Alltag, Familienrollen, Kultur mit Kind, Meinung, Nachgefragt

Die Schreiberei, die Pandemie und das Publikum

Kürzlich habe ich auf Twitter gesehen, dass jemand ein Interview geben wollte. Das Thema fand ich spannend und hatte nachgefragt. Ob mein Blog denn seo-optimiert sei, wurde nachgefragt, weil ich nicht gleich Google-analytics-Zahlen nachgeschoben hatte, wurde nichts draus. Vermutlich. Oder aber die Person hat etwas gefunden, was ihr mehr entspricht, oder keine Zeit, oder, oder: letztlich ist es relativ gleichgültig, weil es mir gezeigt hat, ich will gar nicht Projektionsfläche sein. Ich will zwar gelesen werden. Vor allem aber will ich schreiben. Erzählen. Immer mal wieder. Drum bin ich also mal wieder hier und denke laut nach.

Ein Jahr lang

Ist tatsächlich wieder Winter.

Ich bin so pandemiemüde, dass ich schon müde bin, darüber zu reden. Ich könnte Bände damit füllen, was ich alles gerne machen möchte: Wien hat Koalas, irgendwo ist grad Sommer, der zweite Frühling in dem ich nicht in Berlin bin, jährt sich, ich träume vom Ostsee-Urlaub und in letzter Zeit immer häufiger von Umarmungen mit Menschen, die ich lange nicht mehr gesehen habe und könnt Ihr Euch noch vorstellen, wie es ist außerhalb des eigenen Zuhauses am Abend unterwegs zu sein und vielleicht sogar zu tanzen? Manchmal kann ich das. Ich bin nicht alleine.

Wir sind viele, die andere Dinge wollen, als solche, die grad möglich sind. Ich bin gefangen zwischen denen, die alles machen, was nicht erlaubt ist: “Du, Trottel, der immer vier Autos zu Besuch hat, ich sehe Dich” und solchen, die in allem die Angst sehen “Was wenn ich Corona kriege, und meine Kinder dann nicht betreuen kann, das Auto kaputt geht und ich den Bezug zu XY und Z verliere”.

Ich mag das alles nicht mehr. Beide Typen gehen mir so auf die Nerven, dass ich kurz vorm Ausrasten bin. Manchmal. Ist normal. Dünnhäutig. Pandemie-Bedingt. Und so weiter. Was es halt einfach nicht weniger scheiße macht. Weil: Kacke drauf sein halt auch nicht lustiger wird, wenn wir viele sind.

Neugierig: wie früher.

Ich suche neue Themen mit einer Vehemenz, die nur gebremst wird, durch die simple Tatsache, dass ich nirgends hin kann. Denn: mein Bezirk ist seit ein paar Tagen Sperrgebiet. Voll schlimm finden alle, logischerweise. Das lassen wir uns nicht gefallen, schreien die einen. Die Leute müssen eben mehr in ihrem Zuhause bleiben, sagen die anderen. Beides nicht so spannend, denn ich bleiben ja schon zuhause, kann also hier nichts Neues beitragen.

Cut

Ich bin 40 geworden, Pandemie-Geburtstag, hab mir Kleider gekauft und nehme mir seit dem fest vor nicht die ganze Zeit daran zu denken, was nach der Pandemie sein könnte, sondern endlich Dinge zu tun, wo ich nicht warten muss, damit mir irgendjemand wieder etwas erlaubt, das ich jetzt nicht angstfrei tun könnte.

Ich habe einen Schreibworkshop gegeben, mit großartigen Frauen auf die ich – Datenschutz und so – nicht weiter eingehen werde und mal wieder gemerkt: es gibt so viele GeschichteN, die es wert sind, aufgeschrieben zu werden, ich hatte das mit den Familienrollen lange gemacht und –  ich warte die ganze Zeit auf mein persönliches Fazit – ich merke nur, dass ich keine Lust mehr habe, permanent nur vom Mangel zu lesen und für mich wohl etwas daran ändern muss.

Eigenwerbung.

Ich möchte wieder mit den Menschen ins Gespräch kommen, ich möchte auch noch einmal auf meinen Online-Kompakt-Kurs zum biografischen Schreiben aufmerksam machen, der am kommenden Samstag stattfindet. (Vorausgesetzt es können sich für den Samstag so viele Leute begeistern wie für die Montage) und mich möchte endlich wieder einen Austausch haben, der mich bereichert, mehr als ein gutes Google-Ranking.

Mein Problem ist vermutlich, dass ich theoretisch voll empfänglich wäre für Positve-Vibes-GeberInnen in der Corona-Zeit, jeder Achtsamkeit-Podcast aber Aggressionen in mir freisetzt, die mir selber Angst machen, drum bin ich ja fast schon empfänglich für Tipps. Fürs Erste habe ich mir Bäume gekauft. Und freue mich wenn wir reden.

Mehr zum Schreibkurs findet Ihr hier.

 

 

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