auch nie viel zu tun hatten.

In meiner direkten Familie war Brustkrebs vorher (zum Glück!) nie ein Thema.

Biene.

Du hast den Krebs besiegt. Hast ihn Kevin genannt. Nun hast Du wieder Brustkrebs und nennst ihn nun anders. Auf Deinem Instagram-Account schreibst Du, dass Du heute stärker bist: Was ist jetzt anders?

Anders ist diesmal in erster Linie, dass ich weiß, was auf mich zukommt. Bei meiner Erstdiagnose vor 3 Jahren hatte ich viel mehr Angst vor den Therapien, weil ich ja gar nicht wusste, wie das alles laufen würde und wie es mir damit geht. Ich hatte große Angst vor der Chemo und vor der OP und war im Ganzen wohl einfach ziemlich überfordert mit der Situation.

Diesmal kannte ich das alles schon – ich kannte mich im Krankenhaus und im Chemoraum aus, wusste wie eine Chemotherapie abläuft und mit welchen Nebenwirkungen ich zu rechnen hatte und was mich ansonsten erwarten würde.

Außerdem war der Tumor dieses Mal viel kleiner (weil viel früher entdeckt) und die OP somit wesentlich unkomplizierter. Und natürlich bin ich diesmal nicht schwanger und die Kinder sind schon etwas größer, was die Sache auch noch mal ein wenig leichter macht.

Ängste sind natürlich auch diesmal da – es ist nun mal Krebs und da weiß man nie so genau, wie sich alles entwickeln wird. Aber da meine erneute Diagnose kein Rezidiv, sondern eine komplette Neuerkrankung ist (deshalb auch der neue Name für den Tumor – Kevin ist und bleibt Vergangenheit!) und ich keinerlei Metastasen habe, stehen meine Chancen auf Heilung mindestens genau so gut wie bei der Erstdiagnose und das ist schon mal super.

Meine Haare zum zweiten Mal zu verlieren ist mir überraschend schwer gefallen. Vielleicht, weil ich jetzt weiß, wie lange es dauert, bis sie wieder lang sind?! Aber letztendlich ist auch das ein kleines Übel, mit dem ich ganz gut leben kann.

Jetzt.

Wie gehst Du mit Ängsten um und was sagst Du zu Deinen Kindern?

Ich schreibe viel, sowohl auf dem Blog, bei Instagram als auch in mein persönliches Tagebuch. Das hilft mir, mir meinen Ängsten umzugehen. Und natürlich rede ich auch mit meiner Familie, vor allem mit meinem Mann darüber, wenn mich etwas belastet.

Die Kinder stecken die erneute Diagnose bisher relativ gut weg, da gibt es ehrlich gesagt gar nicht so viele Fragen im Moment. Spannend war natürlich, als ich mir den Kopf rasiert habe und die Haare plötzlich weg waren – da wurde und wird noch oft drüber geredet und die Kinder neigen auch dazu, fremden Leuten auf der Straße und jedem, dem sie begegnen zu erzählen, dass Mama jetzt eine Glatze hat 😀

Das erntet uns dann schon mal den ein oder anderen komischen Blick, aber da muss ich jetzt wohl durch!

Wie geht es Dir heute?

Im Moment geht es mir ganz gut. Die Chemo nimmt mich zwar ziemlich mit und es gibt nach jedem Zyklus einige Tage, an denen mit mir gar nichts anzufangen ist, aber ich erhole mich bislang immer recht schnell wieder davon und genieße die Zeit, in der es mir gut geht.

Was möchtest Du anderen auf den Weg mitgeben?

Es ist mir sehr wichtig auf das Thema Krebs (vor allem auch Brustkrebs bei jungen Menschen) aufmerksam zu machen und die Leute dafür zu sensibilisieren. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum ich so offen mit meiner Erkrankung umgehe und viel darüber spreche.

Zwar kommt Brustkrebs bei jüngeren Frauen relativ selten vor, aber es gibt ihn – das sollte man wissen.

Mein Frauenarzt hat meinen Krebs damals nicht als solchen erkannt und ich habe seinem Urteil vertraut – schließlich war ich erst 29 Jahre alt, wer denkt da schon an Krebs? Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis endlich die Diagnose gestellt war. Das ist eine lange Zeit, vor allem, wenn man einen schnell wachsenden Tumor in der Brust hat.

Ich hatte Glück, aber es ist wichtig, dass jede Art von Krebs so früh wie möglich erkannt wird. Denn nur so hat man die bestmöglichen Chancen, ihn zu besiegen.

Deshalb möchte ich allen, die das hier lesen Folgendes mit auf den Weg geben: Achtet auf euch! Tastet euch ab, geht zu den Vorsorgeuntersuchungen und nehmt Veränderungen in eurem Körper ernst. Geht zum Arzt, wenn euch etwas komisch vorkommt und lasst euch nicht abwimmeln, auch wenn ihr vielleicht zunächst nicht ernst genommen werdet.
Ihr kennt euren Körper am besten!

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Biene. 

Mehr zu Biene findet Ihr auf ihrem Blog https://klitzekleinedinge.com/

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