In den Familienrollen erzählt Stephi wie das Leben so ist als Vierfachmutter, ob sie sich beim vierten Kind ein Mädchen gewünscht hat und ob sie mi 20 eine andere Mutter war als heute.

Du bist Mutter von Vieren: War Dir von Vornherein klar, dass Du so eine große Familie haben willst?

Stephi mit 2 von 4en.

Einer meiner Lieblingssprüche ist „Leben kann man nur vorwärts“.

Ob ich jemals eine Grossfamilie geplant habe? NEIN! Ich wollte gerne Jura studieren, jung heiraten und zwei Kinder bekommen und dann wie im Märchen bis an mein Lebensende und so.…

Ich habe dann eine Ausbildung gemacht, jung geheiratet, zwei Kinder bekommen und dann BWL studiert.

Dann kam alles anders, als im Märchenbuch und ich war geschieden. Und frisch verliebt. Uns war schnell klar, dass auch gemeinsame Kinder in Frage kommen, aber an erster Stelle standen meine zwei Kinder, die erstmal mit möglichst kleinen Wunden durch die neue Lebensphase begleitet werden sollten.

Als wir alle unseren Platz in der neuen Konstellation gefunden haben, kam unser dritter Sohn und 20 Monate später unsere Tochter dazu.

Deine Kinder sind zwischen 14 und 1: Welche Vorteile und Nachteile ergeben sich aus dieser Geschwisterkonstellation?

Bei uns treffen sechs Menschen mit individuellen Bedürfnissen aufeinander. Jeder möchte Aufmerksamkeit oder auch Ruhe haben.

Wir Erwachsenen genauso wie die Kinder. Das alles unter einen Hut zu bekommen und allen gerecht zu werden ist unmöglich, das habe ich mit inzwischen eingestanden. Ich persönlich empfinde das als Bereicherung, denn wir alle lernen, sensibler auf die Bedürfnisse der anderen zu achten und diese auch zu akzeptieren. Meine Kinder lernen auch, dass ich nicht der Mittelpunkt ihres Universums bin.

So unternehmen die Grossen gerne zusammen etwas oder die Kleinen spielen miteinander oder mit den Grossen, während ich andere Sachen erledige.

Der Älteste zieht sich mal in sein Zimmer zurück und sucht seine Ruhe, der zweite spielt solange mit dem kleineren Bruder.

Irgendwie ist immer jemand da und jeder packt mit an und hilft. Dafür müssen aber auch die kleinsten mal mit, weil ich ihren grossen Bruder zum Fussball fahre, oder alle Kinder müssen es mal 30 Minuten aushalten dass mein Mann und ich was für unser Startup  geneinsam erledigen müssen.

Vor Kurzem habe ich einen Blogbeitrag darüber geschrieben, dass manche Leute darauf hinfiebern, welches Geschlecht denn das Baby haben wird. Du hast drei Jungs und ein Mädchen: War das Umfeld sehr bestrebt zu erfahren, ob Dein viertes Kind ein Mädchen oder Junge wird?

Sicherlich werden jetzt viele den Kopf schütteln, aber ja. Ich habe mir ganz, ganz, ganz dolle ein Mädchen gewünscht. Ich wollte gerne einmal eine Mädchenmama sein und erfahren wie es sich anfühlt. Ich hab meiner Ärztin ein Loch in den Bauch gefragt und war tränenüberströmt glücklich, als sie mir das verraten hat, dass wir ein Mädchen bekommen.

Unserem Umfeld haben wir gesagt wir wissen es nicht. Einige waren regelrecht wütend und fühlten sich persönlich beleidigt, dass wir es nicht verraten, aber so ist es halt.

Du bist eine 36 Mutter eines kleinen Mädchens und warst 22 als Du Deinen ersten Sohn bekommen hast: Bist Du all Deinen Kindern die gleiche Mutter?

Das ist schwer zu beantworten, weil es sehr vielschichtig ist. Mit 21 (ich wurde erst 3 Wochen später 22) war ich sehr jung und unerfahren.

Wir waren gerade in frisch nach Hamburg gezogen, in meinem Umfeld gab es nur Mütter jenseits der 30. Ständig fühlte ich mich beobachtet, hatte das Gefühl, die Leute würden jede meinen Umgang mit den Kindern beurteilen und bewerten.

Das führte dazu, dass ich sehr konsequent war und allen zeigen wollte, dass auch eine junge Mutter eine gute Mutter ist. Dadurch wirkte ich nach außen hin vermutlich oft streng. In den ungezwungenen Momenten jedoch, war ich deutlich ungezwungener als heute. Ausgelassen toben, sich auch mal zum Horst machen in der Öffentlichkeit, das alles war mir nicht wirklich peinlich.

Heute bin ich eine deutlich entspanntere Mutter, davon haben sicher auch die Großen profitiert. Ich habe gelernt, dass ich gewisse Dinge nicht beeinflussen kann, sondern aussitzen muss, weil sie sich schon von alleine regeln.

So bin ich zum Beispiel in keinem einzigen Kurs mehr um die Kinder schon mit zwei in Englisch, Musik und Malerei unterrichten zu lassen. Stattdessen verbringen wir nachmittags einfach Zeit miteinander. Ich bin so viel gelassener. Ob andere meinen Erziehungsstil gut oder schlecht finden, tangiert mich kaum noch – so lange die Augen meiner Kinder leuchten und wir als Familie im Gleichgewicht sind.

Du arbeitest, unterstützt Deinem Mann bei seinem Unternehmen, bloggst und hast vier Kinder: Was bedeutet Vereinbarkeit für Dich und wie funktioniert das?

Vereinbarkeit ist für mich sicherlich deutlich einfacher als für eine alleinerziehende Mama, die alle Bälle jonglieren muss, ohne auch mal abgeben zu müssen. In meiner Familie ist Vereinbarkeit vor allem ein Geben und Nehmen.

Das beide Partner sich gleichzeitig mit voller Power um ihre Karriere kümmern, funktioniert für uns beide nicht. Dafür ist uns unser Familienleben viel zu wichtig und steht für uns beide immer ganz oben. Trotzdem sind wir beide sehr ehrgeizig und wollen vorankommen.

Wir sind also darauf angewiesen auch mal zurückzustecken, bzw. einzufordern. So wollte ich nach der Geburt unseres 3ten Sohnes gerne schnell wieder arbeiten, da ein grosses spannendes Projekt anstand, dass ich massgeblich mit beeinflussen wollte.

Mein Mann hat dann Elternzeit genommen und ich bin wieder Vollzeit arbeiten gegangen, als unser Sohn 9 Monate alt war. Das ging super und fühlte sich damals für uns beide richtig an. Jetzt mit dem vierten Kind wiederum stecke ich zurück. Mein Mann hat mit www.3weine.de ein Start Up gegründet, ein Traum, den er schon lange hegt und nun war der richtige Moment gekommen.

Ich war jetzt also 18 Monate zu Hause und kehre im November in Teilzeit in meinen Job zurück. Ich werde in Teilzeit sicherlich nicht so schnell den nächsten Karriereschritt machen, aber das ist ok, denn in unserem Gesamtgefüge ist die Situation genau richtig und wir fühlen uns alle wohl damit.

Was wünscht Du Dir für die Zukunft?

Privat: Das wir irgendwann alle gemeinsam an einer langen Tafel in unserem Garten sitzen.

Mit unseren Kindern und Enkeln verbringen wir einen wunderschönen Sommerabend und sind glücklich, weil wir es geschafft haben trotz aller Widrigkeiten, Trotzphasen, Pubertäten, Familienzwiste und Krisen, eine Familie zu bleiben, die sich mag, ehrlich miteinander ist und auch mal verzeihen kann – aber vor allem immer lacht, liebt und lebt.

Danke Dir für Deine Einblicke. Zu dem Blog von Stephanie geht es hier.