Liebe frisch verherzelte Mutter,
im Frühjahr 2014 ist plötzlich alles anders. Zehn Monate lang wurdest Du immer dicker und dicker und hast Dich theoretisch darauf eingestellt, wie das denn so werden könnte, und dann war es plötzlich so weit. Und es war wunderbar. Du hattest das Glück, dass Du es von Anfang an genießen konntest und viele negative Erfahrungen von anderen nicht machen musstest.

Eineinhalb Jahre später wirst Du Mütter sehen, die wahrscheinlich ein bisschen müde aussehen. Ihre Klamotten passen vielleicht noch nicht alle. Die Haare sind vielleicht struppiger als sonst. Das kennst Du alles. Aber sie haben diesen Blick. Diesen Zauberblick. Das etwas dickere Gesicht strahlt vor Stolz. Und Du wirst feststellen, dass Du nie Frauen sahst, die hübscher waren.

 

Das Gute ist, Du hast das auch an Dir schon gesehen, und hast Dich immer gewundert, wenn jemand gesagt hat, dass es überraschend ist, wie gut Du aussiehst. Wieso überraschend? Dir geht es doch gut. So überwältigt und so voller Gefühl. Und ja, auch in den Schwangerschaftsklamotten fünf Monate nach der Geburt.
Gut, dass Du einige Dinge schon beherzigt hast, die Dir Leute gesagt hatten, die es gut mit Dir meinten. Und Dein Sofa vorm Wochenbett klein war, und Du nur ausgewählte Leute darauf hast, sitzen lassen. Und Du Dich auch durchgesetzt hast, wenn jemand anderer andere Meinung war.
Ein paar blöde Tipps, wirst Du auch bekommen. Wenn Du einen Ratschlag haben möchtest: Dann sei damit ein bisschen gelassener. Die meisten meinen es nicht böse, und abgrenzen konntest Du Dich vorher auch schon: Behalt Dir das ein bisschen bei.
Ein paar Ratschläge wirst Du bekommen, die richtig toll sind. Ich verrate sie Dir mal, wenn Dein Kind kuscheln will, lass das bloß immer zu. Irgendwann will es das nicht mehr so häufig, und Du sollst jede Minute genießen. Und freue Dich darüber, dass Du so eine schlaue Oma hast.
Manchmal musst Du Dich aber auch ein bisschen zurücknehmen, denn es ist für Dein Kind nicht immer von Vorteil, wenn Du gleich Deinen Unmut kundtust. Geh dann einfach lieber weg. Das wirst Du lernen.
Genauso wie die Tatsache, dass Dein Kind vielleicht manches gar nicht so doof findet wie Du. Es ist Dein gutes Recht trotzdem jeden daran zu hindern, der über seinen Kopf tatschen möchte. Da kommt Dein Kind nämlich nach Dir.
Ach ja, und sei immer Du selbst, das funktioniert ganz gut. Und gib Euch immer so viel Zeit, die ihr beide für die Dinge braucht. Und vergiss nie zu merken, wie froh Du über Deinen Mann sein kannst, und dass nicht nur deshalb, weil es später einige überraschend finden, dass er dieses entzückende Kind auch wickelt. Ich bin übrigens stolz auf Dich, dass Du weiter Kuchen gefuttert hast, in der Stillzeit und der Hebamme geglaubt hast, dass sich das von selber löst.
Das Schöne ist, dass Du Dich bei jeder Mutter mit diesem Blick daran erinnern wirst, wie das so war. Damals.
Deine stolze, stark verherzelte, Kleinkind-Mutter
Dieser Text ist Teil der Blogparade #meinbriefanmich von Jana vom Hebammenblog.