Kultur mit Kind, Meinung

Halloween setzt Erziehungsmodelle außer Kraft

Vor drei Jahren war ich zu Halloween am Helmholtzplatz im Prenzlauer Berg: Hunderte von Kindern wuselten verkleidet rum. Der Spielzeugladen war restlos überfüllt, und viele quietschten vor Vergnügen. In vielen Läden wurden Süßigkeiten ausgegeben und Scharen von Kindern zogen von Tür zu Tür.

Ich liebe Verkleiden. Die Stimmung war großartig. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie toll das für Kinder ist. Aber. Aber: Zum einen finde ich es etwas befremdlich, wenn dreijährige Mädchen als Leiche verkleidet rumlaufen, und aussehen als wären sie schwer krank. Ich könnte etwas von pietätslos und von persönlichem Erschrecken murmeln, dann würde man mir aber vielleicht entgegnen, dass ich das mit Halloween nicht verstanden habe, deshalb höre ich ja schon auf. Aber. 
Und jetzt zum größeren Aber, was mir wirklich nicht in den Kopf geht: Der Großteil der Eltern predigt täglich, dass Kinder nichts von Fremden annehmen sollen. Das sind diese Eltern, die ihre Kinder am 31. Oktober ermuntern sich von jedem x-beliebigen Menschen ein altes Kekserl in die Hand drücken zu lassen. Kann mir das mal jemand erklären, warum für einen Tag die Erziehungsgrundsätze außer Kraft treten? Oder seht ihr das ganz anders?

Für Hilfe wäre ich denkbar, denn die Partystimmung am Helmholtzplatz fand ich eigentlich recht überzeugend. Eigentlich. 

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10 Kommentare

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    Reply Desiree 28. Oktober 2015 at 9:11

    Da hast du recht das versteh ich nicht wirklich. Aber an St. Martin ists ja auch nicht anders. Da rennen auch alle (oder zumindest die meisten^^) Kinder von Tür zu Tür und betteln. Ich als Kind habs gern gemacht zu St. Martin aber kann mir das heute als Mutter auch absolut nicht vorstellen das mein kleimer das auch machen wird oder will irgendwann…

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    Reply Zweifachmama 28. Oktober 2015 at 11:59

    Ich mag Halloween nicht, generell nicht. Aber: Als Elternteil kommt man nicht drumherum. Irgendwann. Großkind ist mit 5 3/4 das erste Mal unsere Straße (wir wohnen auf dem Dorf, hier kennen wir alle Nachbarn) einmal hoch und runter gegangen, nachdem bei uns einige Kinder klingelten und er es unfair fand, dass wir unsere Süßigkeiten weggeben, aber er nichts einsammeln darf. Vor zwei Jahren gab es genau das selbe Spiel. Straße hoch und runter (und natürlich immer in Begleitung eines Erwachsenen. Er weiß auch, dass es ein besonderer Tag und nur an diesem Tag umhergegangen wird). Letztes Jahr war er bei einer Freundin feiern und auch dort ging es die dortige Straße hoch und runter.
    In diesem Jahr wollte ich es ignorieren – wegfahren. Letzteres geht nicht aufgrund unserer Katzeneingewöhnung. Und die Kinder (mittlerweile beide, der Kleine sieht es ja beim Großen) fragen nach.
    Also gehen sie als Fledermaus und Gespenst. Wieder nur die Straße hoch und runter. Im geschützten Rahmen, so lange ich das noch beeinflussen kann.
    Mein großes Kind wird jetzt acht, der Kleine ist vier.

    Im Norden gibt es übrigens zu Silvester eine andere Tradition … Rummelpottlaufen (http://de.wikipedia.org/wiki/Rummelpottlaufen) …. auch in der Nachbarschaft.

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    Reply Bettina Apelt 28. Oktober 2015 at 12:26

    Ich hab ein bisschen Angst, dass wir da nicht drum rum kommen, ist ja so wie früher Fasching, oder? Da kannst ja argumentativ wenig machen, oder? Ich will nicht, dass Du Dich verkleidest, ist ja kein Argument. Und es wirkt ja eigentlich auch recht spaßig. Ich hab ja noch ein paar Jahre Zeit mir was zu überlegen. Du auch? 😉

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    Reply Bettina Apelt 28. Oktober 2015 at 12:27

    Die Straße hoch und runter heißt, dass ihr quasi alle Leute kennt, und Du kein Problem damit hast, wenn die Euren Kindern am 3. November – als Beispiel – Schokolade über den Gartenzaun reichen? 🙂 Dann wäre das ja wieder was anderes, das mit den Läden hat mich, glaub ich, noch mal extra irritiert. 🙂

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    Reply Zweifachmama 28. Oktober 2015 at 12:43

    Ja genau. Es sind vertraute Leute. Von denen sie über das Jahr immer mal was bekommen – nebenan und gegenüber schenken zum Geburtstag was, weiter hinten sind sie regelmäßig zum spielen, sprich es gibt da auch was mal. Bei den anderen ernten sie Birnen, sammeln Nüsse auf etc.
    Und sie wissen, dass dieses Halloween eben am 31.10. ist. Nur dann wird untergegangen.

    Vermutlich wird sich der Aktionsradius vom Großen in zwei Jahren erweitern, aber auch dann schauen wir.

    Bei Läden wäre ich wohl auch irritiert.

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    Reply Glucke und So 28. Oktober 2015 at 13:51

    Die Kids die beinuns zu Hause klingeln sind unsere Nachbarn, ich weiß von Müttern, dass sie alles noch mal anschauen bevor die Kinder es bekommen. Ich hoffe und bete ja dass man Kindern nichts antun möchte. An öffentlichen Plätzen ist es etwas anderes und von Fremden würde ich da nix nehmen es sei denn es ist noch komplett verpackt. Wir feiern Halloween sowieso nicht.

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    Reply Lareine 28. Oktober 2015 at 17:24

    Unsere machen den "Heischebrauch" (so der Fachausdruck für diese Gebettel an den Haustüren) an Halloween auch mit.
    Zu Sankt Martin verzichten sie, dafür nervt es sie, wenn es dauernd an der Tür schellt.
    Und das nervt mich auch. Irgendwann stelle ich die Klingel ab und mich tot.

    Das ist so eine Sache des Gruppendrucks, dem man als Eltern dauernd ausgesetzt ist. Ich finde davon vieles nervtötend und entziehe mich. Aber ist nicht immer einfach.

    Bräuche, deren Sinn die Teilnehmer nicht kennen oder nicht mal wirklich hinterfragen, finde ich eh immer etwas seltsam. Dazu gehört Halloween auch. Ich sehe es als sozialen Phänomen und lebe damit. Ich mochte das anfangs sehr, weil ich ja auch etwas für Gruselgestalten wie Zombies oder Vampire übrig habe. Ich gehöre aber zu den Klischee-Typen, die sagen:
    Jetzt, wo es überkommerzialisiert ist, distanziere ich mich. Dafür war ich aber auf einer der ersten Halloweenparties, die in meinem Umkreis veranstaltet wurden. Das war so 1997 … 😀

    Halloween sieht wirklich oft sehr schaurig aus, da verstehe ich, dass es Dir nicht gefällt.
    Ich fürchte aber, dass auch Dein Kind das mögen wird und auch Süßes sammeln will … und man kann sehr schlecht erklären, warum es nicht mitgehen darf, wenn die anderen Kinder losziehen.
    Außer, man hat religiöse Bedenken – das gibt es bei Halloween ja auch. Siehe beispielsweise die Evangelikalen in den USA …

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    Reply Sabrina Schultz 28. Oktober 2015 at 19:45

    Ruhrpott ist Karneval da fliegen auch massen und nie ist was passiert, wir sind auch st. martin singen gegangen, nie was passiert, ein ort weiter bei meiner tante ging man karneval singen. nie was passiert. Ich verbiete meinen sohn auch nicht von keinen was anzunehmen. der Nette Herr an der Bushaltestelle darf gern eins von seinen bonbons teilen, er steckt sich die ja selbst on den Mund. Oder die ticktacks die die nette frau vor uns an der kasse bezahlt und ihm zusteckt, nachdem sie mich verschwörerisch ansah.

    Halloween geht hier leider keiner rum.
    Aber mal ehrlich? Die Amis habe da schon ihre Urbanlegenden was süßes an Halloween betrifft, passiert ist doch nie was.

    Mir wurde aber auch nie verboten von fremden nichts anzunehmen. sondern es wurde eine vorsicht beteuert und ich bin in zeiten groß geworden wo LSD und co auf Kaugummi oder esspapier rumging (angeblich wahrnungen gabs viele aber keiner kennt nen betroffenen wirklich)

    Wie sagt mein sohn immer "wenn man sich vorstellt und den Namen kennt ist man nicht fremd. man darf nur nicht mitgehen ohne die Mama zu fragen"
    😀 Weltoffen, aber vorsichtig.

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    Reply Shynarja 29. Oktober 2015 at 11:41

    Ich bin als Kind immer von Haus zu Haus gegangen und habe Süßigkeiten bekommen. Zu St. Martin. Das ist im Rheinland eben Brauch und es war toll vorher Laternen zu basteln, Kostüme anzuziehen und Lieder zu lernen.
    Voller Stolz zog man dann mit Freunden und einem Elternteil los und sang den Leuten was vor. Wer nicht wollte, machte die Tür eben nicht auf.

    Was das eine mit dem anderen zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz. Ich kenne niemanden aus meinem Freundeskreis, der jemals etwas von Fremden auf der Straße angenommen hat. Ich habe das auch nicht gemacht. Warum auch? Meine Eltern haben mir erklärt, dass St. Martin eine Ausnahme ist und damit war das für mich erledigt.

    Das hat auch nichts mit betteln zu tun. Wie gesagt, wer nicht möchte, macht die Tür nicht auf und die Kinder ziehen eben weiter.
    Was ich meinem Sohn nicht erlauben würde, wäre an Halloween UND St. Martin loszuziehen. Soll er sich eins aussuchen. 🙂

    Sonnige Grüße,
    Shy

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    Reply Unknown 30. Oktober 2015 at 14:56

    bei uns ist es jetzt das erste mal Thema. Im Kindergarten sind sie von diesem Thema völlig verschont geblieben, aber in der Schule und mit Englisch ist es vorbei. Ich habe gestern meinem Großen erklärt, dass wir es nicht feiern, weil wir noch nie ein Gepenst oder eine Hexe gesehen haben. Was vielleicht nicht jedermanns Sache ist – wir sind bei einer Allerheiligenparty, die Kinder verkleiden sich als ihr Namensparton (ist auch gruselig – Sebastian und CO)

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