In der Schwangerschaft tauchen viele Fragen auf. Antworten weiß fast immer eine gute Hebamme. Jana vom Blog Hebammenblog erzählt, warum sie viele Regeln kritisch sieht, was sie von Horrorfilmen, Partygehopse und wildem Sex in der Schwangerschaft hält und noch ein paar andere Dinge mehr im Interview: Ein Interview das auch in die Reihe Elternfragen gehört.

Natürlich heißt schwanger nicht krank, aber was erlaubt ist, und was nicht da gehen die Meinungen auseinander. Einige raten werdenden Müttern, in der Schwangerschaft noch mal wegzugehen, in Urlaub zu fahren, häufig ein Kino zu besuchen und andere Ausflüge. Wie beurteilst Du diese Dinge?

Insgesamt sehe ich diese ganzen Regeln, die es inzwischen für Schwangere gibt sehr kritisch.

Frauen werden in vielem so verunsichert, dass ihr natürliches Empfinden für ihren Körper, ihr Wohlergehen und ihre Gesundheit manchmal kaum noch vorhanden ist.

Dabei lässt sich das meiste ganz einfach zusammenfassen: Nimm keine Drogen und wenn du Medikamente nehmen musst, lass dich dazu beraten. Iß kein rohes Fleisch, keinen rohen Käse und keine rohen Eier. Alle andere rohe Kost solltest du gut waschen.

Meide chemische Stoffe und tierischen Kot. Halte dich nach Möglichkeit von Menschen mit Infektionskrankheiten fern.
Ansonsten mach doch bitte alles, womit du dich gut fühlst. Die Regeln können sich ändern, sollte es Probleme geben. Aber davon ist doch erst einmal gar nicht aus zu gehen. Genieße die Zeit!

Hochschwanger Horrorfilme schauen, Gruselserien gucken oder blutrünstige Hörbucher hören: Gilt hier erlaubt ist, was der Mutter gefällt, oder rätst Du davon ab zu viel negative Fiktion zum Babybauch zu lassen?

Ich denke das Genre ist Geschmackssache. Es gibt Frauen die sich bei Horrorfilmen köstlich amüsieren. Warum sollte man ihnen das verbieten. Allerdings ist es ja oft so, dass sich die Vorlieben auch oft in der Schwangerschaft verändern und plötzlich ganz andere Sachen triggern. Ich denke also das regelt sich schon von allein.

Feiern bis zum 9. Monat: Wenn sich Mütter besonders fit fühlen, und bis zum Ende der Schwangerschaft gerne Party machen, was gilt es zu beachten? 

Das hängt ja ganz stark von der Party ab. Grundsätzlich ist nichts dagegen zu sagen, solange die Frau ihren Spaß hat. Allerdings sollte man auf extrem laute Bass-lastige Musik verzichten, drängelnde Massen meiden und natürlich (wenn möglich) im rauchfreien Raum bleiben. Auch hier sind die meisten Frauen schon von selbst eher vorsichtig.
Was den Schlafmangel angeht – besser sie gehen Tanzen und haben eine gute Zeit, als sie verbringen die Nacht mit Wadenkrämpfen und Toilettengängen und bekommen davon schlechte Laune, oder? Ein Mittagsschläfchen ist doch auch was Schönes.

Fünf Mal die Woche Joggen, oder eher einmal im Monat zum Schwangeren-Yoga: Wie viel Sport ist wirklich erlaubt?

Beim Sport kommt es absolut darauf an, was Frau gewöhnt ist. Leistungssportlerinnen sind oft in der Lage ihr Pensum noch sehr lange ohne Probleme aufrecht zu erhalten. Aber auch normal sportliche Frauen können erst mal weitermachen wie gewohnt, mit einer Einschränkung: Sind wir es sonst im Leben gewöhnt, immer bis an unsere Grenzen zu gehen (und gerne auch mal darüber hinaus), so empfehle ich in der Schwangerschaft, mit dem Körper etwas gnädiger zu sein. Fühlt sich etwas nicht so gut an oder tut sogar weh, ist Schluß!
Es gibt natürlich mehr oder weniger empfehlenswerte Sportarten. Gerade im letzten Drittel der Schwangerschaft sollte Beckenboden- Belastendes vermieden werden, ebenso wie alles, was ein hohes Sturzrisiko hat. Schwimmen, Fahrrad fahren oder Yoga können normalerweise bis zum Ende ausgeübt werden. Welche Sportarten besonders gut sind habe ich hier beschrieben: Tauchen in der Schwangerschaft Komplikationen wie vorzeitige Wehen oder Blutungen auf, ist der Sport erstmal gestrichen.

Sex mit dickem Bauch: Ist wirklich alles erlaubt? 

Es ist alles erlaubt was Spaß macht. Die Lieblingsstellungen ergeben sich dann schon aus den äußeren Bedingungen. Auch hier gilt, solange es sich gut anfühlt ist es das auch. Es ist übrigens häufig so, dass Frauen beim- oder kurz nach dem Sex leichte Kontraktionen haben. Das ist normal und gar nicht schlimm, sollte dann aber auch wieder nachlassen.
Bei bestimmten Risiken wie vorzeitigen Wehen oder Blutungen, sprechen Ärztin oder Hebamme eine Empfehlung zur Abstinenz aus.

Und was empfiehlst Du als langjährige Hebamme werdenden Müttern als absolute Entspannung? 

Ach baden ist toll. Eine schöne Massage – gerne vom Partner – kann wunderbar sein. Der Bauch kann liebevoll eingeölt werden. Am besten man kombiniert alle drei Dinge.
Oder eben Tee und Schokolade (aber nicht zu oft ;-)) und dazu ne Soap. Was einen entspannt, ist doch Typsache.

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Jana.

 

Das Interview ist bereits vor einiger Zeit entstanden. Jeden Dienstag gibt es hier ein aktuelles Interview zum Thema Elternfragen, dieser Archivtext ist quasi Faschingsvertretung.

 

Nächste Woche geht es wieder weiter zum Thema Zweisprachigkeit.