Kultur mit Kind, Meinung

Unser Sohn ist wir und mehr

Vater und Sohn: Beide versunken ins Spiel

Als mein Sohn zur Welt kommt, sieht er seinem Vater sehr ähnlich. Das rührt mich. Schließlich habe ich den auch mit Bedacht gewählt. Wenn er lächelt, sieht er auch ein bisschen aus wie ich. Sagen einige. Die meisten Leute, die in den ersten Wochen sagen, dass mein Sohn auch mir recht ähnlich sieht, haben mich entweder sehr lieb, oder kennen meinen Mann nicht. Ich trage es mit Fassung. Fakt ist: Mein Mann ist toll. Mein Sohn ist toll. Warum wollen die Leute immer darüber reden, wem er ähnlich ist? Vor allem in so jungen Monaten?

Unter dem Schlagwort #dubistich ruft die wunderbare Mama on the rocks andere Mütter auf, sich Gedanken zu machen, wie das denn so ist mit der Ähnlichkeit. Mutter, Vater, Sohn – wer kommt nach wem, und überhaupt und außerdem?

Ich hab das schon als Kind gehasst. Du bist genau wie Tante Sowieso. Ich dachte, Du bist viel mehr wie Deine Cousine.  Mal ehrlich, was Positives kann doch aus diesen Satzkonstrukten nicht entspringen. Gratuliere, Du bist eine Kopie geworden. Will doch keiner hören. Sagt auch keiner.

Deshalb also: Nein. Keine Vergleiche. Großartige Menschen in meinem Umfeld haben in meiner Jugend früh gesagt: Du bist Du. Und nicht nicht wie XY. Und ganz anders als VZ.

Mag Bücher und trägt bunte Strumpfhosen. 

Auch bei unserem Sohn soll das so sein. Das frühe Vogerl hat meist gute Laune. Ich habe da eine ganz wunderbare Idee, von wem er das haben könnte. Er freut sich über Bücher. Das könnte von mir sein.
Er versteht schon, wie ein Kreisel funktioniert. Das muss vom Vater kommen. Er liebt Joghurt. Klar, der Vater. Findet Techno besser als klassische Musik. Überraschend ist das nicht. Hat überhaupt ein großes Faible für Musik. Für einzelne Menschen.

Einiges davon ist mit Sicherheit von uns. Weil er unser Kind ist. Und weil wir ihm Dinge zeigen, die uns wichtig sind. Weil wir ihm Menschen nahelegen, die wir mögen. Weil wir ihm Werte vermitteln. Einer davon soll ein gutes Selbstbild sein. Mit seinen 13 Monaten blitzt da schon sehr viel eigenes auf.

Sein Augen scheinen übrigens jetzt mehr in meine Richtung zu gehen. Jetzt sagen die Leute immer, “Wie schön, er hat Deine großen, braunen Augen”. Bis dahin wusste ich nicht mal, dass ich große Augen habe. Und so ganz sicher bin ich mir da immer noch nicht.

Dieser Text ist Teil der Blogparade von Mama on the rocks.

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4 Kommentare

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    Reply Mama on the rocks 1. April 2015 at 9:01

    Ganz wunderbarer Text! ich habe es auch immer gehasst, mit anderen verglichen zu werden. Und doch kommt man bei den eigenen Kindern nicht umhin, gewisse Ähnlichkeiten festzustellen ;-).

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    Reply Mama on the rocks 1. April 2015 at 9:24

    Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    Reply Bettina Apelt 1. April 2015 at 9:30

    Natürlich. 🙂

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    Reply andalusienmutti 1. April 2015 at 10:40

    Super Text, sehr schön. Ich finde dieses Rätselraten gerade in den ersten Monaten auch etwas übertrieben. Babys sehen aus wie Babys und fertig. Das meine Tochter so aussah wie ich als Baby ist ja dann wohl eher Zufall, oder? 😉
    viele Grüße von Susanna aka AndalusienMutti

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