15 Jahre ist es her, als mich ein Bekannter gefragt hat, ob ich nicht sein Manuskript lesen möchte. Schwer begeistert sagte ich zu und saß einige Nachmittage lang im Kaffeehaus und stöberte mich durch sein Geschreibsel.

 

So angetan war ich von seinem Vertrauen, so schrecklich fand ich seine Prosa. Es war schwülstig, es war unglaubwürdig und ich hab die ganze Zeit überlegt, wie man gerade das nicht sagt. Nie wieder wollte ich deshalb von Freunden Bücher lesen. Weil: Was tun, wenn ich einfach finde, dass es großer Mist ist und ich das aber auf gar keinen Fall sagen will? Tja. Nun.

 

Debüt einer Buchbloggerin

Die Buchbloggerin Mareike Fallwickl hat nun ein Buch geschrieben. “Dunkelgrün fast schwarz” heißt es und ich wollte es absolut nicht lesen. Weil: Erstens 100te Rezensionen, die ich alle nicht gelesen habe, teasern das Buch als Sensation an. Gehyptes find ich eher gruselig. Zweitens: Ich mag Mareike Fallwickl.

 

Ist das eine Bloggerfreundin von Dir, fragt meine Freundin? Ja. Nein. Ich weiß nicht. Ich hab Mareike Fallwickl nie getroffen. Weiß nicht, ob ihr Lachen laut oder leise ist. Ob sie raucht, oder eine helle Stimme hat. Kann nicht sagen, ob sie viel redet, oder Blicken ausweicht: All das weiß ich nicht, weil ich sie noch nie “in echt” erlebt habe.

 

Aber: Ich weiß, wie ihre Kinder heißen, wir haben uns schon Weihnachtskarten geschrieben und sie war eine der ersten Menschen, deren Texte auf einem Forum – aus längst vergangener Zeit –  ich mal gelesen habe.

 

Und ich weiß: Ich find sie gut. Ich lese sie gerne, find ihren Humor oft ein bissl arg bissig und manchmal schreiben wir auch miteinander. Aber ich bin neugierig. Und weil Mareike eben nicht meine Freundin ist, dachte ich mir, großer Vorteil: Wenn ich es kacke finde, halte ich einfach die Klappe.

Die Lektüre

Nun habe ich “Dunkelgrün fast schwarz” gelesen und ich darf reden. Ich liebe es. Mareike schreibt Sätze, die ich behalten will. “Ein Zorn, den man  nicht haben darf, der einem vom anderen aberkannt wird, ist kühl und blau und halbflüssig… “.

 

Sie schafft Charaktere, die so unmöglich sind, dass man sie würgen könnte, oder schubsen und manchmal sogar beides. Aber irgendwie auch wieder nicht, weil weggehen sollen sie doch, bitteschön, erst, wenn die Geschichte sich aufgelöst hat.

 

Sie schreibt so österreischisch, dass ich das Gefühl habe, dass ich das immer wieder sagen muss. Und damit meine ich nicht die paar Austriazismen, die sich da einschmuggeln, und die mir wahrscheinlich nicht mal aufgefallen wären. Sie schreibt über das Leben in einer Kleinstadt und über ein Österreich der 80er, und es ist ein bissl so, als würde man Mareike kennen. Aber eben nur ein bisschen.

 

Lest unbedingt dieses Buch: Dunkelgrün fast schwarz (Debütromane in der FVA) (Amazon-Link: kostet nicht mehr, gibt mir aber ein paar Cent.)

 

Ich für meinen Teil muss jetzt mal nach Hallein und ihr nächstes Buch lese ich ohne jede Angst.