Als ich Tanja kennengelernt habe, lebte sie mit ihrer Familie in Frankreich. Nun ist sie wieder da, mitgenommen hat sie jede Menge Erfahrungen und auch Tipps für frankophile Urlauber. Aber auch über die nicht so schönen Momente spricht sie im wöchentlichen Kultur mit Kind Interview.

Wofür steht der Name Deines Blogs – Tafjora?

TAFJORA ist ein Phantasiename, der sich aus den Initialen meiner kleiner Familie zusammensetzt. TA- steht für Tanja, F- gehört meinem Mann, JORA – für meine Kinder, den Löwenjungen der vor Kurzem  6 Jahre wurde und für mein Winterkind, der im Dezember seinen 3. Geburtstag feiern wird.
Meinen Blog gibt es nun seit November 2013, richtig zu schreiben begann ich aber erst im Januar 2014. Damals startete ich mit “Tafjora, eine deutsche Familie in Frankreich” da wir für eigentlich fünf Jahre in Südfrankreich leben sollten. Aus den fünf Jahren wurden dann insgesamt leider nur knappe drei Jahre, aber so ist das eben in der heutigen Berufswelt.
Aus Frankreich bloggte ich also bis März 2015 über unser Leben als Familie im Ausland, das rückblickend eine wahnsinnig schöne und spannende Zeit für mich und meine Familie war und die uns sicherlich auch geprägt hat.
Vor unserem Umzug nach Deutschland, stellte ich mir und meinen Lesern die Frage, was mit Tafjora geschehen sollte. Es gab soviel positives Feedback, dass auch Tafjora mit umziehen durfte und nun wird mein Blog als “Tafjora, einmal Frankreich und zurück – c´est ma vie” weitergeführt. Darüber freue ich mich sehr, auch wenn sich unser Leben nun ganz schön verändert hat und ich deutlich weniger Zeit zum bloggen habe. Leider.

Ihr ward mehrere Jahre in Frankreich, nun seid Ihr erst seit Kurzem wieder in Deutschland. Was habt Ihr mitgenommen, und vor allem Eure Kinder? 

Mitgenommen haben wir so unendlich viel, dass sich das gar nicht in wenige Sätze fassen lässt. Am Anfang hatte ich viele große Fragezeichen in meinem Kopf. Ich beherrschte die Sprache kaum, mein Löwenjunge war gerade mal drei geworden und das Winterkind trug ich noch unter dem Herzen als wir 1500 km Umzug vor uns hatten. Frankreich ist nicht das Ende der Welt, aber ich hatte wirklich Angst, dass wir das hinbekommen, denn ich mag Veränderungen nur sehr ungern. Rückblickend betrachtet waren die Sorgen aber meist unbegründet und es hat uns eigentlich nur bereichert.
Mein Löwenjunge ging fast drei Jahre in die Ecole Maternelle, den französischen Kindergarten und der war schon deutlich anders, als wir das kennen. Keiner konnte deutsch und mein Sohn kein französisch. Jetzt beherrscht er es sogar im Schlaf. (tatsächlich hat er im Urlaub im Schlaf gesprochen- es war französisch!) Was er in dieser Zeit alles gelernt hat, auch an persönlichen Stärken, das wird ihm keiner mehr nehmen können. Das macht mich stolz und glücklich.

Wir alle verspüren eine große Liebe und Verbundenheit zu unserer alten Heimat in Frankreich. Wir lebten in der Nähe von Arcachon an der Atlantikküste. Das Meer vor der Haustüre machte uns viel entspannter, denn die Uhren tickten dort anders. Die deutsche Hektik spürten wir dort kaum. Allein schon einkaufen war viel entspannter, weil hier der Kunde König ist und man in Ruhe seine Waren auf das Band legt, bis mit dem einscannen begonnen wird. Als ich schwanger war, habe ich oft erlebt, dass eine weitere Kasse für mich geöffnet wurde, damit ich nicht so lange anstehen musste. Das fand ich sehr unglaublich!

In Frankreich fand ich es auch irgendwie entspannter, als Familie zu leben, denn Kinder sind hier willkommen. So viele Dinge könnte ich hier jetzt für Familienfreundlichkeit anbringen, da sollten wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden!

Kinder gehören dort zum Leben dazu. Einige Beispiele: An den Autobahnen stehen schon Hinweisschilder, wann der nächste Park-Rastplatz mit Spielplatz kommt. In den Toiletten gibt es dann meistens so kleine Kinder-WC´s mit Waschbecken (Auch in den Freizeitparks: Heute im Legoland Günzburg ist mir das aufgefallen: Kleine Waschbecken gibt es da, aber keine Kinderklos.) In den Restaurants gibt es eigentlich immer Kindermenüs und die Kids bekommen als aller erstes ihr Essen, noch bevor ich mein Essen habe. So kann ich den Kindern ganz entspannt helfen, sind sie fertig mit essen, gibt es fast überall eine Spielecke, wenn auch nur klein, aber es gibt sie fast immer. Im Ferienhaus gehört zur Ausstattung nicht nur das Kinderbettchen dazu, wir haben bis jetzt immer Kindergeschirr, Hochstuhl und sogar Babywanne dastehen gehabt.
Es sind die vielen kleinen und alltäglichen Dinge, die das Leben als Familie dort meiner Meinung nach eben einfacher machen. So ganz nebenbei. Eigentlich ist es mir sogar erst wieder hinterher in Deutschland aufgefallen, was wir gar nicht hier haben.

Toleranz. Wir wurden unglaublich herzlich aufgenommen und haben, zum Glück, in all den Jahren keine schlechten Erfahrungen gemacht. Niemand hatte uns je das Gefühl gegeben, Ausländer und nicht gewollt zu sein. Ich hoffe und wünsche mir, dass sich meine Kinder immer daran erinnern werden. Jetzt im deutschen Kindergarten, kamen die ersten Freunde des Löwenjungen aus der Türkei und mein Sohn verkündete stolz: “Mama, die können auch 2 Sprachen sprechen, so wie ich!”  Genau so muss das sein.

Was aber am schönsten ist, was wir mitgenommen haben, sind ganz besondere Freundschaften. Wir Eltern untereinander und auch die Kinder. Ich hoffe (und danach sieht es aus) es sind Freundschaften für’s Leben.


Was hast Du aus Deutschland vermisst? 

Natürlich hauptsächlich meine Familie, meine Eltern. Meine Mama war damals schon krank und dass ich nicht bei ihr sein konnte, als sie starb, war sehr schlimm für mich. Wir waren noch auf der Autobahn und kamen vier Stunden zu spät, das war ein schlimmer Verlust für mich.
Dann natürlich die Freunde, das soziale Netz, wir haben bei null angefangen und man merkt durch Umzüge sehr schnell, wie wichtig auch das für ein glückliches Leben ist. Am Anfang haben mir auch noch banale Dinge wie bestimmte Lebensmittel gefehlt, aber das ließ deutlich nach.  Als ich schwanger war, habe ich die deutschen Frauenarztuntersuchungen vermisst. In Frankreich muss man nämlich immer extra in ein Labor und dann zum Arzt. Also das finde ich schon sehr umständlich.
Oh ja und deutsche Buchläden habe ich vermisst. Ich liebe Bücher und Kinderbücher. Könnte stundenlang in der Buchhandlung verbringen und schmökern.

Jetzt ist es dagegen umgekehrt und ich vermisse ganz viele Dinge aus Frankreich: das Meer, die Leichtigkeit, die riesige Auswahl an leckerem Gebäck und Keksen und vieles mehr. Aber so ist das eben, man kann leider nie alles haben.

Was sind die besten Familienausflüge, die ihr je hattet? 

Da wir ja in einer beliebten Urlaubsregion gelebt haben, gab es auch unzählige Ausflüge, meistens in unserer Nähe, da das Winterkind ja noch sehr klein war. Die meisten unserer Ausflüge waren so schön, dass wir sie immer wieder gemacht haben, gerne auch mit den vielen Besuchern die aus Deutschland kamen.

Die Dune du Pilat zum Beispiel, Europa´s höchste Wanderdüne, lag nur ein paar Straßen hinter unserem Garten. Der Aufstieg ist auch mit kleineren Kindern gut zu meistern (wenn nicht gerade im Hochsommer) und man wird mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Sand ohne Ende, Kiefernbäume und auf der anderen Seite das Meer, den Atlantik und zugleich der “Eingang” des Bassin d´Arcachon. Die Jungs liebten es von oben dann auf dem Popo runterzurutschen und dann im Meer zu planschen.

Von Arcachon aus, das von uns ebenfalls nur ein paar Kilometer weg war, konnte man in dreißig Minuten mit dem Boot nach Cap Ferret rüber fahren. Dort gibt es einen Leuchtturm, dessen 258 Stufen wir einige Male zusammen hoch sind. Anfangs mit dem Winterkind im Tragetuch, die letzten beiden Male ist er fast alleine alle Stufen bis nach oben gerannt.

Cap Ferret ist meine heimliche Liebe, denn es ist ein wunderschöner Flecken mit bunten Häusern, Surfer-Cafe´s, Stramdflair und man will irgendwie einfach nur hier bleiben. Mit einem Bimmelbähnchen, dem “Petit Train”, kommt man an die andere Seite des Kap´s und findet gigantische Strände mit meterhohen Atlantikwellen. Man kann stundenlang den mutigen Wellenreitern zusehen, Muscheln suchen und einfach die Seele baumeln lassen.

Dann gibt es noch jede Menge Parks, die wir alle fleißig besucht haben, Kinderparks, Vogelparks und Rutschenparks, es wurde niemals langweilig, außer vielleicht im Winter, wenn unsere Region im Winterschlaf war und die meisten Attraktionen geschlossen hatten.

Nicht zu vergessen, die wirklich schönen Spielplätze die unsere Region zu bieten hatten. Manchmal konnten wir uns nicht so richtig entscheiden, es konnte auch sein, dass wir dann mal gemeinsam eine Art “Spielplatz-Hopping” veranstalteten. Unsere drei Lieblingsspielplätze haben wir jetzt auch im Urlaub wieder besucht.

Ein ganz besonderes Restaurant gibt es in der Nähe von Bordeaux: der Piratenfelsen. Unglaublich, was die da gezaubert haben! Innen ist alles eher duster aber gigantisch im Piraten-Style dekoriert. Das Personal ist verkleidet, es gibt unzählige Holzfässer und Schatztruhen und ein großes Piratenschiff, welches als Bühne dient. Unter dem Essen fliegt dann plötzlich Peter Pan durch das Restaurant und eine kleine Aufführung verzaubert nicht nur kleine sondern auch alle großen Zuschauer. Ein geniales Erlebnis für meine Jungs und Piratenkinder.

Ansonsten waren wir immer draußen oder am Meer, das quasi vor unserer Haustüre lag. Die Picknickdecke eingepackt und nichts wie raus, mehr brauchten wir da nicht.


Meine Lieblingsfrage: Wie entspannst Du?

Bei dieser Frage tu ich mir ein bisschen schwer, eine Antwort zu finden. So grundsätzlich reicht mir zur Entspannung eigentlich, mal eine kleine Auszeit vom Alltag zu haben. Das war früher zum Beispiel das sonntägliche Laufen am Strand mit meiner Freundin, was ich jetzt sehr vermisse. Ruhe ist dabei für mich so ein Schlüsselwort, denn meine Jungs sind gerne laut und reden auch nicht wenig. Was ja an sich schön ist, manchmal aber einfach dann zuviel wird. Wenn dann abends alles schläft, genieße ich einfach die Ruhe. Im Winter nehme ich sehr gerne ein Bad bei Kerzenlicht und im Sommer sitze ich gerne noch draußen. Wenn ich die ganze Woche alleine mit den Jungs bin, dann muss am Wochende auch mal ein Mädelsabend her, mit Kino und Cocktails.
Tja und letzte Woche hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Teilzeit seit über 4 Jahren. Ich gestehe, die 4 Stunden SITZEN empfand ich auch sehr entspannend 🙂

Die Bilder wurden freundlicherweise von Tanja zur Verfügung gestellt.

Vielen lieben Dank für das Interview. 

Ihr habt auch ein Kind, interessiert Euch für Kultur und möchtet darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Eine Übersicht über alle bisher geführten Interviews findet Ihr hier