Kultur mit Kind, Meinung

Rum-ge-gendert

Symbolbild

Dunkelblau ist der Winteranzug vom frühen Vogerl. Dunkelblau und ein kleines bisschen zu klein. Deshalb sind wir gestern zu dem Bio-Baby-Laden in Berlin, der ein bisschen zu viele Prenzlauer-Berg-Klischees vereint, und den ich nicht so gerne mag.

Ein neuer Winteranzug soll es sein, sagte ich zu einer Verkäuferin, die ich dort noch nie gesehen hatte. “Bitteschön”, freudestrahlend und sehr stolz hält sie mir ein pinkes Exemplar entgegen. “Es ist ein Junge” entgegne ich und deute auf den blau gekleideten Knaben. Das mache nichts sagt sie, grad hierbei entscheiden sich Eltern nun immer öfter bewusst für pink. Das sei volle Absicht, erklärt sie mit Stolz.

Ich bin ähnlich irritiert wie letzten Monat, als ich eine Krankenschwester dabei beobachtet habe, wie sie einem Dreijährigen erklärt hat, dass er der Puppe etwas kochen soll. Nachdem er sie geschminkt hat.

Anders als bei der Krankenschwester bin ich hier aber gefordert irgendwas zu tun. Ich  murmle etwas von altmodisch und kaufe einen anderen Anzug. Lindgrün ist er. Hübsch. Aber so ganz schlau bin ich nun nicht. Jungs von heute tragen also auch mal pink und lernen schminken. Aber so mit voller Absicht? Wo sind Eure Gender-Grenzen?

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4 Kommentare

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    Reply Andrea 4. Dezember 2014 at 21:47

    Liebe Bettie,
    ehrlich gesagt habe ich diese Grenzen nicht. Vielleicht, weil ich Gender Studies studiert habe. Meine Tochter darf Traktoren mögen, "Jungs"Pullis anziehen und alles machen, was Jungs eben dürfen. Weil ich glaube, dass das einfach nur in unseren Köpfen ist. Mich nerven diese Farbzuschreibungen kollossal. Pink und Glitzer für die Mädchen, braun und blau für die Jungs. Ist das nicht total egal? Vielleicht sehe ich das irgendwann anders, aber gerade denke ich mir: Hauptsache sie hat was an. 🙂

    An sich aber ein spannendes Thema, vielleicht sollte ich dazu auch mal bloggen. Ich verweise dann auch auf dich!

    Liebe Grüße,

    Andrea

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    Reply Bettina Apelt 5. Dezember 2014 at 8:11

    Liebe Andrea, Danke für Deinen schnellen Kommentar. Grundsätzlich sehe ich es wie Du, dass sich so eine Sichtweise immer mal wieder ein bisschen verändern kann. Mein Sohn trägt dunkelblau und grün. Auch rote Sachen hat er. Aber mal ganz ehrlich: Warum soll ich ihm einen pinken Strampler kaufen? Und warum "muss" ein Dreijähriger lernen wie man schminkt? Ich bin auch der Meinung, dass das eine Dreijährige nicht in der Form lernen muss. 😉 Wahrscheinlich gibt es da auch immer noch mal Unterschiede, ob Sohn oder Tochter. Verstehe ich total, dass Deine Tochter Traktoren mögen darf. Wer ja schlimm, wenn nicht. Aber was wäre, wenn das Runzelfüsschen ein Junge wäre und gerne als Lilifee zur Schule gehen möchte?? Ich bin sicher, Du hast da auch Grenzen. Nicht: Weil Du so geschlechtertypisch denkst, sondern weil es einfach die Gesellschaft ist. Was meinst Du?

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    Reply Andrea 5. Dezember 2014 at 9:12

    Lustigerweise denke ich, aus jetziger Sicht, dass mich das überhaupt nicht stört, wenn mein Sohn im Prinzessinnenkleid herumlaufen würde. Weil ich der Meinung bin, dass das alles nur Klamotte ist. Und die ist mir nicht wichtig. Meine Tochter trägt auch viele "Jungs"klamotten, weil ich momentan ja noch steuern kann, was sie anzieht. Wenn sie später ihre Kleidung selbst zusammenstellt, dann bin ich pragmatisch: was immer sie mag, solange es warm genug ist.
    Wie ich dann aber damit umgehen, wenn meine Tochter dafür Kommentare bekommt, einfach weil das in der Gesellschaft leider so ist, das kann ich natürlich nicht vorhersehen.
    Ich glaube, es ist alles ein sich rantasten und ausprobieren.

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    Reply Bettina Apelt 5. Dezember 2014 at 9:54

    Zu oben: Wäre statt wer. 😉 Bin bei Dir. Sehe auch weniger ein Problem darin, dass es für einen Jungen komisch ist, wenn er rosa trägt, aber sehr wohl, wenn er dafür gehänselt wird. Ich find Klamotten aber auch nicht unwichtig, und war selbst ein rosa Mädchen. 🙂 Sicher hast Du aber Recht mit: Alles ist ein Herantasten und ausprobieren. 🙂

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