Kultur mit Kind, Meinung

Ich bin nicht die Mutter der Kassiererin / Mama, Mutti und Mami

Es ist schon ein paar Jahre her, da waren wir zu Gast bei einer jungen Familie. Das Kind hielt Mittagsschlaf. Die Eltern saßen nebeneinander auf dem Sofa. Da sagte der Mann zur Frau:”Mama, gib mir mal die Milch.”

Ich, damals noch kinderlos, schritt ein und fand, dass doch der Mann die Frau nach wie vor bei ihrem Namen nennen sollte. Und nicht Mama, bitte. Das sei doch blöd für die Frau und überhaupt. Sie war verwundert, was ich denn daran komisch fände. Sie sei jetzt die Mama.

Symbolbild. 

Mama, Mami oder Mutti – wie das Kind die Mutter nennen mag ist mannigfaltig. Ich bleib dabei: nur das Kind. Mehrmals habe ich seit dem Gespräche geführt mit einer Krankenschwester, was “die Mama” den essen mag. Mit einer Kassiererin, ob “die Mutti” denn das Richtige gewählt hat und mit fremden Menschen, denen ich noch nie begegnet bin, bin ich ungern auf “Mutter und Kind”.  Ich lese häufig Texte in denen “Mama” nun müde ist, oder “Mutti” genervt und bin etwas irritiert. Jeder wie er möchte. Ich mag es nicht so gerne, wenn fremde Menschen in der dritten Person von mir mit mir reden.

Versteht mich nicht falsch, mir ist schon klar, dass ein Vater zum Kind sagt:”Geh zur Mami/Mama/Mutti?” Aber warum nennt ein Mann seine Frau so? Eine Mutter sich selbst? Kommt da nicht eine Verschmelzung mit der Rolle gleich, die ein bisschen eigene Identität mit nimmt? Ich bin gerne Mutter meines Sohnes, Ehefrau meines Mannes, Frauchen meines Hundes und Träger bestimmter Kosenamen, nur Schatz möchte ich keiner sein, aber ich trage auch immer noch einen Namen und das ist gut so.

Die Diskussion auf dem Sofa habe ich übrigens nicht mehr weiter entfacht. Und meine Gedanken in welchen Situationen der Mann seine Frau vielleicht noch Mama nennen könnte, und das ich das jetzt echt komisch fände, habe ich nicht geteilt. Jeder wie er möchte. Und wie ist es bei Euch so? Wie kommt ihr mit der Mamaisiserung klar?

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21 Kommentare

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    Reply Bella 2. Juli 2015 at 9:13

    Mamisiserung? Geniale Bezeichnung dafür. Aber es ist treffend. Gibt man sich nicht als Mama auf? Ist man dann nicht nur noch Muddi? Meine Freunde bringen mich wissentlich auf die Palme, wenn sie mich Mutti nennen. Ich hasse es. Ich bin Bella, oder nicht? Mama Bella, Frau Bella. Egal. Du hast Recht, aber warum machen das alle? Oder geben wir den Takt vor, nach dem sich die Leute richten? Ich meine zumindest, dass ich nicht allen vermittle, mich Mutti/Mama/etc. zu nennen. Liebe Grüße BELLA

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    Reply Sandra Runge 2. Juli 2015 at 10:13

    Gut beaobachtet 🙂 Eine Bekannte von mir hat neulich "papaisiert", das fand ich auch schlimm. Mir passiert das übrigens immer wieder in der Kita. Da bin ich nur noch "Mama von XY". LG, Sandra

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    Reply Simone Leithe 2. Juli 2015 at 10:43

    Ich mag das auch GAR NICHT wenn Männer Ihre Frauen als MAMA rufen. ABER ….. Als wir in Spanien lebten und unsere Süße anfing mich Simone zu rufen, weil sie ja keine deutschsprachigen Kinder um sich hatte, habe ich meinen Mann gebeten mich öfter mit Mama zu betiteln, denn ich finde es ganz grausam wenn Kinder Ihre Eltern mit dem Vornamen rufen! Zurück in Deutschland nach ein paar Jahren, haben wir uns das aber wieder abgewöhnt! 🙂
    Supersüß finde ich im Kindergarten das "Mama von XY", oft machen das sogar die Erzieher wenn sie über Eltern sprechen! „wink“-Emoticon

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    Reply Nieselpriem 2. Juli 2015 at 11:07

    …Ging schon im Kreißsaal los: "Herzlichen Glückwunsch, Mutti!" (Ey, ich bin nicht ihre Mutti!).
    Find ich schlimm. Wenn der Mann mich rasend sehe will, nennt er mich Mutti. Ich will auch nicht mit meinen anderen Rollen angesprochen werden. Schatz darf man mich aber nennen. 🙂

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    Reply Anonym 2. Juli 2015 at 12:12

    Also außer im Kindergarten (Hallo, das ist übrigens die Mama von XY) ist mir das zum Glück noch nie passiert. Sollte aber jemand auf die Idee kommen, muß er damit rechnen wie ein kleines Kind behandelt zu werden.

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    Reply Nikahex 2. Juli 2015 at 14:38

    Hey, ich verstehe euch gut bei wildfremden ist das irgendwie befremdlich. In der eigenen Familie finde ich es allerdings nicht schlimm. Besonders weils für die Kinder oft einfacher zu verstehen ist wer denn jetzt gemeint ist. Wenn der Papa also zur Mama auch Mama sagt ist das für die Kinder oft einfacher zu kapieren als wer jetzt plötzlich mit XY gemeint ist.

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    Reply derkleinegemischtwarenladen 2. Juli 2015 at 15:31

    Ich rede durchaus von mir als der "Muddi". Zum Beispiel, wenn ich mit den Mädels unterwegs bin, dann sag ich schon mal im Scherz: "Die Muddi ist müde…" aber ich lebe nicht die Mama-Rolle.
    Und vor dem Kind sind wir Mama und Papa, in der Kita die Eltern von xy, aber wenn mein Mann mich jemals "Mutter" rufen würde, könnte er sich ne Neue suchen.

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    Reply Frau Morag 2. Juli 2015 at 19:28

    Ich bin auch ich und nicht Mama. Mama meines Sohnes (ja, der ist inzwischen 21 *gg*), aber ansonsten bin ich Christine. Und auch, als das Kind klein war, war ich "ich" und nicht "Mama". Mir sträuben sich die Haare, wenn Mütter zu ihrem Kind sagen "Mama geht mal in die Küche" etc. …

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    Reply Anonym 2. Juli 2015 at 19:30

    Naja, man kanns auch übertreiben 😉 Es gibt nun wirklich Schlimmeres, als dass mich jemand auf diese Weise anspricht. Damit will keiner implizieren, man sei nur noch die "Mama". Auf Arbeit bin ich durchweg Frau Soundso. Wenn dann nun der Kleine mal da ist und mein Chef ihm beispielsweise sagt "die Mama hilft dir gleich" während ich daneben stehe, spricht mir das doch nicht alle meine Kompetenzen gegenüber meinem Chef ab.

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    Reply Frau Morag 2. Juli 2015 at 19:31

    Kinder sind doch nicht doof 😉
    Auch die ganz kleinen wissen durchaus, dass 'Christine' ihre Mama ist. Wir haben, auch als das Kind ganz klein war, gesagt "frag mal Olli" und nicht "frag mal Papa". Andere Menschen haben ja auch Namen und heißen nicht "Kind" oder "Frau" … 😉

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    Reply Eva 2. Juli 2015 at 21:39

    Als meine Tochter ungefähr 9 war, machten wir zum ersten Mal Urlaub in der Schweiz. Dort war nicht nur von Mama und Mutti die Rede, sondern die Mutter der Kinder wurde als "DAS Mutti" bezeichnet…das hat mein Kind und mich in seiner verstörend konsequenten Entindividualisierung der Person Mutter dermaßen beeindruckt, daß ich seitdem alle Briefe, Mails und SMS an die Tochter mit DasMutti, seit 5 Jahren respektive DasOma, unterzeichne. Muß man alles immer nicht so ernst nehmen. 🙂 Kinder, die Eltern und Großeltern beim Vornamen nennen (müssen), finde ich persönlich ähnlich merkwürdig, wie Männer die ihre Frauen Mama nennen. Hat sicher alles seinen Sinn. Und wenn's glücklich macht…;)

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    Reply kleine Eurydike 3. Juli 2015 at 7:53

    Ich bin noch kinderlos und habe mir diese Frage tatsächlich auch schon häufiger gestellt. Tut dat Not? Aber sicher… jeder wie er will

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    Reply Vivi 3. Juli 2015 at 19:31

    Bei uns ist es andersherum, ich sage zu meinem Mann oft "Papa", weil ich es liebevoller und inniger finde als seinenVornamen oder "Schatz". Denn seit er "Papa" ist und ich sehe wie er mit den Kindern umgeht, liebe ich ihn noch mehr als vorher. Ich finde daran nichts verwerflich.

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    Reply Bettina Apelt 4. Juli 2015 at 7:54

    Siehst gar nicht nach einem Schatz aus, liebe Rike. 🙂

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    Reply Bettina Apelt 4. Juli 2015 at 7:55

    Das find ich nicht schlimm, bis zu einem gewissen Alter sogar schlüssig. Schlimm wird es wenn der Mann sagt, "Mama bringst Du mir was aus der Küche mit". 😉

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    Reply Bettina Apelt 4. Juli 2015 at 7:56

    Schlimmeres gibt es natürlich immer. Komisch bleibt es, für mich.

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    Reply Bettina Apelt 4. Juli 2015 at 7:57

    Das Mutti? Das ist ja gruselig…. war aber nicht Usus dort oder sondern eher Einzelfall?

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    Reply Bettina Apelt 4. Juli 2015 at 7:58

    Ging mir auch so. Ich fand das auch vorher schon komisch.

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    Reply Bettina Apelt 4. Juli 2015 at 7:59

    Liebe Vivi, verwerflich ist daran natürlich nichts, vor allem ist Deine Begründung sehr lieb. Für mich ist es einfach immer nur ein bisschen befremdlich, kommt aber sicher auch immer drauf an, in welchen Momenten Du ihn dann tatsächlich so nennst. 😉 Und wie immer gilt: Jeder wie er will. 🙂

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    Reply Anonym 9. Juli 2015 at 11:21

    Wenn ich mich vorstelle – ob auf einem Elternabend, Elternstammtisch, wo auch immer man in seiner Rolle als Elternteil auftritt – stelle ich mich immer mit meinem vollem Namen vor. Dann sage ich "XY ist mein Sohn." Diese Reduzierung auf die eine Rolle in meinem Leben nervt mich total. Ich bin ich. Ich habe einen Namen und viele verschiedene Rollen. Die der Mutter ist eine davon. Eine wichtige, aber nicht die, die mich vor allen anderen definiert.
    Den Kosenamen "Schatz" finde ich übrigens auch ganz schrecklich. Das ist so beliebig. Wenn man seinen Liebsten in der Öffentlichkeit "Schatz" nennt, drehen sich vermutlich direkt fünf andere Männer um. 😉

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    Reply Das schwarze Mutterschaf 2. April 2016 at 22:12

    Sehe ich genauso. Und doch erwische ich mich dabei, dass ich meinen Freund, quasi im Namen des Kindes, als Papa anspreche. Und da meine Kleine noch nicht sprechen kann, verschwinden die Grenzen da ganz schnell. Ich muss also sehr auf der Hut sein! 😉

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