Alltag, Meinung

40 ist 40: ein Geburtstag zu Zeiten von Corona

Ein paar Tage noch: dann werde ich 40. Den ganzen Tag Kuchen essen, liebe Menschen um mich rum und am Abend dann ein, zwei Gläser Gin Tonic und ein bisschen emotional werden: so hatte ich mir das vorgestellt. Leute, die mir schon sehr lange wichtig sind, und solche, die es mir kürzlich erst geworden sind und dazwischen immer wieder ein bisschen Kuchen und von Erlebnissen sprechen, die waren und solche, die geplant sind. Dazwischen immer schauen, dass alle gut versorgt sind: Und so weiter und so fort.

Halt. Stop. So läuft das nicht. Natürlich nicht. Wir haben Pandemie. Als ich 30 wurde, war auch nicht alles rosarot. Ganz im Gegenteil war es sogar eher dunkelgrau, wir sind in eine unaufregende Stadt gefahren und ich dachte mir: 30 nun also ohne Aufwand. Geht vorbei. 40 wollte ich größer feiern. Pompöser. Zurückblicken und der ganze Krams. Man kennt das. Und doch wieder nicht.

Runde Geburtstage in Zeiten von Corona

Mittlerweile bin ich pandemie-müde. So müde, weil es immer wieder das Gleiche ist: Weil ich viele Leute verstehe und so viele auch wieder nicht. Und das Gefühl habe: Dass zwei Menschen, die sich über die Pandemie unterhalten, dass diese fast unweigerlich streiten. Dass der eine da lockert, wo der andere unerbittlich ist. Dass sich die eine da fürchtet, wo die andere entspannt.

Ich bin dankbar, dass der erwachsene Mensch mit dem ich nahezu 24 Stunden zusammen bin, in vielen Punkten so denkt wie ich. Mit sehr vielen Menschen bin ich aber nicht auf Gleichklang. Ich bin latent genervt von dem schrecklichen Verhalten von Menschen, die mir im Supermarkt ihren Gumpf ins Gesicht halten, nicht verstehen, dass ich ihnen nicht die Hand schüttle oder die ich in 17er Gruppen beim Hundespaziergang beobachte.

Aber auch von den Menschen auf Twitter, die den ganzen Tag schreien, dass wir sowieso bald alle sterben, weil die Cousine der Großtante, der ging es auch nach der Impfung schlecht und kennst Du eigentlich schon den Nachbar von XY, der hatte Geburtstag und angeblich will Cousine F heimlich nach Tirol fahren und bitte kann jetzt endlich jemand einschreiten. Es nervt. Einfach. Alles daran.

 

Brickerl: Österreichs zweitbestes Eis.

Ich bin genervt, weil es eigentlich nichts mit mir zu tun. Also natürlich schon. Aber es ist ja doch nur eine Facette. Drum will ich endlich damit aufhören. In diesem Beitrag soll es um mich gehen. Denn ich werde tatsächlich 40. Und ich bin in arger Plauderlaune. Ich merke, dass wenn ich zufällig meine Cousine auf der Straße treffe und sie kaum mehr auslasse, oder wenn ich meine Mutter drei Mal hintereinander anrufe und immer sage, das war der letzte Anruf heute, aber…

Es ist schwierig. Es ist endlos. Und zwischendrinnen werd ich plötzlich 40.

So viel reflektiert über das Leben an sich wie das vergangene Jahr habe ich wahrscheinlich überhaupt noch nie. Ich hab Berlin den Rücken gekehrt, lebe wieder in der Kleinstadt, alles ist anders und auch wieder nicht. Ich bin dankbar über die meinen, verzweifle am eingesperrt sein, würde so gerne Menschen verstehen und tu mir mitunter doch so schwer damit. So schwer wie wahrscheinlich noch nie und ein bisschen zwingen die runden Geburtstage ja zur Reflexion.

2020 war ich nirgendwo so oft wie im Wald.

Nun also tatsächlich fast schon 40. Und ich bin froh, froh, dass ich wirklich keine Problem mit dem Alter habe. Weil: ich kann immer noch ein Disney-T-Shirt tragen, muss immer noch nicht so tun, als würde ich Leute mögen, die ich eigentlich nicht verputzen kann und darf eigentlich meistens ich sein: ich glaub, dafür kann ich dankbar sein. Und mit 40 kommt auch die Erkenntnis: ich muss wieder mehr schreiben, einfach weil ich wieder mehr reden muss. Über mich. Weniger über die Kinder, die mittlerweile in einem Alter sind, in dem mir vieles zu persönlich ist und nicht immer nur über Corona, obwohl es zwangsläufig darüber immer wieder gehen wir.

Ob auf diesem Blog jetzt öfter etwas entsteht: das weiß ich nicht. Weil es sein kann, dass morgen Corona vorbei ist und wir dann drei Monate durch die Gegend tingeln, um alle Leute und Orte (bei mir sind es ja fast noch mehr Orte) zu sehen und ich dann ja mit denen rede. Aber wahrscheinlich nicht.

Ich werd 40. Ich glaube nicht, dass ich noch mal in eine 32 passen werde. Und ich kann mir nicht mal selber versprechen, dass ich mir nie wieder die Haare färben will und vielleicht steht der Wohnwagen noch ziemlich lange neben uns ohne das ihn jemand bewegen darf. Aber mit 40 erkennt man, dass manche Dinge zu einem gehören und auch ohne drei Gin Tonic: das mit der Schreiberei will ich grad wieder mehr.

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