Kürzlich war ich aus. Abends alleine. Mit zwei Freundinnen. Wir haben diese Art von Ausflug gemacht, die wir früher zwei bis drei Mal im Monat gemacht haben. Kultur wollten wir sehen. Das Gute an der Dezimierung solcher Treffen ist, dass – wenn man sie nicht mehr so häufig macht, die Auswahl strenger wird. Wir entschieden uns für eine Lesung mit der großartigen Marlene Streeruwitz in der österreichischen Botschaft.

Botschaftsgebäude

Und nun ja, es war ganz nett. Das Davor und Danach mit den Mädels war toll. Aber die Lesung selbst war leider, trotz wirklich, wirklich toller Autorin etwas langweilig. Wie ein etwas ödes Pro-Seminar an der Germanistik. Mit genervten Kollegen, die wenige, aber dumme Fragen stellen. Eine Moderatorin, die sehr bemüht war, dem Publikum zu zeigen, dass sie wirklich alles von der Autorin gelesen hat. Im Anschluss gab es Chips und Wein. Und das Gefühl zwischen den ganzen grauköpfigen Menschen in einem Klischee gelandet zu sein. An dem Ort, an dem Menschen, die nicht hundertprozentig für Literatur brennen niemals landen. Ich brenne hundertprozentig für Literatur, deshalb war das schon okay so. Aber ich möchte gerne mal wieder auf einer Lesung landen, die auch Menschen begeistern könnte, die dort überraschend stranden. Und gleich vorweg, pointiertes Es-darf-gelacht-werden der Lesebühnen-Schreiberlinge mag ich auch nicht so wirklich. Ein bisschen was mit Event-Charakter, meinte meine Freundin, die hier sicher nicht zitiert werden möchte. Fakt ist: Ich suche eine wirklich tolle Berliner Lesung, gerne eine Bühne einen Ort, und freue mich unbändig über Empfehlungen von lesenden Berlin. Habt Ihr was für mich?