Was passiert mit einer Reisejournalistin, wenn sie Familie bekommt und was ist eigentlich die größte Herausforderung für eine Zwillingsmutter?  Darüber habe ich mit einer meiner Lieblingsbloggerinnen, Anneliese Attersee von Einer schreit immer, gesprochen. 

Was war und ist die größte Herausforderung für Dich als Zwillingsmutter? 

Mein Blog heißt ja nicht umsonst “Einer schreit immer” – es war also die größte Herausforderung beiden Kindern in ihren individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Was tun, wenn beide Zwillinge brüllen? Das überfordert einen Anfangs ganz ordentlich. Frau will ja beiden Kindern entsprechen. Auch heute noch plagt mich immer das schlechte Gewissen, weil ich Angst habe, dass eines der Kinder zu kurz kommt. Das ist freilich nicht so, aber vermutlich haben Mütter generell dieses “Schlechte-Gewissen-Gen”. Mein Mann und ich nehmen uns also bewusst Zeit, damit die Kinder auch einmal alleine etwas mit Mama oder Papa unternehmen. Damit beide Kinder irgendwann im Mittelpunkt stehen können.

Was hat die kinderlose Anneliese in Ihrer Freizeit gerne gemacht?
Ich war eine leidenschaftliche Köchin, die gerne gereist ist. Als ehemalige Reise-Redakteurin bei einer Zeitung habe ich natürlich auch viele schöne Plätze auf der ganzen Welt gesehen. Mit meinem Mann haben wir immer wieder kurze Wochenend-Trips gemacht. Das fällt jetzt völlig flach – und es geht mir auch sehr ab. Urlaub mit Kindern ist die Hölle es ist mehr ein Ortswechsel denn eine Entspannung. Auch das Kochen kann ich mir aufzeichnen. Während ich früher Rotwein-Hirschragout in der Küche gezaubert habe, kredenze ich heute Pasta und Knödel. Ich denke aber, dass besonders das Kochen bald wieder zum Hobby werden kann. Einer meiner Jungs ist nämlich eine große Küchenhilfe und hantiert gerne mit Topf und Kochlöffel. Die Küche sieht dann natürlich dementsprechend aus.

Als Reisejournalistin ist ja sicher Beruf auch ein bisschen Berufung, wie hat sich das mit den Kindern verändert?

Tagesausflug nach Tschechien. Mit Kindern.

Ich habe mich beruflich umorientiert, das hat aber auch private Gründe. Den Blog lasse ich nebenbei laufen und hoffe dass mich jemand entdeckt, mir einen völlig überbezahlten Buch-Vertrag anbietet. Der Plan ist es, dass ich mich dann auf ein Schloss nach Südfrankreich zurückziehe um meinen ersten Roman zu schreiben. Wenn ich dann erst mal den Literatur-Nobelpreis gewonnen habe, dann werde ich auch wieder mit dem Reisen beginnen.

Welche kulturellen Momente erlebt Ihr bereits als Familie?
Wir hören klassische Musik und lesen Kinderbücher – mehr habe ich leider nicht im Angebot. Achja – im Kasperltheater waren wir auch schon. Ich muss sagen, dass ich mit dem Alltag so beschäftigt bin, dass die bisherigen kulturellen Highlights bisher eher spärlich waren. Ich möchte aber bald einmal ins Spielzeugmuseum nach Salzburg fahren – das soll sehr empfehlenswert sein.

Und was hat die Stadt Linz einer jungen vierköpfigen Familie zu bieten? 

Linz hat sich sehr stark gewandelt – 2009 war es ja die Kulturhauptstadt Europas und hat sich dementsprechend positiv entwickelt: von der Stahlstadt zum Kultur-Juwel für Insider. Besonders toll ist etwa das ARS Electronica Center  – man kann hier einen digitalen Weltraumflug machen oder sich digital röntgen lassen – ganz ohne Strahlung. Es handelt sich um ein Mitmach-Museum, das vor allem für Kinder viel zu bieten hat. Toll ist auch der Linzer “Höhenrausch“. Im Endeffekt ist es ein Spaziergang über den Dächern von Linz. Gestartet hat das Projekt 2009 und jedes Jahr verändert sich der Höhenrausch aufs Neue.

Wie entspannst Du?

Ich entspanne mit unserer wunderbaren Babysitterin. Sie ist 17, geht in die Kindergartenschule und ist eine sehr verlässliche und motivierte junge Frau. Teilweise fehlt mir die Zweisamkeit mit meinem Mann – ich habe ihn ja geheiratet, weil ich ihn mag, weil ich gerne Zeit mit ihm verbringe. Aber zum Blödeln oder Entspannen fehlen uns die Stunden. Die gönnen wir uns dann durch unsere Babysitterin.

Welches kulturelle Gut möchtest Du Deinen Kindern mitgeben?
Bücher sind mir sehr wichtig. Ich denke, dass gerade im digitalen Zeitalter das Buch nicht verschwinden darf. Ich sehe jetzt schon, wie mein Zweijährigen am iPad spielen – das ist natürlich ein Zeichen der Zeit, sollte aber in unserem Haushalt trotzdem die Ausnahme sein. Ich möchte, dass meine Kinder auch wissen, dass es Bücher und Zeitungen gibt, dass Wörter auch gedruckt werden können. Ich denke, dass gerade Geschichte die Kreativität besonders anregen.

Dankeschön. 

(Bilder wurden freundlicherweise von Anneliese zur Verfügung gestellt.)

Ihr habt auch ein Kind, interessiert Euch für Kultur und möchtet darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.
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