Wie eine Patchwork-Familie funktionieren kann, welche Regeln ihrer Familie helfen und wie sie vor allem ihrer Tochter einige Dinge erklärt hat, davon erzählt Leonie vom Blog MiniMenschlein in den Familienrollen

Kürzlich hast Du auf Deinem eigenen Blog einen Text veröffentlicht, der davon erzählt, wie Patchwork in Eurer Familie funktioniert: Magst Du von Eurer Grundkonstellation berichten?

Leonie. 

Unsere Grundkonstellation hat sich erst in den vergangenen Jahren gefestigt. Das war natürlich nicht von Anfang an so. Denn am Anfang jeder Trennung steht in der Regel, dass man allein ist – jeder für sich.

Sehr früh aber haben wir die Papa-Wochenenden eingeführt und die finden bis heute alle 14 Tage statt. Sie sind ein fester Bestandteil und dennoch „nur“ ein Richtwert. Der Papa und ich, wir arbeiten beide seit Jahren freiberuflich. Entsprechend flexibel oder auch mal unflexibel sind wir. Daher weichen wir die Regelung auch gerne spontan auf.

Wir wohnen so, dass unsere Tochter theoretisch immer zu allen gehen kann. Und bei Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder auch Geburtstagen sprechen wir uns immer wieder aufs Neue ab, mittlerweile spricht unsere Tochter da natürlich mit. Und am Ende haben wir dann immer eine Lösung, die für alle gut ist. Unser Patchwork-Leben läuft sehr entspannt.

Gibt es klare Regeln, die Euch dabei helfen den Alltag von zwei Familien zu strukturieren? 

Tatsächlich kommunizieren wir zwar sehr strukturiert aber nicht permanent. Langfristige Absprachen wie Wochenenden, Feiertage und Urlaube besprechen wir sehr früh. Oftmals in einem Halbjahresplan. Den werfen wir natürlich auch mal um, aber so hat jede Familie generell die Chance, für sich zu planen. Je länger wir Patchwork leben desto mehr spontane Dinge kommen hinzu. Das ist und war ein Findungsprozess. Wenn man ihn ohne Groll und mit einem guten Gefühl für die Sache führt, wird man auch belohnt. Ich bin sicher, wenn es einem von uns nicht gut geht, wenn wir Hilfe brauchen oder oder oder – springen die anderen ein.


Deine Tochter Lilly ist mittlerweile 12: Seit wann leben Ihre Eltern in zwei Familien und hat es von Beginn an für alle Beteiligten so gut funktioniert?

Lilly.

Ich bin seit fast zehn Jahren von Lillys leiblichem Vater getrennt. Und natürlich war das anfangs alles nicht so easy, wie es jetzt ist.
Das ist ganz klar und ich würde lügen, wenn ich sage, eine Trennung ist immer Heititai-Sonnenschein, wenn du verstehst, was ich meine.

Am Anfang ist für alle die Situation neu und komisch. Aber eben vor allem fürs Kind, das darf man nie vergessen. Ich kann nur raten, die eigenen Gefühle zur Trennung vor dem Kind zurück zu stellen, und einfach da zu sein.

Für Sorgen, Verlustängste, und ja – auch Trauergefühle. Denn die kommen bei Trennungskindern auf, da bin ich überzeugt. Man kann das als Eltern auffangen. Es ist nicht immer einfach, aber es geht.

Auf einem Bild (auf Deinem Blog) sieht man Dich und die Partnerin Deines ehemaligen Partners: Ihr seht aus, als könntet Ihr Freunde sein. Ist der Eindruck richtig?

Absolut! Ich würde sagen, wir sind auch Freunde! Wir besprechen viel Persönliches, nicht alles, wie mit der besten Freundin, aber doch einiges. Das schätze ich sehr.

Freundschaft ist ein starkes Wort, aber was sie ja am Ende ausmacht ist doch, das man im Fall der Fälle für den anderen da wäre, mitfühlt, mitfiebert, und sich einfach schätzt und respektiert.  Und so ist es!

Hast Du einen Tipp für andere Mütter, die Schwierigkeiten haben in eine Patchwork-Rolle reinzufinden?

Das Kind muss glücklich sein! Das muss das oberste Gebot sein, finde ich. Und es ist an den Erwachsenen, dem Kind einfach Kindheit zu ermöglichen, auch wenn es Momente der Trauer und des Schmerzes gegeben hat.

Es gibt viele Wege, dies zu leben. Alle aber setzen voraus, dass man dem eigenen Kind nahe ist und es sich nicht verschließt. Und selbst wenn es sich mal verschließt, heißt das nicht, das es sich nicht wieder öffnet.

Eltern fühlen, wie es ihren Kindern geht, wenn sie in sich hineinhorchen. Und für jeden gibt es dann die Möglichkeit, zu reagieren. Das muss man tun. Das ist unsere Verantwortung als Eltern. Ich habe meiner Tochter in der Trennungszeit und viele Jahre danach fiktive Geschichten eines Hasen erzählt. Wir nennen ihn den „HASE HOPPEL“ und eigentlich waren das immer witzige Gute-Nacht-Geschichten. Aber: Mit einem wahren Kern.

Hase Hoppel hat das erlebt, was mein damals noch kleines Töchterlein erlebt hat. Er hatte mal keine Lust auf Zähne putzen, mal zu viele Süßigkeiten gegessen, mal den Papa ganz ganz doll vermisst und mal ganz schlimme Angst.

Immerzu hatten diese Geschichten aber ein positives Ende.

Ich hatte das in meinem eigenen Blogpost zum Thema schon angemerkt: Meine Tochter hat sich darauf hin ganz anders geöffnet und sagte mir eines Tages: „Mama, dem Hase Hoppel geht es ja wie mir!“

Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass es gut war, „Hase Hoppel“ weiter zu führen – jeden Tag mit einer anderen Geschichte. Mal fröhlich und lustig, mal tiefsinnig und nah. Immer aber mit einem positiven Ende.

Der kleine Hase Hoppel, dieser Schlauberger, hat nämlich eines Tages festgestellt: Wenn man über Sorgen spricht – und die sitzen ja meist im Kopf und im Bauch – dann gehen die raus. Die verlassen sozusagen beim Sprechen den Körper! Und dann sind die Sorgen WEG! 🙂


Blog-Logo.

Was wünscht Du Dir für Deine Familie für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass alles so bleibt wie es ist. Dass wir gesund bleiben und viel Freude mit- und aneinander haben!

Danke Dir für Deine Antworten und die Bilder, liebe Leonie. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.