Sylvia ist mit einem Soldaten verheiratet: Was das für ihre Familie im Alltag bedeutet und wie sie mit häufigen Ortswechseln klar kommt, das erzählt sie in den Familienrollen

 

 

Du bist Soldatenfrau: Auf Deinem Blog schreibst Du, dass Ihr grad in Leipzig seid, sich das aber jederzeit ändern kann. Was bedeutet das im Alltag?

 

Wir sind jetzt seit fünf Jahren in Leipzig. Das ist tatsächlich richtig lange und bisher die längste Verwendung meines Mannes. Eine Versetzung war im letzten Jahr geplant, allerdings hatte mein Mann gesundheitliche Probleme und konnte den neuen Dienstposten nicht fristgerecht antreten. Aktuell ist der Plan, dass wir nun wohl doch noch einige Zeit in Leipzig sein werden. Die Rede ist von zwei bis drei Jahren. Das kann sich aber sehr schnell ändern und ist noch keine ernstzunehmende Aussage, da mein Mann erst im Verlauf des Jahres sein Personalentwicklungsgespräch hat.

 

 

Ein Ortswechsel bedeutet für Deinen Mann eine neue Herausforderung: Was bedeutet er für Dich und die Kinder? 

 

 

Wir sind erst vor fünf Jahren das erste Mal mit ihm umgezogen. Vorher ist er gependelt und war nur am Wochenende zu Hause. Diese zehn Jahre Fernbeziehung, sechs Jahre davon als Eltern, hat dazu geführt, dass ich einfach irgendwann nicht mehr konnte. Auch unsere große Tochter hat in dieser Zeit sehr gelitten. Sie war das erste Kind in ihrer Kindergartengruppe, dass die Wochentage kannte, denn am Freitag kommt der Papa wieder.

 

Sowohl ihre Persönlichkeit als auch ihre Beziehung zu meinem Mann haben sich verändert, seit wir zusammen an einem Ort sind. Sie ist deutlich selbstbewusster geworden und klammert nicht mehr allzu stark an meinem Mann. Auch er kann endlich „richtig“ Vater sein mit allem, was dazugehört: Kinder abholen, Hausaufgaben betreuen und Fahrdienst spielen. Unsere Große ist mittlerweile elf Jahre alt, die Kleine wird bald sechs Jahre und Freundschaften werden immer wichtiger. Sollte eine Versetzung anstehen, dann wird es sicher vor allem für unsere Große sehr schwer werden. Die Kleine ist momentan diesbezüglich sehr aufgeschlossen. Eine mögliche Versetzung und ein damit verbundener Umzug ist hier regelmäßig Thema und die Kinder wissen, dass dies jederzeit kommen kann.

 

Wir reden darüber, dass dies eben zum Soldatenberuf gehört und es eben im Grunde nur zwei Optionen gibt: Gemeinsam umziehen oder den Papa nur am Wochenende sehen. Was meine berufliche Situation betrifft, so haben wir entschieden, dass ich Hausfrau bin, denn auch wenn mein Mann vor Ort ist, ist er beruflich sehr eingespannt und regelmäßig auf Dienstreisen. Mit meinem Lehramtsstudium ist dies aktuell nicht zu vereinbaren, da mir noch das Referendariat fehlt. Um dieses zu absolvieren bräuchte ich aber mehr Unterstützung.

 

Da die Situation sich in den nächsten Jahren nicht ändern wird, habe ich beschlossen einen anderen beruflichen Weg zu gehen. Momentan plane ich eine Weiterbildung zum Social Media Manager im Fernstudium. Aktuell betreue ich bereits zwei kleinere Firmen und versuche in diesem Bereich langfristig einen Fuß in die Tür zu bekommen. Denn in dieser Branche ist auch ein Ortswechsel nicht so gravierend, was im Bildungsbereich bei einem Bundeslandwechsel schon schwieriger wäre.

 

In wie weit ist der Job Deines Mannes für die Kinder überhaupt greifbar?

 

Ich glaube tatsächlich, dass sein Beruf sehr schwer greifbar ist für die Kinder. Hier in Leipzig ist mein Mann im Bereich Lehrgangsmanagement tätig, das heißt, dass es im Grunde eine Bürotätigkeit ist und kein Dienst in der Truppe. Unsere Große kennt dies auch anders und wir haben damals meinen Mann an den verschiedenen Standorten besucht, waren bei feierlichen Gelöbnissen und internationalen Meetings dabei.

 

Dennoch, mögliche Gefahren, ein eventuell irgendwann mal stattfindender Auslandseinsatz o.ä. thematisieren wir hier nicht. Den Mädchen fällt nur auf, dass es schon etwas anderes sein muss, weil Kinder aber auch teilweise Erwachsene schon anderes auf ihn reagieren, wenn sie ihn in Uniform antreffen. Kindergartenkinder (meist Jungs) reagieren meist etwa so: „Bist du ein echter Soldat?“, „Hast du auch eine Waffe?“ oder löchern ihn mit anderen Fragen.

 

Ansonsten sind es gewisse Situationen, die den Kindern im Gedächtnis bleiben, wenn sie mit meinem Mann unterwegs sind und er noch seine Uniform trägt. Da passiert es schon mal, dass jemand meinen Mann neugierig anspricht oder einen militärischen Gruß macht. Ich denke, dass die Kinder dann eine gewisse Art von Stolz empfinden. Darüber hinaus scheint es für sie aber ein Beruf, wie jeder andere zu sein und das ist auch völlig in Ordnung.

 

 

Welche Lebenssituationen hast Du durch den Beruf Deines Mannes schon erlebt, die anders nicht denkbar gewesen wären?

 

Als ich meinen Mann vor 16 Jahren kennenlernte, drückte er mir nach einigen Monaten ein Heft in die Hand. „Stil und Form“ – darin war erklärt, wie man sich verhalten und was man beachten müsste, wenn der Vorgesetzte zu Besuch käme. Zu einer derartigen Situation ist es allerdings nie gekommen, stattdessen war ich bei anderen beruflichen Ereignissen schon dabei.

 

Beruflich tritt mein Mann ganz anders auf, als mir gegenüber. Das finde ich immer wieder erstaunlich und zugleich spannend. Ob direkt am Standort oder bei internationalen Meetings, mein Auftreten muss dann schon ein anderes sein: Eher konservativ und im Hintergrund. Das musste ich jetzt nicht speziell lernen, aber mein Naturell ist eben doch ein wenig anders und ich muss mich dann zurücknehmen.

 

Was das Umziehen angeht, so kommt es mir eher entgegen. Ich finde regelmäßige Veränderungen spannend und freue mich neue Orte zu erkunden. Allerdings sind die Mieten in den letzten Jahren so gravierend gestiegen, dass ich schon Angst hätte, ob wir überhaupt etwas Bezahlbares finden. Manchmal wünschte ich mir auch wieder im Hamburger Raum zu leben, meiner Heimat und in der Nähe meiner Eltern, aber dies wird wohl eher nicht passieren

 

Euer Lebensmittelpunkt kann sich jederzeit ändern:  Was rätst Du anderen denen das vielleicht auch bevorstehen kann?

 

Ich glaube, wenn man motiviert und offen an diese Situation herangeht, dann kann eine solche Situation auch durchaus Vorteile haben. Mir ist es wichtig, den neuen Wohnort vorher schon zu entdecken. Als wir nach Leipzig gezogen sind, waren wir vorher ein paar Mal hier und sind einfach nur durch die Stadt gefahren.

 

Wir schauten nach Ecken, die wir uns zum Wohnen vorstellen konnten. Bei der Wohnungssuche war es mir auch wichtig, die zugeordnete Grundschule anzuschauen und ich wollte einen Park, sowie Bäcker, Apotheke, mindestens einen Supermarkt und eine Tram-Haltestelle in der Nähe haben. Auch bei einer nächsten Versetzung würde ich auf diese Dinge achten. Generell ist es wichtig, gerade wenn Kinder mitumziehen, sich auch frühzeitig um Betreuungsmöglichkeiten zu kümmern.

 

Das war hier in Leipzig tatsächlich eine absolute Katastrophe, denn die ersten zwei Jahre hatten wir nur einen Kindergartenplatz am anderen Ende der Stadt. Ansonsten kann ich nur empfehlen die Chance des Umzugs zu nutzen, um mal wieder ordentlich auszumisten. Das mache ich dann regelmäßig und es erleichtert mich auch irgendwie. Auch was Möbel betrifft kann man einiges beachten.

 

Wenn man sich zum Beispiel Möbel zulegt, die man variantenreich kombinieren kann, muss man nicht ständig neu kaufen, falls der Wohnungsschnitt ein anderer ist. Gerade bei unserer Küche war uns dies wichtig, so können wir sie immer wieder anpassen. Angekommen am neuen Ort sollte man einfach offen sein und ruhig auch mal selbst Menschen ansprechen.

 

Eine meiner heutigen Freundinnen habe ich vor 13 Jahren kennengelernt, als wir gerade nach Jena gezogen waren. Ich erkundigte mich bei ihr nach einer passenden Hausratversicherung und einige Tage später gingen wir einfach gemeinsam Kaffeetrinken. Offenheit gegenüber der neuen Lebenssituation und den Menschen, denen man begegnet hilft, um Kontakte zu knüpfen und sich irgendwann heimisch zu fühlen.

 

Vielen lieben Dank. Mehr über Sylvia und ihre Familie könnt Ihr auf Ihrem Blog nachlesen. 

 

Ihr habt auch eine Familie, die gut in die Familienrollen passen würde? Dann schreibt mir doch eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.