Was sie am Mutter sein überrascht hat, wie sie gut entspannen kann und worum es auf ihrem Blog geht, erzählt mir die Frühlingskindermama, die anonym im Internet unterwegs ist,  im Kultur mit Kind-Interview.

Stell Dich doch bitte kurz vor. 
Ich bin Mama von zwei Kindern, 4 und 2 Jahre alt, wohne schon mehr als die Hälfte meines Lebens in Berlin, was meine Heimatstadt geworden ist, und bin Jahrgang 1974, was man deutlich an meinen eigentlich braunen, von immer mehr weißen Strähnen durchzogenen Haaren sieht.
Ansonsten hab ich mich aber ganz gut gehalten, denke ich;).

Ich blogge über meine Kinder, über mein Mamasein und alles, was mein Leben im Moment ausmacht. Ich schreibe auch gern Buchrezensionen über Bücher, die mich besonders interessieren, und verarbeite in Rückblicken meine Erfahrungen und Erlebnisse, seit ich Kinder habe. Ich reflektiere viel und spare auch schwierige Themen nicht aus, da bei uns einiges anders gelaufen ist als vorgestellt, seit die Kinder da sind. Was man bei mir nicht finden wird, sind Bastel- und Nähtipps etc. Ich habe zwei geisteswissenschaftliche Fächer studiert und begeistere mich für Kultur, Geschichte, Sprachen und Literatur. Mein Mann und ich arbeiten beide in Teilzeit, er in einem großen Museum und ich in einem Zeitungsverlag. Mein Blog existiert seit November 2014 und ich schreibe bisher anonym, d.h. namen- und gesichtslos. Ob das so bleiben wird, weiß ich noch nicht. Im Moment ist es aber angenehmer so, weil ich offener und schonungsloser schreiben kann, als wenn Freunde und Familie mitlesen.

Du bloggst als Frühlingskindermama über Dein Leben als Mutter, und warum Du Dir manche Dinge anders vorgestellt hast. Was waren Deine Vorstellungen vom Mutter sein und wie ist die Realität?

Da wir nach einer Fehlgeburt eine sehr lange und schmerzhafte Kinderwunschzeit durchstehen mussten und uns ein Kind wahnsinnig wünschten, waren meine Vorstellungen vom Kinderhaben sicherlich etwas idealisiert. Außerdem hatten wir keinen direkten Kontakt zu Babys und Kleinkindern im Freundeskreis. Ich dachte, das Muttersein, gerade nach der langen Wartezeit, würde mich total erfüllen und glücklich machen. Ich meinte auch, es würde mir leichtfallen, mich und meine Bedürfnisse zurückzustellen und anfangs ausschließlich für das Kind zu leben.
Unser Sohn war leider ein Schreibaby vom ersten Tag an und stellte uns vor immense Herausforderungen, die uns lange Zeit an den Rand unserer Kräfte und Nerven brachten. Doch auch bei meiner pflegeleichteren Tochter empfand ich in der Babyzeit nicht die große Erfüllung. Ich denke, ich bin einfach keine Baby-Mama.

Jetzt, wo sie älter sind, man mit ihnen kommunizieren und viel mehr anfangen kann, ist es für mich immer schöner und einfacher geworden. Außerdem habe ich durch meine Kinder viel über mich selbst gelernt, über meine Grenzen, meine Bedürfnisse, mein Wesen und das, was mir wichtig ist. Zum Beispiel gehe ich jetzt viel lieber arbeiten als früher, weil die Arbeit ein guter Ausgleich zum Zusammensein mit den Kindern ist. Beide Bereiche fordern völlig unterschiedliche Kompetenzen, manches überschneidet sich auch, in jedem Fall möchte ich keines von beiden ausschließlich haben. Insgesamt würde ich sagen, dass mein Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde, seit ich Kinder habe und ich brauchte lange, um damit klarzukommen und eine positive Herangehensweise zu bekommen. Wenn ich an die lange Kinderwunschzeit zurückdenke und dann meine beiden niedlichen, oft natürlich auch anstrengenden Kinder sehe, bin ich trotz aller Probleme sehr dankbar.

Welche Momente funktionieren bei Euch als Familie so gut, dass Du Dich zu einem Tipp hinreißen könntest?

Unser Alltag ist gut strukturiert und auch Unvorhergesehenes ist eingeplant, so dass wir alles ganz gut im Griff haben und nicht ins Strudeln kommen, wenn ein Kind krank wird oder ein Termin dazwischenkommt.
Da wir keine Familie in Berlin haben, müssen wir uns da komplett selbst organisieren. Deshalb versuchen wir, auch am Wochenende mal allein was mit den Kindern zu unternehmen, damit der andere Elternteil etwas Freizeit hat. Manchmal klappt es sowieso besser, wenn nur einer für die Kinder zuständig ist, weil sie dann wissen, an wem sie sich orientieren müssen. Als unsere Tochter geboren wurde (der Sohn war gerade 26 Monate alt), teilten wir uns ziemlich strikt auf: ich war für das Baby und mein Mann für den Großen zuständig. Das hat gut funktioniert und ist zum Teil bis heute noch so. Was ganz wichtig für Familien mit kleinen, oft die ersten Jahre schlecht schlafenden Kindern ist: gestaltet die Schlafsituation so, dass alle den größtmöglichen Schlaf kriegen. Wie, ist individuell verschieden, aber die Hauptsache ist, jeder schläft soviel wie möglich. Und ermöglicht euch gegenseitig Auszeiten, und zwar nicht erst, wenn der Partner darum bittet. Fordert Hilfe aktiv ein oder bezahlt für Entlastungen wie Putzfrau, Babysitter, Lieferservices etc., wenn ihr euch überfordert fühlt. Das alles kommt euch und damit wiederum den Kindern zugute.

Was macht Ihr als Familie gerne zusammen?

Da wir einen Pachtgarten am Stadtrand haben, verbringen wir im Sommer die meiste Familienzeit dort. Das gefällt allen und ist stressfreier und preiswerter als teure Ausflüge. Wir fahren gern in den Tierpark Germendorf nördlich von Berlin, eine Mischung aus Tier-, Freizeit- und Dinopark mit Badesee und Grillmöglichkeiten. Im Winter besuchen wir oft die in unserer direkten Umgebung gelegenen drei Kindertheater, ein Kindermuseum oder Indoorspielplätze. Unter der Woche gehe ich nach der Kita mit den Kindern auf Spielplätze, in den nahe gelegenen Park oder den Kinderbauernhof. Wir haben in unserer Umgebung wirklich viele schöne Möglichkeiten und das möchte ich keinesfalls missen.

Und meine Lieblingsfrage: Wie entspannst Du? 

Richtige Entspannung, woraus ich auch Kraft tanke, finde ich nur allein. Deshalb ist es für mich wichtig, auf regelmäßige Auszeiten zu achten. Dann lese ich, schreibe für meinen Blog und komme einfach zu mir. Der Blog gibt mir die Möglichkeit, meine Gedanken und Erinnerungen zu ordnen, die oft wie wild durch meinen Kopf rauschen. Und den Austausch mit Gleichgesinnten möchte ich nicht mehr missen. Aus schönen Familienunternehmungen kann ich aber durchaus auch Kraft ziehen, durch tolle Erlebnisse, gemeinsames Lachen und Erinnern an besondere Momente. Ich würde gern wieder mehr verreisen, das Entdecken fremder Städte/Länder/Kulturen hat mir früher viel bedeutet und Energie gegeben. Es wird auch wieder die Zeit kommen, wo ich wie früher durch Museen und Ausstellungen streifen kann, und ich freue mich schon darauf, meinen Kindern meine Interessen und Leidenschaften näherzubringen.

Alle Bilder wurden freundlicherweise von der Bloggerin Frühlingskindermama zur Verfügung gestellt.

Ihr habt auch ein Kind, interessiert Euch für Kultur und möchtet darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Eine Übersicht über alle bisher geführten Interviews findet Ihr hier