Als ich vor beinahe elf Jahren nach Berlin kam, war ich ein Fan von vielem. Vor allem aber vom Berliner Nachtleben. Jeden Abend auszuwählen, zu welcher Musik man tanzen möchte, welches exotische Essen auszuprobieren ist, welcher unentdeckte Autor eine Lesung gibt und wo man trinken kann. Viel. Man. Also ich. Auch. Manchmal. Ich liebte dieses Leben. Damals.

Letzte Station des Abends

Mein liebster Kumpane bei all diesen Unternehmungen war mir, nachdem ich ihn einmal kennengelernt hatte, mein Mann. Wir liefen barfuß um drei Uhr nachts übers Ostkreuz, als es noch klein war, lernten wie zu Weihnachten der Eierlikör in der Stammkneipe schmeckt. Wir bedauerten die Eckneipe von gegenüber, die plötzlich nicht mehr unser Wohnzimmer sein konnte. Waren bei Kinopremieren, bei Clubschließungen und auch bei Wiederöffnungen, diskutierten nachts um drei mit jemanden, der einmal zwei Tage in unserem Lieblingsclub verbracht hatte, stritten mit grummeligen Taxifahrern und hatten immer Spaß dabei. Und auch die Fähigkeit uns einzugestehen, wenn es nicht lustig war.

Im Laufe der Zeit waren unsere Ausflüge oft kürzer, und nicht mehr täglich. Sondern eher wöchentlich. Kurz bevor das frühe Vogerl sich auf den Weg machte, hatten wir uns schon auf monatliches Partymachen eingependelt. Ein paar Monate hielten wir uns dann ganz zurück. Die Betreuung, und ein bisschen auch die Müdigkeit: Man kennt das. Nach einem Jahr als Eltern wollten wir es wieder wissen: Partymachen mit exzellenter Kinderbetreuung, zuhause, stand auf dem Programm. Ich war wild entschlossen mindestens einen Gin Tonic und drei Zigaretten zu konsumieren. Vielleicht sogar einen zweiten. Und zu tanzen und mich ein bisschen daneben zu benehmen. Und. Und.

Heimweg

Es kam, wie es kommen musste, und wie es schon tausend Mal beschrieben wurde: Wir wollten dann doch nicht so lange wegbleiben. “Hust, hust”, das Publikum im Lieblingsclub und einiges andere hat sich ja auch verändert. Und wir. Wir vielleicht auch ein bisschen.

Unsere erste Partynacht, die wohl eher ein Abend war, kann man somit vielleicht als gescheitert betrachten. Und beim Streit mit dem Taxifahrer, warum die Idioten uns auch immer finden, und beschwipst von meinem dreiviertel-Gin-Tonic stellte ich fest, dass es immer noch stimmt: Dass ich mit diesem Mann da hinten auf der engen Rücksitzbank viele Dinge am liebsten mache. Abends und tagsüber. Und das ist gut so. Ich liebe das. Auch heute.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von Grosseköpfe zum Thema #geschichtenvomscheitern. Ich danke der lieben Alu für die Verlängerung der Frist, in der ich es nun knapp geschafft habe.

PS.: Kino anderntags funktionierte übrigens hervorragend.

Und wie war Eure erste Partynacht gemeinsam als Eltern?