Wie man zu Hebammen steht, wenn die eigene Schwester eine ist, und warum sie ihr Baby in den ersten beiden Wochen lieber wieder im Bauch gehabt hätte, erzählt mir Sarah. Außerdem wie viel Bücher sie schon seit der Geburt ihres Sohnes gelesen hat und wie das mit der nächsten Eishockeysaison werden soll. 

Stell Dich doch bitte mal kurz vor.

Ich heiße Sarah, bin 34 Jahre alt, arbeite bei einem großen Technologiekonzern als Personalerin und habe einen drei Monate alten Sohn. Ich wohne schon mein ganzes Leben in bzw. um München herum. Meine Mama ärgert das manchmal, dass es ihre beiden Kinder nicht aus der Stadt rausgeschafft haben. Sie ist nämlich damals der Liebe wegen von Irland nach Bayern gezogen. Ich habe die Liebe vor 1.5 Jahren zu mir ziehen lassen. Der Mitbewohner (der Name hat sich irgendwann für meinen Freund eingebürgert) hat sich mittlerweile mit den bayerischen Eigenarten angefreundet und ich würde mal behaupten, dass er sich ganz wohl fühlt in der neuen Heimat. Und weil es mit nur einem Mitbewohner etwas langweilig wäre, haben wir im Januar die WG erweitert. Mitbewohner Nummer 2 kam am 22.1 auf die Welt. Eine WG-Erweiterung hatten wir grundsätzlich schon geplant, waren aber doch etwas überrascht, dass es so fix ging. Und vor allem haben wir meine Schwester etwas nervös gemacht: geplanter Entbindungstermin war der 13.1 und sie hat am 20.1 Geburtstag. Und wollte – berechtigterweise – an diesem Tag nicht arbeiten. Das nächste Kind planen wir etwas besser.

Ich persönlich war übrigens ziemlich überrascht, dass sich nur eine einzige Person kritisch äusserte, dass wir das mit der WG-Gründung und -erweiterung innerhalb von 2 Jahren gemacht haben.

Am 5. Mai ist Welttag der Hebamme. Die Geburt Deines Sohnes liegt noch nicht so lange zurück. Deine Hebamme war Deine Schwester. Du hast also sicher auch vorher schon einiges von dem Berufsstand mitgekriegt. Wie wichtig empfindest Du die Begleitung einer Hebamme?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man ein Kind ohne Arzt, aber nicht ohne Hebamme bekommen kann (auch wenn ich einen ganz wunderbaren Frauenarzt habe – der mir von meiner Schwester empfohlen wurde). Was aktuell mit den Hebammen passiert ist schlimm. Dass es Orte in Deutschland gibt, wo ich keine Hebamme mehr finde, die mich im Wochenbett betreuen kann. Viele Menschen verstehen nicht, dass eine Hebamme nicht nur bei einer Hausgeburt und im Geburtshaus wichtig ist, sondern auch bei einer Entbindung in der Klinik eine gewichtige Rolle spielt. Zudem betreut sie einen sowohl vor der Geburt als auch danach. Mein Frauenarzt hat sich die Vorsorgetermine mit meiner Schwester aufgeteilt und hat in seiner Praxis auch eine Hebamme, die Vorsorgetermine und Akupunktur übernimmt.

Wenn ich an mein Wochenbett denke und mir vorstelle, dass nicht jemand ins Haus gekommen wäre, sondern ich bei Problemen zum Frauen- bzw. Kinderarzt hätte gehen müssen: schrecklich. Ich finde es schade, dass der Berufstand der Hebamme bei uns nicht mehr Anerkennung bekommt.

Meine Geburt habe ich in sehr guter Erinnerung und das habe ich meiner Schwester zu verdanken. Sie hat in der Nacht einen wunderbaren Job gemacht!

Bist Du eigentlich – bisher – die Mutter, die Du werden wolltest? 

Hätte man mir diese Frage in den ersten zwei Wochen gestellt, hätte ich 100% geantwortet: ich bin total unentspannt und irgendwie hätte ich Mitbewohner 2 gerne wieder in meinem Bauch. Ich glaube, dass es vielleicht ein wenig damit zu tun hat, dass es dem Kleinen nach der Geburt leider nicht so gut ging und wir uns erst nach über einer Stunde das erste Mal kurz begrüßen durften. Dann dauerte es nochmals ein paar Stunden, bis ich ihn das erste Mal lange halten durfte und die erste Nacht zusammen in einem Zimmer hatten wir erst an Tag 4. Das alles hat mir ziemlich aufs Gemüt geschlagen und ich habe länger gebraucht um mich auf das Leben mit Baby einzustellen. Gut, dass meine Mama ein paar Tage vor der Geburt zu mir meinte, ich soll nicht überrascht sein, wenn das mit der Liebe zum eigenen Kind ein wenig dauert. Das wollte sie mir unbedingt für die unmittelbare Zeit nach der Geburt mit auf den Weg geben.

Mittlerweile bin ich glaub ich so, wie ich mir das vorgestellt habe. Manchmal vermisse ich es schon, dass ich nicht mehr den Takt in meinem Leben vorgebe, aber – egal wie kitschig das jetzt klingt – man bekommt wirklich einiges dafür zurück. Und egal wie sehr man sich vornimmt, die Alte zu bleiben: irgendwie mutet es mir mittlerweile etwas komisch an, wenn Eltern behaupten das Elternsein hätte sie nicht verändert. Und von einer weiteren Sache bin ich sehr überzeugt seitdem ich selber Mutter bin: nicht entspannte Eltern haben entspannte Kinder sondern entspannte Kinder machen entspannte Eltern. Vielleicht blogge ich mal darüber.

Welche Aktivitäten möchtest Du unbedingt weiter verfolgen?

Mit dem Sport habe ich zusammen mit Mitbewohner 2 schon gestartet. Wir haben letzte Woche das erste Mal “Kanga” ausprobiert. Das Baby wird vorne in die Trage gepackt, während Mutti schwitzt. Auch wenn die Aufmachung sehr pink anmutet und alles Muttisport schreit: es hat ziemlich viel Spaß gemacht und der Muskelkater danach hat richtig gut getan.

In den nächsten Tagen möchte ich mir auch meine Dauerkarte für die Eishockeysaison 2015/16 bestellen. Letzte Saison bin ich bis drei Wochen vor der Geburt ins Stadion gegangen und ich bin mir ziemlich sicher, dass die beiden Mitbewohner ab September gut drei Stunden ohne mich klarkommen. Bei der Rückbildung hat das ja auch schon wunderbar geklappt (keine Sorge, die hat nicht drei Stunden gedauert).

Ich denke, wenn es im Januar zurück in die Arbeit geht, könnte es – trotz Homeoffice – eventuell schwierig werden Zeit für Sport zu finden. Aber vielleicht nutze ich dafür dann die Mittagspause.

Kochen klappt schon jetzt super, da haben die zwei Männer dann Zeit für sich und beim Stillen kann ich wunderbar auf dem E-Reader Bücher lesen (aktueller Stand: 12 seit der Geburt; hungriges Kind halt).

Auf Twitter habe ich mitgekriegt, dass Du und Dein Freund, den Du Mitbewohner 1 nennst, bereits einen zweisamen Pärchenabend hattet. Wie war es?

Meine Mama lag uns eigentlich schon ab Woche 2 in den Ohren, dass sie unbedingt mal babysitten will und dass ein zweisamer Abend wichtig für frischgebackene Eltern ist. Also haben wir ihrem Wunsch entsprochen und sind zum Italiener um die Ecke gegangen. Die ersten 5 Minuten waren verdammt komisch, ich hab den Mitbewohner den ganzen Weg zum Restaurant angeschaut und gefragt, ob er auch so ein komisches Ziehen im Herzen hat (er verneinte ;)). Aber bei der Vorspeise war ich schon entspannt, nach einer SMS des Babysitters tiefenentspannt und ich habe den Abend richtig genossen. Und nachdem sehr viel abgepumpte Milch für Mitbewohner 2 da war, hab ich mir auch ein kleines, teures Glas Weißwein gegönnt. Lachen mussten wir bei der Nachspeise trotzdem sehr: wir haben ziemlich viel über unser neues Leben mit Kind gesprochen.

Und nachdem das ganze so gut geklappt hat, haben wir es vor 2 Wochen zum Geburtstag von Mitbewohner 1 nochmals wiederholt.

Und meine Lieblingsfrage: Wie entspannst Du?

Früher bin ich Laufen gegangen. Und fand Baden ganz schrecklich. Laufen gehe ich im Moment nicht (die Hebamme hat noch Sorgen um den Beckenboden…) und komischerweise finde ich Baden seit der Geburt (wo ich auch eine Weile in der Wanne war) sehr entspannend. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich in der Zeit wirklich Ruhe habe und mit mir selber sein kann. Also kommt jetzt einmal die Woche eine Packung in die Haare, eine Maske aufs Gesicht und ein Entspannungsöl in die Wanne.


(Bilder wurden freundlicherweise von Sarah zur Verfügung gestellt.)

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