Dieses Mal geht es mit der Kultur mit Kind – Interview Reihe nach Seoul zu Johanna (Blog MAMALOGIK & more). Mit ihrer vierköpfigen Familie lebt sie seit einem halben Jahr in Südkorea und berichtet von ihrem Alltag. Außerdem hat sie zwei Tipps, die Eltern, die auswandern wollen, beachten sollen. 

Seit Mai lebt Ihr für absehbare Zeit in Südkorea. Wie ist es dazu gekommen und wie habt Ihr Euch darauf vorbereitet? 

Ja, das ist richtig, wir leben jetzt seit knapp einem halben Jahr in Südkorea. Mein Mann ist Ingenieur und ihm wurde von seinem Arbeitgeber eine Stelle in Seoul angeboten. Wir haben uns nach kurzem Überlegen gedacht: Warum eigentlich nicht auch mal über den Tellerrand schauen?

Für uns als Familie ist es unser erster langer Aufenthalt im Ausland. Unsere Situation war und ist unserer Meinung nach perfekt für einen solchen Schritt. Unsere älteste Tochter ist 3 Jahre alt. Die Kleine war bei Abreise aus Deutschland gerade acht Monate alt. Mein Label Mom’s Accessories und meinen Blog Mamalogik & more kann ich von jedem Ort dieser Welt aus betreuen.

Insofern waren die Rahmenbedingungen unsererseits perfekt und einem mutigen ‚Ja‘ stand nichts mehr im Wege. Da wir als Expat-Familie nach Seoul gingen, wurden die meistens bürokratischen Angelegenheiten von der Firma meines Mannes erledigt. Auch die Organisation des Umzuges durften wir getrost aus der Hand geben. Die Vorbereitung war für die Tatsache, dass wir so weit weg von Deutschland ziehen, relativ unkompliziert und sehr schnell erledigt.

Wie sieht Euer Alltag dort aus?

Glücklicherweise haben wir sehr schnell nach unserer Ankunft in unserer Wohngegend Anschluss gefunden. Hier leben sehr viele Expat-Familien und es ist eine tolle Community, in die man sofort herzlich aufgenommen wird. Dafür war ich sehr dankbar, denn mein Mann fing direkt nach unserer Ankunft an zu arbeiten.

Ich war somit auf mich alleine gestellt und es lag an mir, wie sich unser Alltag mit zwei Kleinkindern nun also gestalten würde. Durch den Anschluss an die anderen Mütter wird man direkt in einen Sog von Playdates, Spielplatz-Treffs, Lunchdates und Kaffeklatsch-Treffen gezogen. Unser Alltag besteht also zu einem großen Teil daraus, am Community-Leben teilzunehmen, Einkäufe zu erledigen (und das ist mit Kind(ern) in einer Metropole wie Seoul nicht gerade mal so getan) und natürlich auch die Stadt und das Leben hier  kennenzulernen.

Meine Große besucht mittlerweile einen internationalen Kindergarten. Zu Beginn hatte ich ein wenig Sorge, dass sie aufgrund der Sprachbarriere nicht so schnell Anschluss finden würde. Das bestätigte sich zum Glück überhaupt nicht. Kinder in diesem Alter sind sehr sensibel für Neues und extrem aufnahmefähig. Ich bewundere ihre kindliche Fähigkeit, den hiesigen Gegebenheiten vorurteilslos und offen zu begegnen. Da wir uns größtenteils im englischsprachigen Umfeld bewegen, gibt es mittlerweile also für keinen von uns die Sprache betreffend Schwierigkeiten.

Wie bringt Ihr den Kindern die fremde Kultur näher? 

Tochter Emi mit einem koreanischen Mädchen

Bedauernswerterweise muss ich gestehen, dass wir mit der koreanischen Kultur relativ wenige Berührungspunkte haben. Wir kennen sehr wenige Koreaner, unsere Freunde und Bekannte sind gemischt international. Es ist auch schwierig zu sagen, dieses oder jenes, das uns im Alltag und auf der Straße begegnet, ist jetzt typisch koreanische Kultur.

Wirklich Kultur erleben kann man, so denke ich, nur wenn man Einblicke in die Familien bekommt – das sei aber wohl hier in Korea sehr schwierig.

Letzten Endes ist hier vieles genauso, wie es auch in Deutschland oder Europa ist. Südkorea ist ein hoch-technologisiertes, über alle Maßen modernes Land, dessen Menschen Konsum, Schönheit und Kimchi über alles lieben. Kimchi ist das traditionelle koreanische Gericht, das Essen schlechthin – Fermentiertes Gemüse, sehr scharf und sauer -sehr gesund.

Als Österreicherin, die in Berlin lebt, zieht es mich alle paar Monate in meine alte Heimat: Die Familie und auch Teile der Kultur. Wie geht es Dir da mit Deutschland?

Ich will ganz ehrlich sein, mich zieht es im Moment (noch nicht) wieder zurück nach Deutschland. Ich bin ein großer Fan von Frankfurt, denn da kommen wir ursprünglich her. Frankfurt war für mich die Großstadt schlechthin, mein Mainhattan, aber leider muss ich sagen, kann ich das so nicht mehr unterschreiben.

Sicherlich hat meine Heimatstadt und auch mein Heimatland vieles zu bieten und ist ein schöner Fleck auf unserer Erde, doch für den Moment bin ich ganz hier, in Asien, in Seoul und fühle mich wohl, ohne etwas zu vermissen. Familie und Freunde sehe ich hierbei ortsunabhängig. Natürlich fehlen sie sehr und ich wünschte, sie könnten doch alle hier leben.

Was empfiehlst Du anderen Familien, die für unbestimmte Zeit ins Ausland gehen?

Yeouido Han River

Ich werde das sehr oft gefragt und ich gebe immer wieder die gleichen zwei Antworten, denn letztlich steht und fällt meiner Meinung nach ein solches Abenteuer genau damit:

• Lasst euch vollkommen darauf ein! Je unvoreingenommener und je offener ihr allem gegenüber seid, was euch in der Fremde an Neuem erwartet, umso leichter wird es euch fallen, euch dort zurecht zu finden und vor allem wohl zu fühlen. Ich denke, dass es ganz wichtig ist, das Neue nicht mit dem Alten zu vergleichen, zu messen oder zu denken, dass nur das gut ist, was man bisher kannte. Dann wird ein solches Abenteuer nicht funktionieren. Seid offen und freut euch, dass ihr die Möglichkeit bekommt, euer Leben für einen Moment an einem anderen Flecken dieser wunderschönen Erde führen zu dürfen.

• Knüpft schnell Kontakte und nehmt am ‚social life‘ teil. Geht raus, sprecht Leute an, lasst euch ansprechen, lasst euch helfen und findet eine Community. Je eher ihr Leute, um euch habt, umso eher kommt ihr über Heimweh hinweg, umso mehr könnt ihr von anderen lernen und umso schnellen in eurer neuen Heimat ankommen.

Nun seid Ihr schon ein paar Monate da: Was hast Du gelernt?

Ich habe mir diese Frage vor kurzem selbst gestellt und ich denke, dass dieser Schritt, gerade mit zwei kleinen Kindern, mich sogar bis jetzt schon einiges gelehrt hat. Zunächst einmal natürlich das Handling zweier Kleinkinder in einem vollkommen fremden Land, auf einem anderen Kontinent, tausende Kilometer von der Heimat entfernt – das macht robust, härtet ab und hat mein Selbstvertrauen in mich und das, was ich so alles alleine handhaben kann, sehr gestärkt.

Eine wichtige Erkenntnis für mich persönlich ist auch, dass Anders-sein, etwas anders-machen nicht zwangsläufig falsch-sein oder falsch-machen bedeutet. Dass das Akzeptieren von Anderem oder von Andersartigkeit (und ich sage hier bewusst nicht Toleranz!) und das bewusste Wertschätzen und Befürworten von Vielfalt, das Leben so viel schöner und bunter machen kann, ist ein super Erkenntnisgewinn für mich persönlich, den ich auch meinen Kindern in keinem Fall vorenthalten möchte.

Vielen lieben Dank für das Interview, Johanna.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Johanna zur Verfügung gestellt.