Immer wenn sich Menschen “endlich mal etwas sagen trauen” kriege ich Angst. Selten kommt da Gutes bei raus. Als die SZ vor wenigen Tagen einen Artikel brachte, der von einigen Frauen erzählt, die ihre Mutterschaft bereuen, bricht unter #regrettingmotherhood scheinbar Unglaubliches los.

Symbolbild

Zahlreiche Artikel erscheinen von Frauen, die erzählen, an welchen Stellen sie Dinge bereuen. Und wie vieles vor den Kindern leichter war. Und wie gut es ist, dass endlich einmal darüber gesprochen wird. Mal abgesehen davon, dass der Hashtag #regrettingmotherhood super unglücklich gewählt ist, kann ich nicht verstehen, warum so viele in epischer Breite von verpassten Möglichkeiten schreiben müssen. Ich sehe das nicht so. Es ist traurig, wenn jemand das so empfindet. Sicher ist das auch legitim. Ich frag mich nur, warum das öffentlich ausgetragen werden muss?

Denn wie Die Anderl so schön gesagt hat, auch Kinder können googlen. Irgendwann liest ein Kind das und das kann dann für die Mutter, die mit ihrem Text den Befreiungsschlag erlebt, ganz schön unschön sein. Aufgabe einer Mutter ist doch auch ihr Kind zu schützen. Im Zweifel vor der eigenen Mitteilsamkeit. Sonst kann es die Persönlichkeit eines Kindes doch mehr treffen als ein unverpixeltes Gesicht.

Ich habe nicht viele dieser Texte gelesen. Aber einige, die ich wirklich sehr befremdlich fand. Vielleicht tue ich so auch manchen Unrecht. Und kein Mensch muss den ganzen Tag jubeln, wie toll alles ist. Aber trotzdem. Probleme kann man auch positiv thematisieren. Grandios über die Schwierigkeit von Vereinbarkeit ist zum Beispiel der Text von Susanne von Geborgen Wachsen. Oder von der Berlin Mitte Mom Anna, die manchmal eine Pausetaste möchte. Oder von Bella, deren Kind auch mal alles an die Wand pfeffert. Oder von Andrea von Runzelfüsschen über das veränderte Leben als Mutter. Hoffentlich entstehen noch viele solcher Texte. Voller Liebe. Denn ein gemeinsames in die Tüte kotzen hat noch niemanden geholfen. Das musste mal gesagt werden.