Die schönste Art von Vereinbarkeit finde ich immer das Arbeiten von Zuhause aus. Weil mich das so fasziniert und bei uns das (noch) nicht ausschließlich möglich ist, habe ich jemanden gefragt, der das praktiziert. Kerstin werkelt für dieses Internet, hat drei Kinder unter drei, ist zuhause beim Blog chaoshoch2.com und versucht sich in dieser Vereinbarkeit: In diesem wunderbaren Gastbeitrag erzählt sie davon. 

Ich wollte schon ewig diesen Gastbeitrag schreiben. Über Vereinbarkeit. Über das Arbeitsleben im Leben nach dem großen Stichtag. Dem Arbeitsleben nach der Geburt der ersten, zweiten, dritten Kindern. Über das Arbeitsleben mit Kindern. Aber es blieb lange bei dem reinen Vorsatz.
Da war die große Frage, was ich überhaupt zu Vereinbarkeit sagen könnte. Mir fiel nichts ein.

Da war das Problem, dass ich kaum an den Rechner komme. Und wenn ich es komme, dann habe ich wenig Zeit. Dann bin ich müde. Dann schreibe ich meist nur, was mir eben so von der Hand geht. Was mir auf der Zunge brennt; was mich in den Fingern juckt. Ich habe keine Energie über, um mich schwierigen Texten zu widmen. Um in mich hinein zu hören und einen Text zu erarbeiten. Ich bringe seit Monaten nur noch Texte zu Stande, die mir zugeflogen kommen.
Und dann war es da. Das Thema. Das was ich zur Vereinbarkeit mit mittlerweile drei Kindern schreiben kann. So einfach ist es manchmal. 😉

Schreibtisch

Ich hatte die perfekten Voraussetzungen. Ich bin freiberuflich tätig und schon vor den Kindern arbeitete ich meist vom heimischen Büro aus. Ich brauche nicht viel mehr als einen Computer, einen stabilen Internetzugang, Ruhe und meinen klaren Kopf. Theoretisch könnte ich immer und überall arbeiten. Doch da fängt das Problem ja bereits an. Ruhe? Klarer Kopf?
Ich habe zwei Zweieinhalbjährige, wilde Kinder zu Hause, die alles geben, damit zu Hause niemals Ruhe einkehrt. Ich habe ein Baby. Sechs Monate alt. Das gibt nachts alles, damit ich nicht schlafen kann und meine Gehirnmasse ist nach nun drei Jahren Schlafentzug ziemlich zu Matsche degeneriert. Schwangerschaftsdemenz ging in Stilldemenz über und vermischte sich mit Schwangerschaftsdemenz und scheint nicht mehr zu verschwinden. Klare Gedanken fasse ich gefühlt nur noch in seltensten Ausnahmefällen. Dabei war mein Kopf immer mein einziges ernstzunehmendes Geschäftskapital.

Unterwegs im Donkey

Ich hatte gute Vorsätze und ich bin auch nicht gerade zimperlich. Alle drei Kinder waren mit mir schon, bevor sie nur ein halbes Jahr alt waren, beruflich unterwegs.

Ich fuhr mit den Zwillingen durch die halbe Republik, stillte sie in Besprechungsräumen und wickelte sie in Großraumbüros. Ich nutzte die Elternzeit für Fortbildung und Seminare, trug den Krümel im Tuch zu Konferenzen und machte das auch alles immer gern. Aber die Wahrheit ist, dass es Ausnahmezustände waren. Dass ich abends völlig am Ende meiner Kräfte war. Glücklich (denn ich liebe es zu arbeiten), aber völlig platt. Die Wahrheit ist, dass ich kaum noch mithalten und dass ich oft tagelang, manchmal wochenlang nicht arbeiten kann.

Ich bin zu unzuverlässig für meine Kunden geworden und ich kann zu wenig Zeit aufbringen, um Projekte eigenverantwortlich zu stemmen.

Die Zwillinge gingen mit einem Jahr zur Tagesmutter. Aber Kinder werden krank. Meine sogar ziemlich häufig. Leider. Tagesmütter werden krank. Unsere leider sogar sehr häufig. Einen Platz in einer Kindertagesstätte war für uns bisher nicht drin. Erst im Sommer werden die Zwillinge mit drei in einen Kindergarten gehen. Aber dann habe ich noch den kleinen Krümel. Und für den habe ich noch gar keine Betreuung bisher in Aussicht. Ja, das liegt wahrscheinlich auch an uns. Wir sind da wählerisch und es fand sich leider nichts Passendes bisher. Aber ist das so unnatürlich? Ich will arbeiten. Unbedingt. Aber nicht um jeden Preis. Nicht wenn es um meine Kinder geht.

Geschwisterplüsch.

Ich versuche mir, wann immer es möglich ist, Zeit abzuzwacken. Mein Mann übernimmt die Kinder häufig, damit ich im Büro verschwinden kann. Und was passiert dann? Dann bin ich zu müde; zu unkonzenrtiert. Blockiert vom Gedanken, dass ich jetzt nur ein ganz schmales Zeitfenster habe. Dann höre ich die Kinder im Haus sich streiten oder das Baby weinen, ich höre sie kreischen und toben. Und mir fehlt die Konzentration.

Ja, ich arbeite immer noch. Immer mal wieder. Ich habe nicht aufgegeben. 😉 Aber es ist nicht so einfach mit der Vereinbarkeit. Manchmal wünsche ich mir einen ganz klassischen Halbtagsjob außer Haus. Einen, bei dem ich nicht denken muss. Einen, bei dem ich raus komme aus diesem Familienchaos. Einen, bei dem ich abschalten kann.

Aber dann weiß ich auch, dass andere Zeiten kommen werden und bis dahin, möchte ich möglichst viel Zeit mit meinen drei geliebten Kindern verbringen. Sie werden so schnell groß.

Mehr von Kerstin gibt es bei Chaos² – Familienwahnsinn im Doppelpack.