Wird noch nicht fremdgesittet

Meine Neigung, Menschen schnell ganz viel anzuvertrauen, ist nicht sehr groß. Das äußert sich in Gesprächen, die nicht gleich zu vertraulich werden sollten, leicht paranoiden Blicken hinter mich, wenn ich am Geldautomaten stehe oder auch darin, dass ich nur wenigen Leuten meinen Hund zum Spazierengehen mitgeben würde.

Manchmal mache ich auch eine Ausnahme und gebe mich vertrauenseelig. Diese Ausnahme mache ich ungern bei meinem Kind. Wir sind also die klassische Familie, die auf Betreuung innerhalb der Familie setzt. Theoretisch. Die Familie ist groß, und wir verstehen uns gut: Ein paar Hürden gibt es aber doch.

Großeltern, Urgroßeltern, Tanten, Onkel, Großonkel: Es gibt einige Leute, die diesen Job vielleicht mal ein paar Stunden übernehmen könnten. Theoretisch. Die Differenzen, warum es nicht klappt sind unterschiedlich: Zwischen 300 und 800 km weit wohnen diese Menschen weg.

Wir müssen uns also umorientieren. Freunden mein Kind für längere Zeit in die Hand zu drücken, kann ich mir bisher nur in Ausnahmefällen vorstellen. Grad, die denen ich das zutrauen würde, haben noch nie gefragt. Die Nummer von der Babysitterin am Supermarkt-Brett habe ich abfotografiert und wieder verworfen. Wir haben also keinen Babysitter und ich stelle fest, dass meine Ambitionen das zu ändern grad recht gering sind.

Vielleicht ändert sich das in naher Zukunft. Vielleicht auch nicht. Vorerst freue ich mich auf einen baldigen Besuch in meiner alten Heimat. Dort gehen wir dann ins Kino, ohne dem frühen Vogerl, und was essen. Und. Und. Vielleicht. Oder wir freuen uns darüber, wie sich alle über das frühe Vogerl freuen. Wahrscheinlich beides. Wir werden sehen. Am Vertrauen wird es nicht scheitern.

Dieser Text ist Teil der Blogparade, die Andrea vom Runzelfüsschen-Blog ins Leben gerufen hat.