Hier dreht sich hier alles darum, wie man Kindern Toleranz beibringen kann. Warum kleine Dinge helfen können, wie sie ihre Dreijährige an die Flüchtlingsthematik heranführen und über ihren unterschiedlichen Zugang zur Toleranz, berichtet das Elternpaar Mo Zart und Karl Rotten. 

Stellt Euch doch bitte kurz. 

Wir, Karl Rotten und Mo Zart, Eltern von Maple (3,5) und Coco (1), bloggen auf 2KindChaos anonym aus NRW. Das schützt uns und das hilft uns: Wir müssen kein Blatt vor den Mund nehmen. Wir pflegen den hochempathischen Erziehungsstil, sind Pazifisten, Menschenfreunde und denken erst mal immer das Beste von jedem Menschen. Nach hundert Rückschlägen bleibt Karl immer noch Optimist, und Mo hängt an ihrer ausgeprägten, bewusst gelebten Naivität.

Als ich auf Twitter nach Interviewpartnern zum Thema Kindern Toleranz vermitteln gesucht habe, hat Frida Mercury sofort an Dich gedacht, Karl. Auch Deine Frau ist mir auf Twitter zu dem Thema schon mehrmals aufgefallen. So war sie eine der Ideengeberinnen für die Postkarten ins Flüchtlingsheim nach Heidenheim. Was ist Euer persönlicher Zugang zu dem Thema?

Wir wohnen schon immer in Großstädten, Ausländerinnen und Ausländer gehörten schon immer selbstverständlich dazu. Karl arbeitet im sozialen Sektor, sicher nicht ohne Grund, er ist absolut pazifistisch und zur Toleranz erzogen worden, und Mo hat sich diese Werte trotz ihrer Kindheit selbst angeeignet 😀 Der Einsatz für Flüchtlinge hat viel mit unserem Gerechtigkeitssinn und mit Empathie zu tun. Wie kann man das Bedürfnis NICHT haben, mit ihnen mitzufühlen? Und selbst rational: Worin soll der Nachteil bestehen, wenn Flüchtlinge zu uns kommen? Dass wir unseren Lebensstandard um 0,1 Prozent senken müssen? Wir haben auch festgestellt, dass wir uns in unserem ehemaligen Wohnviertel mit hohem Ausländeranteil wesentlich wohler gefühlt haben als in der jetzigen kleinbürgerlichen Siedlung.

Die Postkarten, zahlreiche Tweets – Was macht Ihr noch um Flüchtlinge in Deutschland Willkommen zu heißen?

Mit Kleinkind und Baby geht nicht alles, aber wir beteiligen uns gern an Nachbarschaftsfesten, wir spenden Geld und Sachen, wir beziehen klar Stellung. Wie sich herausgestellt hat, ist das viel notwendiger als gedacht. Von völlig unerwarteten Seiten begegnet uns diese gepflegte “Ja, aber”-Haltung. Und, was Mo gern macht, so bescheuert es klingt: Einfach mal alle potenziellen Flüchtlinge, die man so sieht, anlächeln.

Wie bringt Ihr Euren Kindern Toleranz näher?

Mit der Dreijährigen kann man schon reden, ihr erklären, wie es den Menschen woanders geht, besonders den Kindern, das kann sie am besten nachvollziehen. Wir beten auch jeden Abend, dass es den Menschen, die zu Hause Angst haben müssen, die bedroht werden, denen weh getan wird oder denen es zu Hause nicht gut geht und die einen ganz langen Weg zu uns nach Deutschland gelaufen sind, hier ganz schnell besser geht. (“Aber die Kinder, denen es nicht so gut geht, haben ja dann mein Spielzeug, und dann geht es denen wieder ganz gut!”) Außerdem versuchen wir, ihnen eine möglichst vielfältige Gesellschaft zu zeigen, sodass sie das als selbstverständlich empfinden.

Was wünscht Ihr Euch für Eure Kinder?

Dass sie dasselbe Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Frieden entwickeln. Dass sie in einer Welt leben können, in der nicht Millionen Menschen auf der Flucht leben müssen. Und, damit endet bei Mo jedes Gebet, “dass alle Menschen genug zu Essen und zu Trinken haben und jemanden, der sie lieb hat”.

Vielen lieben Dank für das Interview, Mo und Karl.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Mo und Karl zur Verfügung gestellt.