Vier Kinder hat Carola geboren: Eines im Krankenhaus, zwei im Geburtshaus und eines zuhause. Welche Erfahrungen sie damit gemacht hat, wofür sie ihren Hebammen dankbar ist und was sie demütig macht, davon erzählt Carola vom Blog Frische Brise http://frische-brise.blogspot.de/ in den Familienrollen

Du hast vier Kinder und mir auf Twitter erzählt, dass Dir bereits als Jugendliche klar war, wie Du einmal ein Kind zur Welt bringen möchtest. Was waren Deine Vorstellungen, und in wie weit konntest Du sie verwirklichen?

Das ist wahr, ich wusste ziemlich früh, wie ich meine Kinder bekommen wollte. Und zwar selbstbestimmt und mit einer guten 1:1 Begleitung. Auslöser war eine Fernsehreportage über eine Hebamme, die auf dem Land Hausgeburten begleitet hat. Dass Frauen unter der Geburt so fröhlich, schön, stark und selbstbewusst sein können, hatte ich bis dahin nicht geahnt.

Das hat dann bei mir auch genau so funktioniert, weil ich mich in jeder Schwangerschaft schon sehr früh um eine Hebamme bemüht habe. Gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest machte ich mich auf die Suche und hatte immer sehr viel Glück mit meinen Hebammen. Wir hatten während der ganzen Schwangerschaft viel Zeit, uns gut kennenzulernen.

Schwangerschaft und Geburt ist zunächst einmal etwas sehr Natürliches und wurde auch so behandelt. In den Händen der Fachfrauen war ich sehr gut aufgehoben. Musste ich in der Arztpraxis bis zu einer Stunde im Wartezimmer warten, um zehn Minuten die Ärztin zu sehen, waren meine Hebammen bei den Vorsorgeuntersuchungen immer eine ganze Stunde nur für mich da. Ohne Wartezeit. Ich fühlte mich ernstgenommen und rundum gut versorgt.

Krankenhaus mit Beleghebamme, Geburtshaus oder Hausgeburt: Welche Vorteile sahst Du in der jeweiligen Geburtsform? 

Das Umfeld im Krankenhaus bei der Geburt meines ersten Sohnes vor 17 Jahren war nüchtern und steril. Gekachelter Raum, grelles Licht, ein Bett mitten im Raum, keine Privatsphäre. Obwohl ich meine eigene Hebamme dabei hatte, wurde ich von der Stationsärztin mehrmals gestört. Sie kam unangemeldet in den Raum, ließ die große Schiebetür sperrangelweit aufstehen und schloss sie beim Rausgehen auch nicht. Ich stand nackt und unter der Geburt da und alle draußen im Gang konnten in den Raum hineinsehen. Schon zwei Stunden nach der Geburt verließ ich die Klinik schnell wieder. Der einzige große Vorteil war tatsächlich, dass ich meine eigene Hebamme hatte.

Meine beiden nächsten Kinder wurden in Berlin im Geburtshaus geboren. Dort habe ich auch die Geburtsvorbereitungskurse und die Vorsorgeuntersuchungen mit meinen Hebammen erlebt. Ich fühlte mich dort sehr wohl und geborgen. Das Geburtshaus war gleich in der Nähe, ich hatte die Vorstellung, dort bei Beginn der Geburten hin zu spazieren. Es ging dann aber doch alles so schnell, dass mein Mann und ich das Auto genommen haben. Klarer Vorteil waren die vier Hebammen, die rund um die Uhr Rufbereitschaft hatten und ich so immer die Gewissheit hatte, eine gute Begleitung zu haben.

Nach dem Umzug von Berlin nach Hamburg waren die rasanten Geburtsverläufe der ausschlaggebende Grund für die Planung einer Hausgeburt. Das Geburtshaus am anderen Ende der Stadt würden wir nicht rechtzeitig erreichen können. In der nächstgelegen Klinik hatte ich mich trotzdem vorsichtshalber angemeldet. Großer Vorteil einer Hausgeburt: natürlich die eigenen vier Wände! Eigene Dusche, eigene Toilette, eigene Küche, eigenes Bett. Ich konnte mich so bewegen, wie es mir gerade passte. Ich war total entspannt und ganz bei mir. Nach der Geburt brauchte ich nirgends mehr hin und konnte mich mit dem neugeborenen Sohn in unser Bett kuscheln. Einfach herrlich!

Bei all meinen Geburten hat mich immer wieder überrascht, dass ich niemals von den Hebammen zu irgendetwas aufgefordert wurde. Ich durfte mich ganz frei bewegen und spürte meistens von ganz allein, welche Phase der Geburt gerade anstand. Niemals während meiner vier Geburten wurde ich zum Pressen aufgefordert oder gar angefeuert, wie man es aus vielen Filmen kennt. Nichtmal gehechelt habe ich. Im Bett habe ich nur eins von vier Kindern geboren. Ansonsten war ich unter den Geburten immer aufrecht. Die Nabelschnur dufte immer auspulsieren und ich habe auch jedes Mal die Plazenta gesehen. Die Babys wurden nie sofort gebadet, wie man es so aus Filmen kennt, weil das gar nicht nötig ist.

Schön war auch jedes Mal die Zeit des Wochenbetts. Meine Hebammen kamen regelmäßig nach Hause und schauten nach mir, dem Kind, ja der ganzen Familie. Sie beruhigten, trösteten, machten Mut, lachten und weinten mit uns.

Als Dein viertes Kind zu Hause geboren wurde, waren da bereits drei Kinder: Wie hast Du die Geburt in einem so personenstarken Haushalt organisiert? 

Ich habe ein dichtes Netz aus Freundinnen und Freunden und Nachbarinnen und Nachbarn gewebt und die entscheidenden Personen auch untereinander vernetzt. Alle Telefonnummern hingen gut sichtbar am Küchenschrank. Unsere Kinder hätten eine gute Betreuung gehabt. Alles übrigens ohne Verwandtschaft in der Stadt.

Nun ging die Geburt aber doch zum Glück gegen Mitternacht los. Da schliefen alle Kinder und bekamen überhaupt nichts mit. Wäre ein Kind aufgewacht, hätte sich mein Mann um das Kind gekümmert. Da ich ja die Hebamme bei mir hatte, wäre das in Ordnung gewesen. Mich hätte aber wohl auch nicht gestört, wäre ein Kind bei der Geburt dabei gewesen, wenn es das gewollt hätte.

Die Geburt verlief wieder sehr schnell. Ich war froh, dass ich nicht das Haus verlassen musste und wegen der Nachtstunden auch nichts weiter organisieren brauchte. Mein Mann war an meiner Seite und mir wieder eine sehr gute Stütze.

Wenn Du ein fünftes Kind kriegen würdest, würdest Du Dich wieder für eine Hausgeburt entscheiden? 

Aber ja, sofort! Hätte ich eine unkomplizierte Schwangerschaft wäre das für mich keine Frage. Was kaum jemand weiß: vor einer außenklinischen Geburt wird man so genau und ausführlich aufgeklärt, wie sonst nie. Das Wissen ist sehr wichtig, um Situationen besser einschätzen zu können und gegebenenfalls auf die Hebamme und ihre Anweisungen zu hören. Jede Kleinigkeit im Geburtsverlauf wird genauestens besprochen, das war für mich immer sehr aufregend. Habe ich mich doch hauptsächlich mit positiven Geburtserfahrungen umgeben und mich nicht von Horrorgeschichten verunsichern lassen.

Wie schätzt Du die Hebammen-Situation in Deutschland für die kommenden Jahre ein? 

Ich bin da im Moment etwas ratlos. Die schlechten Nachrichten nehmen seit Jahren zu und ein Ende ist nicht in Sicht. Immer mehr Geburtsstationen schließen, weil sie sich nicht rentieren, Schwangere werden unter der Geburt in Kliniken abgewiesen und müssen in der Gegend umherfahren. Viele Schwangere werden mittels CTG quasi ans Bett „gefesselt“ und die Hebammen sitzen im Stationszimmer vor Monitoren, um mehrere Geburten gleichzeitig zu überwachen. Hausgeburtshebammen gibt es so gut wie gar nicht mehr. Die Wahlfreiheit was den Geburtsort und die Art, wie Frauen ihre Kinder gebären möchten, wurde und wird empfindlich eingeschränkt. Das alles ist im Moment Realität.

Vielleicht muss die Talsohle aber erst noch erreicht werden, bis etwas Neues entstehen kann. Mir tun allerdings die vielen Familien leid, die unterdessen keine positiven Erfahrungen rund um Schwangerschaft und Geburt machen dürfen, was u.a. jedes Jahr am Roses Revolution Day am 25. November an die viel zu kleine Öffentlichkeit tritt. Schwangerschaft und Geburt sind die sensibelsten Zeiten im Leben einer Familie, die allerhöchsten Respekt verdienen. Familien haben ein Recht auf eine gute Begleitung während der gesamten Zeit.

Du schreibst so wunderbar über Deine Geburten: Was sind Deine prägendsten Geburtserfahrungen, die Dich in der Form vielleicht sogar überrascht haben und in wie weit haben sie Dich auf Deine Mutterrolle vorbereitet?

Wie ich meine Kinder geboren habe, das macht mich stark und selbstbewusst in meinem Frau-sein. Ich erinnere mich sehr gerne an meine Schwangerschaften und Geburten. Es war insgesamt eine sehr schöne Zeit. Dass ich mit einem ansonsten etwas defizitären Körper vier Kinder bis zum Termin ausgetragen habe und so schöne schnelle Geburten hatte, macht mich sehr dankbar und demütig. Das sind sehr intensive und prägende Erfahrungen. Sie machen mich aber nicht automatisch zu einer besseren Frau und schon gar nicht zu einer guten Mutter.

Danke Dir für Deine Antworten und die Bilder, liebe Carola. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.