Warum sie ihr Sohn wie kein anderer geprägt hat, was in der Anfangszeit hart war und wie sie dafür sorgt, dass ihr Sohn kein typisches Einzelkind wird: Davon erzählt mir Stephanie. Außerdem noch: Wie sie und ihr Mann  nach 16 Jahren plötzlich  ein gemeinsames Hobby hatten und welche Vorteile ihr das Leben in der Heimatstadt bietet. 

Stell Dich doch bitte mal kurz vor.
Meine Name ist Stephanie und ich bin 32 Jahre alt. Ich bin seit fast fünf Jahren Mama eines mittlerweile nicht mehr ganz so kleinen Jungen. Zu meiner kleinen Familie gehört auch noch der Papa von Julian, mein Ehemann Marcus. Wir haben uns, nachdem wir unsere Studentenzeit in Salzburg erfolgreich hinter uns gebracht haben, dazu entschlossen unsere gemeinsame Zukunft in unserem Heimatort Braunau in Oberösterreich zu verbringen, wo wir nun seit sechs Jahren glücklich leben.

Meist rede ich mit Müttern, deren Kind noch sehr klein ist und wir sprechen über die Interessen in der Anfangszeit. Dein Sohn ist aber schon fast fünf, wie hast Du Dich verändert seit dem er da ist? Du kannst da sicher schon recht nachhaltig Auskunft geben.

Julian hat mich in den letzten Jahren so stark geprägt wie kein anderer Mensch bisher. Die Anfangszeit mit ihm war sehr hart. Er war (und ist bis heute) kein sehr guter Schläfer. Das heißt, dass er nach der Geburt die ersten Wochen im Stunden-Rhythmus gestillt werden wollte, dann eine Stunde geschlafen hat und wenn er mal wach war nur geschrien hat. Mehr als zwei Stunden Schlaf am Stück war kaum mal drin. Dementsprechend war auch mein Gemütszustand. Das Schlimmste für mich war, dass ich das Gefühl hatte, dass mich keiner versteht. Wenn wir unterwegs waren, hat er brav geschlafen und alle haben nur das friedlich schlafende Kind gesehen, keiner das schreiende und mich an meine Grenzen bringende Kind. Die Kommentare, dass ich ja übertreiben würde und mich nicht so anstellen soll, waren schon hart. Aber das Positive, das ich daraus gezogen habe, ist, dass ich gesehen habe, was ich alles schaffen kann und oft über mich hinaus gewachsen bin. Auch nach einer schlaflosen Nacht hab ich (zumindest versucht) die beste Mama für Julian zu sein und ich glaube, dass ich es die meiste Zeit auch ganz gut hinbekommen habe bzw. immer noch hinbekomme. Es wird auch von Monat zu Monat einfacher. Nachdem er dann selbstständiger wurde und vor allem als er dann in den Kindergarten kam, hab ich auch wieder angefangen, mich und meine Bedürfnisse wieder etwas in den Mittelpunkt zu rücken. Ich hab es geschafft, dass ich sportlich aktiv werde. Darin finde ich den Ausgleich zum Alltag und habe ein richtig gutes Gefühl dabei etwas für mich zu tun. Dass die überschüssigen Babypfunde, die ich bis dahin noch auf den Rippen hatte, dabei wegschmelzen, ist natürlich ein positiver Nebeneffekt 😉
Was sich in den Jahren als Mama für mich noch gezeigt hat, war, dass ich gesehen habe, was wirkliche Freunde sind. Meine zwei liebsten Freundinnen sind beide noch kinderlos und natürlich hat man Angst gehabt, dass man sich auseinanderlebt. Aber die beiden sind echt super!!! Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ein Rückruf mal ein paar Tage dauert oder man sich halt zwei Wochen oder länger mal nicht sieht. Auch mit meiner kleinen Schwester, die gleichzeitig auch Patentante von Julian ist, bin ich noch näher zusammengerückt, vor allem nachdem sie letztes Jahr auch Mama geworden ist. Natürlich sind auch neue Menschen in unsere Leben getreten. Ich hab in den ersten Monaten eine Still-Gruppe besucht, aus der sich dann später eine regelmäßige Kaffeerunde mit anderen Mamas ergeben hat. Mit zwei Mamas aus dieser Gruppe und deren Kinder treffen sich Julian und ich auch jetzt noch wöchentlich.

Welche Aktivitäten sind Dir heute wichtig? Alleine, als Paar und als Familie?

Ich versuch mir so gut es geht zwischendurch Zeit für mich frei zu schaufeln. Das ist mit einem Kind in Julian’s Alter natürlich schon wesentlich einfacher. Er ist ja vormittags im Kindergarten und da versuch ich dann drei bis vier Mal pro Woche Sport zu machen. Am liebsten mach ich mein Mandu-Training – das ist Krafttraining mit Elektrostimulation. Kann ich vor allem gestressten Mamas, die nicht viel Zeit haben, empfehlen, weil man es nur einmal pro Woche 16 Minuten lang machen muss. Studios dafür gibt es eigentlich mittlerweile überall. An den anderen Tagen versuch ich daheim ein kleines Workout zu machen oder auch Laufen zu gehen. Ausserdem habe ich letztes Jahr das Tennis spielen für mich entdeckt. Mein Mann war immer schon ein passionierter und sehr guter Tennisspieler und so haben wir dann auch nach fast 16 Jahren, die wir mittlerweile zusammen sind, ein gemeinsames Hobby 😉
Zeit für mich bedeutet auch Zeit für eine  meiner größten Leidenschaften zu finden – das Lesen … Jede freie Minute steck ich meine Nase in ein Buch oder meinen ebook-Reader. Am liebsten lese ich spannende Krimis, die der andere Grund neben Julian für meine schlaflosen Nächte sind.
Mein Mann und ich haben relativ früh, nachdem Julian geboren wurde, versucht wieder Zeit als Paar zu finden. Wir sind in der glücklichen Situation beide Großeltern in unmittelbarer Nähe und somit immer einen Babysitter greifbar zu haben – gerne am Wochenende auch mal über Nacht. An unseren Pärchen-Tagen bzw. Abenden gehen wir sehr gerne gut essen und trinken die eine oder andere Flasche Wein. Ausserdem sind wir beide riesige Serien-Junkies und machen dann gerne auf der Couch auch mal einen Serienmarathon. Zur Zeit steht “Game of Thrones” ganz oben auf unserer Liste.
Julian ist ein sehr aktiver Junge und hat einen unfassbaren Bewegungsdrang. Diesem immer Herr zu werden ist oft schwierig. Deshalb sind auch wir als Familie immer sehr viel unterwegs. Wir kennen jeden noch so kleinen Spielplatz in unserer Umgebung und sind viel mit dem Fahrrad unterwegs.


Was rätst Du anderen Eltern?
Ich finde es immer schwierig, anderen Eltern Ratschläge zu geben. Vor allem, weil es mich selber oft so nervt, wenn mir immer jeder seine Meinung kund tun muss. Ich finde, dass wir  als Familie ein sehr gutes und eingeschworenes Team sind. Julian ist ein Lausbub, wie er im Bilderbuch steht (ich glaub, dass Michel aus Lönneberga noch einiges von ihm lernen könnte …), aber mein Mann und ich versuchen dem Ganzen gelassen gegenüber zu stehen. Natürlich gibt es auch mal Zoff, wenn er zu weit geht, aber er weiss ganz gut, wo unsere Grenzen sind und im Regelfall hält er sich auch daran. Das lässt mich einfach glauben, dass wir eigentlich alles richtig machen. Es war mir zum Beispiel immer wichtig, dass Julian einen geregelten Tagesablauf mit fixen Ritualen hat. Vor allem abends bin ich immer sehr dahinter, dass er zu einer bestimmten Zeit ins Bett geht und das Abendritual auch immer gleich ist. Ausnahmen, wie zum Beispiel mal am Wochenende oder im Urlaub gibt es natürlich. Da wird auch mal im großen Bett eine DVD geschaut und Chips gegessen (und dann auch bei Mama und Papa geschlafen). Aber diese Ausnahmen sollen auch wirklich nur Ausnahmen bleiben, auf die wir uns dann alle drei aber auch immer sehr freuen.
Für uns stand relativ schnell fest, dass Julian ein Einzelkind bleiben wird. Das war einer der Gründe, warum ich früh angefangen habe, mit ihm eine Spielgruppe und Kinderturnen zu besuchen. Ich wollte einfach nicht, dass er sich zu einem “typischen Einzelkind” entwickelt, denen ja so oft vorgeworfen wird, Defizite in Sachen sozialer Kompetenz zu haben, nur weil sie keine Geschwister haben. Auch jetzt mit fünf ist er noch immer viel unterwegs – sei es zweimal die Woche im Fussballtraining, wo die Teamarbeit im Mittelpunkt steht oder auch im Schwimmkurs.

Und meine Lieblingsfrage: Wie entspannst Du? 

Entspannung finde ich definitiv beim Lesen. Da kann ich total abtauchen. Wenn ich eigentlich schon total müde bin und dann ein spannendes Buch lese, kann ich trotz Augen auf Halbmast auch gerne noch stundenlang lesen. (Scheinbar hat sich mein Körper an den wenigen Schlaf aus den Anfangsmonaten mit Julian gewöhnt und will jetzt gar nicht mehr ;-))
Einmal im Jahr fahre ich auch ohne meine zwei Männer übers Wochenende zum Wellnessen. Das steht auch bald an – dieses Mal gehts’s mit einer meiner besten Freundinnen ins Salzburger Land, wo wir uns in einem tollen Hotel von vorne bis hinten verwöhnen lassen (für ausreichende Lesestoff muss ich noch sorgen).

Dankeschön. 

(Bilder wurden freundlicherweise von Stephanie zur Verfügung gestellt.)

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