Kultur mit Kind, Meinung

Keine Gruselgeschichten für Schwangere, bitte!

Mit Bauchgefühl reden.

Kurz bevor mein Sohn geboren wurde, traf ich eine Menge Frauen. Frauen, die auch schon mal ein Kind zur Welt gebracht hatten. Frauen, die dabei Erfahrungen gemacht hatten, die nicht so schön waren. Geburten, die drei Tage lang dauerten. Mädels, deren Männer bei der Geburt dabei waren, und die hinterher nie wieder Lust auf Sex hatten. Zumindest nicht mehr mit der Mutter des Kindes.

Ich unterhielt mich mit einem Mädchen, deren Sohn von einem Arzt herausgepresst wurde. Eine sehr entfernte Bekannte berichtete mir von einer sehr langsamen Wundheilung und auch sonst gab es einige Gruselgeschichten. All diese Dinge erzählten mir Menschen, die ich kaum kannte. Nachgefragt hatte ich nie.

Ich höre wirklich gerne Geschichten: Nur keine unvermittelten  Gruselanekdoten

Versteht mich nicht falsch. Kein Mensch muss Berichte schönen. Ich lese gerne von Erfahrungen anderer. Ich fühle mich geschmeichelt, wenn mich eine Freundin ins Vertrauen zieht und auch sonst finde ich Erfahrungsaustausch oft gut.

Aber warum man mir Menschen geballt ihre schlechten Erfahrungen erzählt haben, das war mir nicht klar. Wenige der Leute kannte ich wirklich gut. Und, was außer Angst machen, sollte das Ziel dieser Geschichten sein?  Zwei Tage vor dem Entbindungstermin weiß man schon, dass eine Geburt manchmal dauern kann, wie “unfassbar schrecklich” das für die Freundin der Freundin war, muss man nicht zwingend auch noch wissen.

 
Erneute Schwangerschaft
Nun bin ich wieder schwanger. Geburtsberichte habe ich die letzten Jahre viele gehört. Hab von traumhaften Geburten gehört, von durchschnittlichen gelesen, von Freundinnen sehr persönliche berichtet bekommen und mit Hilfe meiner Hebamme auch selbst eine gute erlebt.
Da ich weder einen Geburtsvorbereitungskurs besuche, und anscheinend nicht mehr den Eindruck erwecke, als möchte ich ungefragt allzu Persönliches hören, hält sich das mit den Geburtsberichten dieses Mal im Rahmen. Aber da tut sich nun etwas anderes auf.
Zweite Kind

Dass ihr zweites Kind monatelang nur geschrien hat, und sie kurz vor dem Rande des Nervenzusammenbruchs war, erzählt mir die Tage eine Frau, die ich nur selten sehe. Dass die Große furchtbar traurig war, dass sie die Mutter nun teilen musste: Das berichtet mir jemand, den ich lange nicht getroffen habe. Das tut mir leid, und natürlich kommt Eifersucht vor. Und dem lässt sich nur bedingt vorbeugen: Das verstehe ich schon. Und auch schwierige Geburten sind natürlich eine Tatsache, aber warum man jemanden komprimiert Warnungen geben muss, verstehe ich nicht. Nach so einem Gespräch fühlt sich doch, so vermute ich, keiner besser.

Lieber mag ich die Gespräche, die sich auf das Positive konzentrieren. Wie zum Beispiel Susanne Mierau, die berichtet, wie sie – nach abgebrochener Hausgeburt – geborgen im Krankenhaus entbindet und damit sicher vielen Mut macht. Und ich mag Menschen, die merken, dass gruseln niemanden hilft.

Und wie geht es Euch da so? Hat man in Eurer Schwangerschaft auch Gruselgeschichten an Euch herangetragen, oder macht Ihr das vielleicht sogar selbst und denkt Euch nicht viel dabei?
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8 Kommentare

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    Reply Tina vom Tulpentopf 26. Mai 2016 at 10:36

    Meine Schwiegermutter erzählte mir mal, dass sie eine Seite der Tageszeitung verschwinden ließ, damit ich die Todesanzeige für das 4 Wochen alte Baby nicht sehe.

    Sowas ist mir schon lieber, als Horrorgeschichten. Ich verstehe auch nicht, wozu die gut sein sollen. Mein erstes Kind bekam ich, ohne dass ich wusste, dass es eine schwere Geburt war. Ich bekam es einfach und erhielt hinterher viel Lob, dass ich den "Brocken" natürlich entbunden hatte. Beim zweiten ging alles fast zu schnell. Aber warum soll ich anderen ungefragt von dem "Brocken" und der Nabelschnur um den Hals erzählen, wenn doch jede Geburt anders ist.

    Ich wünsche dir für die Geburt alles Gute und viel Freude an der Zeit danach. Alles wird bestimmt gut.

    LG Tina

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    Reply Anonym 26. Mai 2016 at 12:10

    Die Mischung machts, denke ich. Ich habe viele positive Erfahrungen zugetragen bekommen. Und alle erzählten von Blitzgeburten, ambulanten Entbindungen, traumhaftes Duschen nach dem ersten Kennenlernen,… umso überwältiger war ich von der blanken Realität, die da in großen Schritten während der Geburt auf mich zukam. Es wäre mir lieber gewesen, wenn man mich nicht SO verschont hätte, sondern mir auch einfach mal jemand offen und ehrlich von den Schattenseiten berichtet hätte. Immer dieses "nach der Geburt sind alle Schmerzen vergessen" "wenn du dein Kind siehst, empfindest du die größte Liebe, die du je gespürt hast…" ich finde, auch solche Sachen können einen (mich) irgendwie unter Druck setzen. 'Warum empfinde ich gerade keine Überliebe? Mein Kind ist schon 1 Tag alt!' 'Warum habe ich nach der Geburt immer noch Schmerzen, will von niemandem berührt werden? Stimmt was nicht mit mir?' …
    Also, ich bin für mehr Realität (ohne Blutbad, fast-hops-gehen, aber einfach ein bisschen Echtheit!)

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    Reply Bettina Apelt 26. Mai 2016 at 12:29

    Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    Reply Bettina Apelt 26. Mai 2016 at 12:30

    Hey Tina, ich danke Dir für die guten Wünsche.

    Du scheinst eine liebe Schwiegermutter zu haben.

    Lieben Gruß
    Bettie

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    Reply Anonym 26. Mai 2016 at 12:45

    Jaja komisch. Ich glaub die Menschen verarbeiten das erlebte einfach noch mal. Meine Schwiegermutter hatte das Talent mir immer Gruselgeschichten zu erzählen welche Krankengeschichte Neugeborene von Bekannten haben oder das es bei xy die Totgeburten kurz vor Et kam. Bei ihr habe ich es einfach unter Dummheit eingeordnet.

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    Reply Bettina Apelt 26. Mai 2016 at 17:54

    Eine heile Welt zu beschreiben, die zwingend so eintritt: Sicher auch schwierig. Hat bei mir keiner gemacht. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn jemand von seinen nicht so guten Erfahrungen berichtet. Find das nur komisch, wenn einem eine wildfremde Frau erzählt, was alles sein kann zwei Tage vor dem ET. Ist eben alles individuell.

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    Reply Innovativ Kreativ 27. Mai 2016 at 11:46

    Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    Reply Innovativ Kreativ 27. Mai 2016 at 11:47

    Ich finde, dass es gar keinen Sinn hat, solche "Gruselgeschichten" zu erzählen. Es kommt wie es kommt, und man kann nie auf alles vorbereitet sein. Ich bin vierfache Mama und habe auch das eine oder andere erlebt, was für die einen vielleicht schrecklich wäre, für mich aber ok war. Sei's lange Wehen, OP's nach der Geburt…etc.
    Ich finde es definitiv besser optimistisch zu bleiben und positive Erfahrungen weiter zu erzählen, statt einer Fremden negative Gedanken einzupflanzen!
    Ich glaube aber, dass jeder diese Geschichten hört, bzw. hören muss, weil manche einfach scheinbar nicht sehr Empathie-fähig sind.

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