Diese Woche in den Familienrollen erzählt Steffi, warum sie sich ganz bewusst für eine Betreuung ihrer drei Kinder zu Hause entschieden hat, wie ihr das Umfeld dabei begegnet und was sie anderen Eltern in dieser Situation empfiehlt. 

Du bist Mutter von drei Kindern. Keines davon hat den Kindergarten besucht. Warum habt Ihr Euch dazu entschlossen?

Als ich zum ersten Mal Mama wurde, stellte ich mir unsere Zukunft ganz anders vor. Geplant war eigentlich nur ein Kind und das sollte wenn es 2,5 Jahre alt ist, in den Kindergarten kommen, so wie bei uns in Österreich es eigentlich auch “üblich” ist. Doch als mein Großer dann zwei Jahre alt war, kam sein Brüderchen auf die Welt und so stand für mich fest, dass er nun auch noch zuhause bleiben darf. Als der mittlere dann zwei Jahre alt war, kam unser dritter Sohn auf die Welt. Da stellte sich für mich die Frage, ob nun Kindergarten oder nicht, gar nicht mehr. Ich liebte es meine Kinder den ganzen Tag um mich zu haben. Jetzt sind meine Kinder 20 Monate, fast 4 und 5,5 Jahre alt.

Wie habt Ihr den Alltag gestaltet?


Unser Alltag war zum Teil streng geplant und zum teil eher locker. Vormittags spielten die Kinder eigentlich immer brav zusammen, in dieser Zeit habe ich den Haushalt erledigt und ein warmes Mittagessen gekocht.

Nach dem Mittagessen hat der Kleine immer geschlafen, in dieser Zeit habe ich mit den beiden großen gebastelt, Brettspiele gespielt oder auch manchmal einfach nur gekuschelt. <3

Nachmittags haben wir Freunde besucht, Ausflüge gemacht oder den Wocheneinkauf erledigt. Einmal pro Woche gingen wir in eine Spielgruppe, wo sie mit Gleichaltrigen spielen konnten. Es war und ist auch heute noch manchmal sehr anstrengend, aber ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut, meine Kinder nicht fremdbetreuen zu lassen. Hilfe hatte und habe ich nur in Ausnahmesituationen.

Seid Ihr mit diesem Modell eher Außenseiter in Eurer Gegend und wie reagiert Dein Umfeld darauf?

Ja absolut. Bei uns in Oberösterreich ist es, wie schon erwähnt, eher die Regel dass die Kinder mit 2,5 oder 3 Jahren in den Kindergarten kommen. Wir müssen uns oft rechtfertigen, warum unsere Kinder nicht in den Kindergarten gehen. Oft werde ich belächelt und als “Übermutter” bezeichnet.
So sehe ich das aber nicht. Ich sehe nur einfach keinen Grund, meine Kinder fremdbetreuen zu lassen, wenn ich doch sowieso zuhause bin. Mein Großer ist jetzt 5,5 Jahre und ist somit im verpflichtendem Kindergartenjahr. Das bedeutet, er muss ein Jahr bevor er in die Schule kommt in den Kindergarten gehen.
Somit kann er schonmal viele Kinder, die dann mit ihm in die Schule kommen kennen lernen. Ihm gefällt es sehr gut und auch ich bin mit dieser Lösung super zufrieden.

Als Du Dich für die #familienrollen gemeldet hast, hast Du erzählt, dass Dein Mann im Sommer viel weg ist und im Winter häufig zuhause ist. Was bedeutet diese Umstellung für Euch?

Ja genau, mein Mann ist von Beruf Baggerführer und daher vom Frühling bis in den Spätherbst sehr viel am arbeiten. Er verlässt das Haus zwischen 5 und 6 Uhr morgens und nicht selten kommt er erst um 20 Uhr wieder nach Hause. So passiert es oft, dass die Kinder ihn tagelang nicht sehen, da sie morgens noch und abends schon wieder schlafen, wenn er nach Hause kommt. Dies ist oft schwierig, nicht nur für die Kinder, sondern auch für mich. Ich bin zu 100% alleine für die Kinder verantwortlich, was oft nicht einfach ist, wenn man nie eine Minute unter tags für sich hat. Im Winter hat er dafür sehr viel frei. Daher bedeutet Winter für uns einfach Familienzeit. Wir machen Urlaub, besuchen Freunde und Familie und genießen die gemeinsame Zeit umso mehr. Wir wissen es zu schätzen, da wir ja wissen, es wird im Frühling wieder anders sein. Die Umstellung dann im Frühling, wenn die Arbeit wieder losgeht, ist vor allem für die Kinder jedes Jahr sehr schlimm.

Was empfiehlst Du Eltern, die sich für eine Rund-um-die-Uhr-Zuhause-Betreuung entscheiden?

Ich empfehle euch: Organisiert euren Alltag. Gerade auch, wenn Geschwisterkinder auf die Welt kommen, geht oft nichts mehr ohne Planung. Das fängt beim Essens- und Wocheneinkaufsplan an und endet bei diversen Arztbesuchen. Außerdem finde ich es wichtig, dass es kleine “Auszeiten” auch für euch gibt.

Sei es der Kaffee der noch in Ruhe getrunken wird morgens, wenn die Kinder noch schlafen, oder die entspannende Badewanne abends. Ohne solche kleinen Auszeiten, die man auch bewusst als solche wahrnimmt, hätte ich es oft nicht so entspannt geschafft den Alltag zu wuppen. Außerdem finde ich es wichtig, den Kindern Kontakt mit anderen Kindern zu ermöglichen, sei es eine Spielgruppe, der Spielplatz oder Treffen mit Freundinnen, die auch Kinder haben. Dann, finde ich, steht einer kompletten “Alleinbetreuung” nichts mehr im Wege, die Kinder müssen schon noch früh genug, in den Alltag mit Schule oder verpflichtendem Kindergartenjahr (zumindest bei uns in Österreich) starten.

Danke für die Antworten und die Bilder, Steffi. 

Nächste Woche in den Familienrollen: Stefanie erzählt, wie ihre Familie reagierte, als sie sich in eine Frau verliebte. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com.