Einer meiner liebsten Internetschreiberlinge ist Konstantin, der gemeinsam mit seiner Frau Alu den Familienblog Grosseköpfe betreibt. Im Gastbeitrag erzählt, er heute wie er so zu Familienblogs steht.

Die schauen nicht immer so. 

Folgende freundliche Vorgabe erreichte mich vor Kurzem (und ich habe mich SEHR gefreut): „”Andere Blickwinkel”, das heißt es sind nur zwei bis drei Elternblogger dabei, der Text sollte für Elternblogger sein […] Deine Erfahrungen als Familienblogger. Was ist gut? Was nervt vielleicht? Was hast Du bisher mitgenommen? Was möchtest Du ganz anders haben? Klar, was ich ungefähr meine? (aus der Mitteilung der zu vertretenden Bettie): JA und ich hoffe ich habe irgendetwas davon mit den folgenden Zeilen getroffen.

ICH BLOGGE GERN. Aber zugegebenermaßen, außer Konkurrenz. Und die ist groß. Meine Frau sammelt da viele Erfahrungen und ich gleich mit.

Wir Elternblogger sind eine bunte, unüberschaubare Truppe. Schreibprofis, Schreibfreudige, andere, oder einfach Leute, die wie ich, das Bloggen als therapeutisches Mittel verstehen.

So wie ich, der mit dem Texten den horror vacui der Doktorarbeit und die von allen Deutschlehrern, teilweise Dozenten und sogar Vorgesetzten bei mir (besser: meinen Texten) wahrgenommene Distextualie (frei nach Diskalkulie) zu korrigieren erhofft.

Das Feld der Familienblogger wird gerade, wie so oft längst überfällig (in unserer Selbstwahrnehmung natürlich verspätet) entdeckt – und es entdeckt sich selbst.

Dabei geraten Wunsch und Wirklichkeit teilweise auseinander. Eine Art Goldgräberstimmung macht sich breit. „Was du darfst zu Krauss-Maffei um den neuen Tiger 3000 zu testen? Warum darf ich nicht?

Familienevent bei Netflix. 

So, Jetzt rede ich weder real noch virtuell –sagen wir mal- drei Wochen nicht mit dir. Und deinen Beitrag like ich nicht und mache die Augen zu, wenn du mir irgendwo weltweit begegnest.“ (Von mir weitergedacht – nicht, dass das zuvor geschriebene nicht real wäre) Denn ich habe es auch verdient (mehr noch als du, eigentlich)! Wir sind privat und freundschaftlich miteinander – aber das bitte professionell.

Ein Kumpel von mir, mit dem ich Digitales mache und der echt mehr Ahnung hat (von wegen Beruf und lang dabei und so) sagte: „Ey Alta [musste in dieses vollechte Zitat einfach rein, d. Verf.], das was bei den Familyblogs gerade abläuft, ditt gab ett och schon vor zehn Jahren, als Häussler und Co dit Bloggen entdeckten.“

Und wirklich ich frag mich: Wen interessiert das was ich schreibe –und muss es das überhaupt?
Allzu leicht bekommt man ab und zu das Gefühl man wäre die bessere Frankfurter Rundschau, oder doch die BILD? Dabei habe ICH begonnen, ohne andere Blogs zu lesen – eben um mich zu erproben (s.o.)

Erst langsam habe ich verstanden, dass mich der „nächste Blog“ -Knopf bei meinem Blogportal zu einem weiteren Blog trägt – einer Seite mit Zielen, Sinn und ggf. Inhalt. Ich glaubte es kaum, doch auch dort schreiben Menschen, die sich wahrgenommen fühlen und – etwas seltener – es auch werden.

Und dann noch eins: Stefan Heiser hat wohl 2011 geschrieben: Das Internet laufe Gefahr eine „Echogesellschaft der Gleichgesinnten“ zu sein. (Damals habe ich noch nicht mal gewusst was Bloggen ist – damals waren Foren in meiner Wahrnehmung noch das Nonplusultra).

Mittlerweile meine ich: Wir müssen aufpassen, dass wir Blogger mehr sind als NUR hermeneutische Selbstbespaßer! Nicht kleinkariert, sondern freie Medien sollten (und wollten) wir sein.

Zusammenhalt.

Wir, die sich gerne als „Dreamteam“ mittelalterlich bewirten lassen, die wir aber auch Ihren Kopf nicht ausschalten. Mein Kumpel sagte heute zu mir „Ditt sind doch och allet, Jornalisten, diese Blogger, is ja och nicht jeschützt [Jornalist], Alta [selbes muss wie oben, d. Verf.].“

Am Ende des Tages sind wir Echtleben-Menschen. Und dazu noch ganz Nette. Nur so wird aus der Vielstimmigkeit eine ernstzunehmende Viralität, i.S.v.: viele kleine Einspeiser unterschiedlicher (!) Meinungen. Denn machen wir uns nichts vor, die wirklich „Großen der Branche“ reichen lange noch nicht für ein vielschichtiges Meinungsbild – das man dann bitte auch aushalten können muss!

NUR das war mein Ziel: Wer „katholischen Kirchenbau in Berlin“ sucht, findet meinen Wissenschaftsblog  (und ich finde 20 Vorbeischauer am Tag, geschätzte 80 Bots schon abgezogen, sind vielmehr als ich bei so einem Thema zu Träumen erhofft habe).

Wer „familien“ und „betrieb“ (ausversehen ;-)) eingibt, der findet familienbetrieb.de und wer „vogel“ und „früh“ sucht findet – neben klugen Sprüche-Seiten – diese hier (besser noch gleich „frühes vogerl“ suchen – ich denke die Suchidee ist ausreichend illustriert) usw. usf..

So könnte es eines Tages geschehen, dass die Werbefutzis (Ja OK, eigentlich machen wir doch alles „was mit Medien“) von Krauss-Maffei, wirklich meine Texte gelesen und verstanden haben, bevor sie mich lobhudelnd einladen – und ich dann trotzdem schreiben kann, dass ich Panzer nicht einmal bedingt gut finde (Nachdem ich damit 100l Diesel verbratend durch den Wald gebrettert bin – ich romantischer, alter –fast-  Pazifist und bekennender Kriegsdienstverweigerer).

DENN ICH SCHREIBE IMMER NOCH VORRANGIG FÜR MICH und dann für Euch ;-).
Übrigens Familie habe ich auch.

Euer
Großer Kopf – Konstantin

PS: Vielen Dank an die Herausgeberin dieser Internetwiese, Bettie
PPS: Vielen Dank an meine Redaktionsleitung und Frau, Alu
PPSS: Vielen Dank an Christian von betriebsfamilie.de, erst durch ihn habe ich lange Klammern in Texten als Erweiterung der Satzlänge (neben Komma und Gedankenstrich) kennen (und schätzen) gelernt.

Dieser Text ist Teil der Gastbeiträge vom Geburtstagsmonat August.