Alltag, Familienrollen, Nachgefragt

Enby: “Ich habe mich nie als „Frau/Mädchen“ gefühlt.”

Was ich total verstehe, dass Du und andere genervt sind, wenn sie sich immer wieder neu erklären müssen. Was mich aber auch nervt, wie rauh der Ton manchmal ist. Was schlägst Du für alle Beteiligten vor, um bei Geschlechterfragen gut im Dialog zu bleiben?

 

Ich empfehle, sich abzugewöhnen einen „netten höflichen Ton“ zu erwarten, damit Kritik geäußert werden „darf“. @redhidinghood_ (https://twitter.com/redhidinghood_/status/994305993277366275) formulierte das auf Twitter mal schön: „Männer überwinden. Männer, die nicht gemeint sind, denen es aber wichtiger ist nicht mitgemeint zu sein sind definitiv mitgemeint.“

Gerade auf Twitter nutzen viele Accounts Umkehrungen und satirische Überspitzungen dessen, was sie selbst zu hören kriegen. Viele Leute fühlen sich dann ans Bein gepinkelt. Mir geht dazu immer das Sprichwort „Nur getroffene Hunde bellen“ durch den Kopf.

Oft kommt auch auf Hinweise, dass etwas transfeindlich ist, ein eingeschnapptes „Ich bin nicht transfeindlich!!!“.

Zum einen geht es bei Kritik an Transfeindlichkeit nicht um persönliche Einstellung gegen über trans Menschen, zum anderen sind wir alle transfeindlich – ja auch trans Menschen haben Transfeindlichkeit verinnerlicht. Transfeindlichkeit ist im 2 Geschlechter System unserer Gesellschaft im Grunde vorprogrammiert. Wir haben ja alle von klein auf gelernt, dass es nur zwei Geschlechter gibt und diese am Körper zu erkennen wären.

Auch hier gilt: reflektieren. Und trans Menschen zuhören. Auch und vor allem denen, die erstmal unbequem wirken. Der raue Ton gilt in aller Regel anderen. Wenn er dir gilt, dann vermutlich weil du drüber warst. Dann kurz sacken lassen und nicht sofort antworten. Meist ist ein „sorry“ angebrachter als ein zurückpampeln.

Ansonsten kann ich sehr empfehlen, einfach nachzufragen „Ist es okay wenn ich dir Fragen dazu stelle?“ und ich kann es auch sehr empfehlen, die Suchmaschine deines Vertrauens zu benutzen, bevor du diese Fragen stellst. 99% deiner generellen Fragen sind nämlich schon beantwortet worden. Weitere 0,9% indirekt. Und diese eine Frage die dir einfällt, die noch nie zuvor eine cis Person einer trans Person gestellt hat, die wird dir vermutlich jede trans Person gerne beantworten.

 

Vielen lieben Dank für Deine Erläuterungen, Ravna. 

 

Die Familienrollen gibt es nun schon relativ lange, aber immer noch gibt es jede Menge Geschichten, die noch nicht erzählt wurden. Du hast einen Aspekt, den Du bisher vermisst hat, oder möchtest Deine Familiengeschichte erzählen? Dann schreib mir eine Mail an blog@fruehesvogerl.de.

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