Isst nicht jeder hier 

Soeben erzählt eine Frau auf Radio Eins, dass sie strahlt, seitdem sie kein Fleisch mehr isst. Sie erzählt noch allerhand andere Dinge, dass sie Teetrinkerin ist, und wie das so ist, ohne Eier und ohne Honig. Interessiert mich das? Nein.

Allerdings scheint sie damit einen Trend nachzueifern. Laut meiner Wahrnehmung gab es noch nie so viele Veganer, Vegetarier und vor allem Menschen, die darüber reden wollen in Berlin. Und im Rest der Republik.

Warum mir das auffällt? Weil ich seit 22 Jahren kein Fleisch esse, und das aus Überzeugung. Und weil ich trotzdem niemanden missionieren will. Weil es mich eigentlich nicht interessiert, warum jemand jetzt kein Ei mehr isst. Wenn es nicht medizinisch ist, oder für den Kontext relevant.

Häufig werde ich gefragt, ob denn nun mein Kind Fleisch ist. Ja, ein bisschen. Und nein, ich koche es nicht. Und nein, daraus muss man jetzt nicht so einen großen Kult machen. Und nein, ich will das nicht mit Dir besprechen, Du frisch geschlüpfter Veganer. Und ja auch der Hund kriegt Fleisch. Warum der Alltag im  Vegetarier-Veganer-Leben für viele so eine große Sache ist, verstehe ich nicht. Heute ist das ja alles recht einfach, die Industrie hat sich danach gerichtet und auch die Gastronomie sieht ihr Potenzial.

1995 war das alles noch ein bisschen anders. Da war das noch nicht so hip und die Köche mussten ein bisschen erfinderischer sein. Darüber wollen sie allerdings dann nicht reden, die neuen Veganer in meinem Bekanntenkreis. Damals gab es für sie noch Würstchen. Und das ist doch jetzt auch nicht das Thema. Die Sendung mit dem Glühwürmchen von Radio Eins habe ich dann übrigens  ausgemacht. Manchmal kann man sich ja so leicht helfen.