Wie viel Kultur noch möglich ist, welche Gerüchte er über PEKIP verbreitet und wo seine Toleranz endet, hat Fabian verraten. Fabian ist Redakteur beim Musikexpress, bloggt auf New Kid And The Blog und qualifiziert sich für diese Fragen vor allem als Vater eines einjährigen Sohnes.

Fabian und Kid A unterwegs

Wie hat sich der Stellenwert von Kultur in Deinem Leben in Deinem ersten Jahr als Vater verändert?
Bevor ich Vater wurde, war der Stellenwert von Kultur der gleiche wie jetzt – nur hat das Kind, das ich im Folgenden wie auf meinem Blog Kid A nenne, nun alleroberste Priorität, natürlich.
Heißt: “Früher” ging ich alle paar Wochen auf Konzerte, hörte tagsüber Musik und schaute aben
ds mit meiner Frau Serien, bestimmt drei Folgen am Stück und etliche Staffeln pro Jahr. Manchmal, meist im Urlaub oder in der U-Bahn, las ich sogar Bücher, leider viel zu selten.
Heute ist alles genauso, zumal Musikhören auf meiner Arbeit ja nicht nur toleriert, sondern sogar erwünscht ist, nur sind die Konzerte noch weniger geworden. Unser Sohn ist nun ein Jahr, in der Zeit waren es vielleicht vier Konzertbesuche bei mir.
Aber auch, weil sich die Prioritäten verschieben (und wegen des Überangebots in Berlin, in meinem ersten Jahr hier war ich wohl auf drei Konzerten pro Woche) – und weil ich abends einfach sehr müde bin und sogar bei “Game of Thrones” oder “Hannibal” einschlafe! 
Nachrichten und sonstige sinnvollen und sinnlosen Informationen konsumiere ich übrigens außer morgens auf RadioEins ausschließlich  übers Smartphone. Ist immer dabei, fast immer aktuell und passt in eine Hand. Solange man sich nicht das iPhone 6 Plus besorgt hat.

Welche Rolle spielt Musik bei der Erziehung Deines Sohnes?
Wir stellen uns diese Frage nicht bewusst, aber natürlich spielt sie eine wichtige Rolle. Das merken wir weniger daran, dass wir zuhause neben dem Radio regelmäßig Playlists für Erwachsene und für Kinder abspielen (also The Smiths und Rolf Zuckowski, den meine Frau vor ihrer Schwangerschaft nicht kannte!). Sondern daran, dass wir ihm  und uns von Beginn an auf dem Wickeltisch oder mit Gitarre auf dem Boden hockend Lieder vorsingen. Ob nun Kinderlieder aus der Kindheit, an die man sich plötzlich wieder erinnert, irgendwelche anderen Songs oder spontan Selbstgetextetes. Würde er es wahrscheinlich schon jetzt nicht besser wissen, unser Sohn müsste seine Eltern für derbe Freestyler halten!
Außerdem hat nun, da Kid A ein Jahr alt ist, der Kindergarten begonnen. Dort wird im Morgenkreis auch regelmäßig Gitarre gespielt und gesungen. Welche Lieder er denn schon kenne, fragten sie, als er das erste Mal mitmachte. Ich antwortete stellvertretend für ihn: “‘Alle Leut”, den ‘Hampelmann’… und Metallica.”

Was ist wichtiger: Dass er kulturbewusst aufwächst, oder Du Deinen Subkulturen treu bleibst?
Verstehe die Frage nicht. Ist das ein Gegensatz? Ich kann doch, solange ich es irgendwie zeitlich schaffe, weiterhin die Musik hören, die Bücher lesen, die Konzerte besuchen und die Serien und Filme sehen, die ich will, ohne dass unser Sohn auf Kindgerechtes verzichten müsste.
Aber ja: Im Zweifel bleibe ich immer lieber zuhause und lese ihm vor als in einem verrauchten Club zu stehen! Das sage ich jetzt, hoffentlich bleibt das auch so. Aber den Egoist in mir hatte ich, glaube ich, nach ein paar Monaten Vatersein zunehmend loswerden können.


Welche kulturellen Momente erlebt ihr als Familie? 

Noch keine außer dem oben Genannten. Kid A ist erst ein Jahr alt! Als wir aber diesen Sommer fast fünf Wochen mit dem Wohnmobil im Südfrankreich unterwegs waren, haben wir uns selbstverständlich auch etwa die Altstädte von Aix-En-Provence, Nizza und St. Tropez angeguckt. Also, die Eltern haben geguckt, Kid A hat oben ohne im Kinderwagen gesessen und vom Pool am Campingplatz geträumt. Vermutlich.Und oh, wir waren zu dritt bei der Bowie-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau! Kid A hat in der Trage gepennt, während Bowie “Starman” vom Band in Dauerschleife sang. Als Belohnung für ihn und uns haben wir Kid A danach eine “Aladdin Sane”-Maske von David Bowie gekauft. Die hängt jetzt über seinem Bett. Gruselig, eigentlich.


Was hättest Du nie für möglich gehalten?Mein Kumpel Malcolm fragte mich neulich, was denn dieses Pekip sei, von dem ich da erzähle. Da merkte ich, dass ich selbst als Vater, der sich nur das Allernötigste angelesen hat, Nicht-Eltern nun einiges an Wissen Voraus habe, wofür auch immer dieses Wissen ohne Baby gut sein sollte. Aber gut, alles andere wäre auch schlimm. Malcolm regte daraufhin jedenfalls an, ich sollte seine und meine Dialoge mal auf meinem Blog veröffentlichen. Aber dann müsste man die sich am Ende noch ausdenken.
Was ich wirklich nicht für möglich gehalten hätte? Wie jeder halbwegs junge zugezogene Berliner (nein, liebe Berliner, ich will nicht sagen, dass ich wirklich einer wäre!) halte ich mich für relativ tolerant. Diese Toleranz kommt aber nun unter anderem immer dann an ihre Grenzen, wenn Kid A im Kinderwagen gerade eingeschlafen ist und im gleichen Moment wahlweise die nächste Baustelle losrattert, ein Moped vorbeiknattert, schreiende Kinder mit ihren Rädern an und vorbeirasen oder wenn sogar ein Baby in unmittelbarer Nähe heult. Es kann da nichts für, aber Kid A war lange Zeit ein Empathie-Heuler. Ihn steckt das an.

Was sollten junge Eltern aus Deiner Sicht besonders kultivieren?Auch hierzu kann ich noch nichts sagen, siehe Satz 2 in Antwort 4. Umgekehrt freue ich mich aber über Tipps: Wie kriege ich meine Kind dazu, durchs Vorlesen einzuschlafen statt durch Schunkeln auf dem Arm und “Ssshhh”-Geräusche machen? Das wäre doch für alle Beteiligten ein weiterer Fortschritt!
Was macht Dein Kind, während Du diese Fragen beantwortest?
Ich habe diese Fragen in mehreren Einheiten beantwortet. Den Anfang mit einer Hand auf dem Smartphone, während Kid A im Kinderwagen schlief und wir die Kieze erkundeten – ich habe gerade wieder Elternzeit, da schafft man zwar auch nicht viel, aber immerhin viel Strecke. Den Rest jetzt gerade tippe ich wieder auf dem Smartphone, mein Sohn ist gerade zum ersten Mal eine komplette Stunde “allein” im Kindergarten, die Eingewöhnung eben. Und hey, mit zwei Händen und im Sitzen kann man ja viel schneller tippen!