Immer am Dienstag gibt es das Kultur mit Kind – Interview: Camilla (Blog: Bauchzwerg Und Ich) aus der österreichischen Steiermark erzählt, wie sich ihr Leben mit Kind im ersten halben Jahr verändert hat, warum sie nun gerne auf dem Land lebt und an welche Hobbies auch ihr Sohn schon teilnimmt.

Stell Dich doch bitte kurz vor. 

Tragen im Wald.

Im echten Leben heiße ich Camilla, bin 25 Jahre alt und habe vor sechs Monaten mein erstes Kind bekommen, einen kleinen Buben, der auf den Namen Leopold hört, aber meist nur Leo genannt wird.

Wenn ich nicht gerade in Elternzeit (bei uns in Österreich heißt das ja Karenzurlaub) bin, arbeite ich mit Leib und Seele als Krankenschwester. Da ich meinen Beruf sehr gerne mag, werde ich auch nach einem Jahr wieder arbeiten gehen. Nicht weil ich muss, sondern weil ich will.

Und in absehbarer Zukunft bekomme ich dann hoffentlich noch ein zweites Kind. Danach ist die Familienplanung aber abgeschlossen. Achja und ich habe gerne für alles einen Plan, wie man vielleicht merkt.

Du bist seit sechs Monaten Mutter: Was hat Dich in der ersten Zeit überrascht?

Sechs Monate Mama-Sein ist ja noch keine Glanzleistung und es kommen sicher noch viele Überraschungen auf mich zu. Was mich wirklich überrascht hat war, wie schnell der kleine Mann kein richtiges Baby mehr war. Ich habe immer gedacht, dass Babies viel schlafen und die meiste Zeit kuscheln wollen und friedlich im Stubenwagen liegen und man so, zumindest in der ersten Zeit, ganz leicht den Haushalt schmeißt. Das bisschen Haushalt… Dem war nicht so!

Nach gefühlten zwei Wochen Babyzeit, hat mein Baby tagsüber kaum noch geschlafen und der Haushalt ist schon gerne mal auf der Strecke geblieben. Dass ich für meine Hobbies weniger Zeit haben werde, war mir bewusst. Dass sich meine Wichtigkeiten ändern und meine Interessen sich verschieben, habe ich auch geahnt.

Was mich überrascht hat war, dass meine Beziehung zu meiner eigenen Mutter um einiges besser wurde, seitdem ich selbst Mama bin. Dass man plötzlich Dinge ganz anders sieht und Sachen sagt, die man davor nicht gesagt hätte. Beispielsweise „Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht“, hätte ich niemals in den Mund genommen.

Dass man indirekt etwas spießiger wird und weniger spontan, hätte ich mir auch nicht gedacht. Ich sehe mich schon in den All Inclusive Urlaub fahren, was eigentlich eine Horrorvorstellung von mir ist/war. Strandurlaub, nein danke! Jetzt vermutlich schon!

Vor der Geburt Deines Kindes hast Du in Graz, der steirischen Landeshauptstadt gewohnt, wie lebst Du heute?

Header vom Blog “Bauchzwerg Und Ich”.

Heute lebe ich wieder etwas ländlicher. Eigentlich sehr ländlich, am Waldrand mit Hund und Katzen, ohne Nachbarn und mit wenigen Kilometern bis zur Familie meines Partners.

Da ich selbst vom Land komme, war mir unterbewusst immer klar, dass ich zurück aufs Land ziehe, wenn die Kinderplanung startet.

So habe ich mich nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester schon zum Arbeiten in einem Peripherie-Spital entschieden anstatt in der Universitätsklinik der Landeshauptstadt zu arbeiten. In meiner Stadtwohnung hatte ich nicht einmal einen Balkon, so wäre mein Kind nicht einmal ein Balkonkind geworden.

Mein Partner hatte bereits ein Haus gekauft, das alles andere als familientauglich ist. 80 Quadratmeter ohne richtiges Badezimmer, die Schlafzimmer im 1. Stock sind alle Durchgangszimmer und sowieso ist es eher eine Junggesellenbude als ein Traumschloss.

Langsam haben wir angefangen zu renovieren, mittlerweile habe ich auch ein richtiges Badezimmer mit Badewanne und Stauraum. Fertig sind wir aber noch lange nicht und es wird noch viel Arbeit auf uns zu kommen. Ich habe mich aber mittlerweile ins Haus verliebt, zwar nicht auf den ersten Blick, aber auf den dritten oder vierten und mittlerweile möchte ich auch nicht mehr umziehen.

Leben am Waldrand ohne Nachbarn mit Bach und Fischteich am eigenen Grund ist dann doch ein Kindertraum. Und Sandkasten und Schaukel warten schon in der Garage nächstes Jahr aufgebaut zu werden.

Manchmal fehlt mir die Stadt dann aber doch. Ich konnte bei uns weder Umstandsmode kaufen, noch Wöchnerinnen-Einlagen und auch für Kinderkleidung gibt es bei uns nur ein einziges Geschäft. Babyschwimmen und andere Kurse mit Baby werden nicht angeboten. Und auch daran, dass ich mir Sonntag-Nachmittag kein Sushi bestellen kann, muss ich mich erst gewöhnen, aber es wird.

Vor der Geburt Deines Kindes hattest Du viele Hobbies, einige hatten mit den 1960er Jahren zu tun: Was kannst Du aktuell davon umsetzen?

Aktuell kann ich die 60er Jahre nicht so gut umsetzen, das hat aber nicht nur was mit dem Baby zu tun. In meine liebevoll und über Jahre zusammengesammelten Kleidchen passe ich noch nicht ganz. Da ich nachts noch stille, ist mein Busen nämlich noch überdimensional groß, zumindest für mich.

Praktisch sind diese 60er-Jahre Kleidchen ja auch nicht. Ich müsste sie jedes Mal zum Stillen ganz ausziehen, weil hochziehen bei den Schnittmustern einfach nicht funktioniert.

Auf Konzerte kann ich auf Grund des nächtlichen Stillens derzeit auch (noch) nicht wieder gehen und ob ich dann die ganze Nacht auf einem Weekender tanzen möchte, wenn ich ein Kleinkind zuhause habe, sei dahin gestellt.

Für Flohmärkte wird es langsam schon zu kalt. Im Sommer habe ich sie aber mit Kinderwagen gerne besucht. So hatte ich immer meinen eigenen Stauraum mit und zumindest für den kleinen Mann habe ich meistens auch etwas gefunden.

Die Liebe zu Musik aus den 60ern kann ich aber weiterhin ausleben. So habe ich dem Sohnemann im Bauch schon „You Got The Silver“ von den Rolling Stones vorgespielt und vorgesungen wird ihm meist ein Beatles-Lied, da gibt’s ja ausreichend Auswahlmöglichkeit. Und auch mit Schallplattenbeschallung wird oft durch die ganze Wohnung getanzt.

Das gefällt dem kleinen Mann und mir sehr gut! Meist wird das gespielte Lied sehr schnell durch lautstarkes Freudengequietsche verschönert.

Und ich sehe mich schon in ein paar Jahren mit dem Sohnemann durch Vintage-Läden stöbernd, beide in passenden Chelsea-Boots.

Welche Ausflüge sind in Zukunft geplant?

Steirer Bua

Graz hat für Familien gar nicht wenig zu bieten. Hallenbäder zum Schwimmen, ein Kindermuseum, eine Märchenbahn im Schloßberg (eines der Wahrzeichen von Graz) und auch die vielen anderen Museen bieten oft eine eigene Ausstellung für Kinder an, darauf freue ich mich schon sehr!

Und in einem der vielen Parks wird jeden Sommer ein Fest gefeiert, bei dem der lokale Radiosender auch eine Bühne hat auf der heimische und internationale Bands und Künstler kostenlos spielen. Das erste Augartenfest mit Kind auf der Picknickdecke und Kindertee anstatt Radler ist für den nächsten Sommer geplant.

Jeden Samstag und Sonntag (außer im Winter) gibt es große Flohmärkte, die ich auch mit Kleinkind gerne und oft besuchen werde.

Und was mich ganz besonders freut: Wir sind ja alle älter geworden. Ein lieber Sänger, Matthäus Bär, macht seitdem er selbst Papa geworden ist, Kinderlieder anstatt Indie-Songs. Eines seiner Konzerte wird sicher auch besucht werden. Für Klein-Leo zur Unterhaltung und für die Mama zum im Erinnerungen schwelgend.

Wo sind die Zeiten hin in denen mit genau diesem jungen Herrn in Rimini zu Klängen von Adriano Celantano getanzt wurde, in kleinen Bars und Kneipen (die zum Großteil bereits zugesperrt haben) das DJ-Pult gestürmt wurde. Diese Zeiten wurden gegen Windeleimer und Tretautos eingetauscht, und die jetztigen Zeiten sind auch sehr schön. Es gibt einen Libertines-Song in dem heißt es „there were no good old days, these are the good old days“ und genauso ist es.

Wie entspannst Du?

Entspannung finde ich, je nachdem von was ich gerade Entspannung brauche: Alleine entspanne ich mit einem guten Buch in der Badewanne, mit Mann und Kind entspanne ich am liebsten beim Spazieren gehen in der Natur.

Da sich bei uns der Wald nur fünf  Meter von der Haustüre befindet, ist das ganz leicht. Letztens waren wir zum ersten Mal zusammen als Familie in der Kindertherme, das hat uns alle drei sehr entspannt und wird jetzt wohl öfters unternommen.

Mit dem Herzensmann entspanne ich am Besten bei einem gemeinsamen Essen, zu dem wir derzeit nicht so oft kommen Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich unter der Woche mit ihm am Sofa, mit Katzen auf dem Schoß, vor dem Fernseher zu einer bayrischen Familiensendung entspanne. Jeden Tag wird bei uns nämlich „Dahoam is Dahoam” im Bayrischen Rundfunk geschaut.

Die Geschichte zur Sendung ist aber eine lustige. In meiner wilden Jugend (von 16 bis 20) war ich in den Schlagzeuger einer Garagenrock-Band verliebt und vor jedem Auftritt in Bayern haben wir eine zeitlang gemeinsam die Sendung angeschaut, damit er sich an den Dialekt gewöhnt. Naja aus der großen Schlagzeuger-Liebe wurde nichts, wir sind aber noch gute Freunde, die Sendung ist geblieben und eine Playlist für die Entbindung hat er mir auch geschickt.

Auf den CDs (der Mann hat mitgedacht) waren aber glücklicherweise keine Garagenrock-Nummern, die hätten mich im Kreißsaal in den Wahnsinn getrieben. Wild thing, you make my heart sing.

Entspannung finde ich übrigens auch beim Autofahren. Wenn ich alleine fahre drehe ich die Musik ganz laut auf und singe/schreie mit, danach ist jeder Ärger verflogen. Und ja, dabei höre ich gerne Garagenrock-Nummern.

Vielen lieben Dank für das Interview, Camilla.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Camilla zur Verfügung gestellt.