Die Familienrollen sind aus der Sommerpause zurück: Jeder kennt mindestens eine Familie, die in Berlin in einer zu kleinen Wohnung lebt oder ist sogar selbst betroffen. Jette erzählt, wie sie zu sechst auf engen Raum hausen, was sie empfehlen kann und ob eine Änderung ansteht. 

 

 

In Berlin ist Wohnraum knapp. Ihr bewohnt knapp über 60 Quadratmeter. Ihr das sind: Drei Kinder, zwei Erwachsene und ein Hund. Wie gut klappt das?

 

Als wir hier in die 3-Raum-Wohnung gezogen sind war ich mit Melina, meinem ersten Kind, schwanger. Ob und wie viele Geschwister sie kriegen sollte, war damals noch unklar. Sechs Jahre später sind sie nun zu dritt. Es klappt aus zwei Gründen: Familienbett und einer Freizeit, die hauptsächlich draußen stattfindet. Und ein Vorteil hat es tatsächlich: Bevor die Kinder was neues zum Spielen holen, müssen sie das alte aus Platzgründen wegräumen.

 

Kürzlich habe ich auf Twitter gelesen, dass Ihr Euch nun doch vergrößern wollt: Warum?

 

 

Tomaten wachsen am Fenster: einen Balkon gibt es nicht.

Fakt ist, wir müssen umziehen. Bei uns ist einfach jeder Zentimeter in der Wohnung genutzt. Solange Bosse noch bei uns schläft, geht es irgendwie. Aber der Winter steht vor der Tür und damit kommt die Zeit, in der man wieder mehr drinnen ist. Auf Dauer ist das “irgendwie” kein akzeptabler Zustand. Wir haben nicht mal Platz für ein eigenes Bett für Bosse. Zwei Wohnungen haben wir uns angeschaut, mit gefühlt 300 anderen Leuten. Eine passte vom Schnitt her nicht, die andere ist ein Traum. Ein toller Schnitt auf 126 Quadratmetern. Und das Glück war auf unserer Seite: Wir haben die Wohnung tatsächlich bekommen!!

 

 

Da Du über Deinen Alltag bloggst, kriegt man immer wieder mit: Als Familie seid ihr viel unterwegs. Wie sieht das ideale Wochenende bei Euch aus?

 

 

Am Wochenende sitzen wir morgens recht lange zusammen: Mein Freund und ich essend und lesend am Tisch, die Kinder spielend auf dem Boden. Die ganze Familie auf 15 Quadratmeter. Da ist der Frühsport inklusive, wenn man den Raum verlassen will.
Samstags geht es zu erst meist in die Bibliothek und einkaufen, nachmittags gerne in die Schwimmhalle in Schöneberg oder wenn keine Sommerpause ist zum Prenzlkasper. Ein Abstecher in die Buchbox muss da natürlich auch sein. Am Sonntag fahren wir am liebsten in den Tierpark. Denn es gibt nicht viele Ausflugsmöglichkeiten für Kinder und Hund.

 

 

Vor Kurzem hast Du einen Text darüber geschrieben, dass ein viertes Kind für Dich nicht ganz auszuschließen ist, auch wenn vieles dagegen spricht. Habt Ihr diese Entscheidung nun schon getroffen, oder bleibt die noch ein paar Jahre offen?

 

 

Prinzipiell ist die Entscheidung getroffen. Es wird kein viertes Kind geben. Wohnraum ist einfach ein Argument dagegen. Nicht gegen das zweite und für uns auch nicht gegen das dritte. Aber irgendwann muss bzw darf die Vernunft entscheiden und beim vierten ist es nun so weit. Mich stimmt das nur irgendwie traurig und mich wurmt dieses “nie wieder schwanger sein”. Wir wollen aber nicht ins Umland ziehen oder ein Haus bauen

 

 

Viele haben nicht die Wohnung ihrer Wunschgröße, was rätst Du anderen, die vielleicht nicht das Glück haben, das Passende zu finden?

 

 

Vieles steht schon in doppelter Reihe: Deshalb geht es immer öfter in die Bibliothek.

Wir haben viele Dinge von Ikea, die uns helfen. Pax-Schränke in Übergröße, Schuhregale, die man endlos übereinander stapeln kann, Bettkasten für das Verstauen von Dingen, Kisten, die Kleinkram verschwinden lassen. Unser Boden ist sehr hell und die Möbel nahezu alle in weiß. Das macht den Raum freundlicher. Außerdem sollte man regelmäßig ausmisten. Zieht man wirklich alles an, was im Schrank liegt? Spielen die Kinder noch damit?

 

Leseratten empfehle ich, sich in der Bibliothek anzumelden. Diese Umstellung fiel uns recht schwer, denn wir lesen beide gerne viel und mögen den Anblick von Büchern im Regal. Aber es spart nicht nur Geld, sondern eben auch Platz, wenn man diese nach dem Lesen wieder angeben kann. Und auch die Kinder lieben es, sich Bücher, CDs und Filme dort auszuleihen.
Familien sollten sich eine spannende Aktivität in ihrer Nähe suchen und sich eine Jahreskarte gönnen. Wir haben eine für den Tierpark, wodurch wir gerne und oft dahin gehen, auch im Winter. Nicht jedes Mal Eintritt zahlen zu müssen, erleichtert das natürlich.

 

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Jette. 

 

Jette bloggt übrigens auf motzmama.de über ihren Alltag und bestimmt auch bald über ihren Umzug.

 

Wenn Du selbst eine Familiengeschichte hast, die gut in die Familienrollen passen würde, dann meld Dich doch bei mir unter fruehesvogerl@gmail.com.