Lamasus (bloggt auf fünf kleine Lamas)  hat ihre Zwillinge natürlich geboren. Davon, was sich verändert hat, seit dem sie Mehrlingsmutter ist und noch von ein paar anderen Dingen berichtet sie in den  Familienrollen

Du bist Mutter von drei Kindern. Nach dem Du 27 Monate Mutter eines Kindes warst, bekamst Du Zwillinge: Hat Euch das Doppelpack überrascht?

Ehrlich gesagt: Nein, so richtig überrascht hat es uns nicht, dass wir gleich zwei Kinder bekommen. Aber gefreut wie verrückt und wir haben auch ein bisschen irre gelacht. Warum? Außer und – da krame ich mal ordentlich in der Mottenkiste der Geschichte – meinem Urgroßvater gab es weder in der Familie meines Mannes noch in meiner Zwillinge.

Ich bin aber mein Leben lang sehr zwillingsaffin gewesen und konnte mich schon als Jugendliche von Herzen mit Zwillingseltern mitfreuen und als Erwachsene habe ich wenn ich Zwillinge gesehen bekam ich immer so ein „will-ich-auch-haben-Gefühl“.

Als bei uns das zweite Kind geplant war habe ich nach dem zweiten erfolglosen Übungszyklus im (Galgenhumor-)Scherz zu meinem Mann gesagt: „Das konnte dieses Mal nichts werden, es waren ja keine Zwillinge.“ Das wurde ein geflügeltes Wort bei uns beiden. Beim ersten Ultraschall nach dem positiven Schwangerschaftstest, sagte der Arzt noch nichts von zwei Embryonen, obwohl ich als Laie schon den Eindruck hatte, zwei erkennen zu können.

Als ich dann zum nächsten Mal etwa in der 10. Woche zur Untersuchung kam, war ich sehr aufgeregt, dass kein Herzchen schlagen würde. Das erste Trimester über hatte ich bei meinen beiden Schwangerschaften Male große Angst, dass was schiefläuft, weil es in meinem Umfeld einfach so viele Sternchen gibt. Das habe ich dem Arzt auch vor der Untersuchung gesagt. Und dann kam er raus mit der Neuigkeit: „Ich sehe zwei Herzchen schlagen. Das hätten Sie nicht erwartet, oder?“

Ich dachte erst „Wusste ich doch schon längst“ und fühlte mich bestätigt, habe aber dann – mehr als untypisch für mich – vor Rührung geweint als ich die beiden zum ersten Mal gesehen habe.

Zuerst ein Kind, dann plötzlich drei: Wie ging es Euch in der ersten Zeit als fünfköpfige Familie? 

Ich muss gestehen, dass ich vieles nicht mehr so genau erinnere aus den ersten Lebensmonaten der Kinder. Ich hatte sehr schnell der Eindruck, dass die Zwillinge schon immer bei uns waren. Minilama, mein großes Kind, fragt auch immer: „Wo waren wir da“?, wenn es um Ereignisse geht, die vor deren Geburt stattfanden und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Minilama, als großes Geschwisterchen, hat die Babies interessiert angenommen, macht aber nach wie vor überwiegend „sein Ding“; unabhängig von den Zwillingen. Parallelspiel eben.

Richtige Eifersucht oder dauerhafte Ablehnung gibt es bisher keine, ich achte aber auch peinlich genau darauf, dass Minilama genügend exklusive Mama- und Papazeit bekommt und es sich nicht abgeschoben fühlt.

Jetzt, wo die Babies mobiler werden, reagiert Minilama öfters mal gestört auf die Annäherungsversuche der Geschwister und erlebt deren Interesse als Versuch, seine Sachen kaputt zu machen. Wir haben manchmal unsere liebe Not, ihm klarzumachen, dass die Babies nichts zerstören oder es gar ärgern wollen, sondern entdecken und vor allem bei ihm sein möchten.

Heute mag es den einen Zwilling lieber, morgen den anderen, aber hergeben würde es definitiv keinen. Im Gegenteil: Wenn andere Menschen den Geschwistern zu nahe kommen, weiß es wortgewaltig Grenzen zu setzen, mein wunderbares Kind.  Freunde, die „nur“ ein Geschwisterchen haben, fragt es immer: „Wo ist denn das zweite?“

Du hast alle drei Kinder spontan geboren, von einer spontanen Zwillingsgeburt habe ich noch nie etwas gehört: Ist das wirklich so ungewöhnlich? 

So selten, wie man sich denkt, scheinen die spontanen Zwillingsgeburten nicht zu sein, wenn man im Netz stöbert. Aber ich kenne persönlich auch niemanden, der außer mir das Glück hatte.

Es müssen sehr viele Faktoren stimmen, damit man es überhaupt versuchen kann. Und dann muss auch alles klappen mit den beiden Geburten. Doof ist dann die Kombination: Natürliche Geburt bei Baby 1 und Notkaiserschnitt bei Baby 2. Mamas, denen es so ergangen ist, kenne ich wiederum einige.

Die Klinik, in der ich entbunden habe, hat mir von Anfang an deutlich gemacht, dass sie mir gern eine natürliche Geburt ermöglichen wollen, da sie jeden Kaiserschnitt, der nicht unbedingt nötig ist, vermeiden. Das hat mir gut gefallen. Auch mein Frauenarzt hat schon früh von einer natürlichen Geburt gesprochen, als ich selbst noch dachte, Zwillinge bekommen bedeutet immer Kaiserschnitt.

Ich musste mich selbst an den Gedanken gewöhnen, dass ich eventuell eine solche Geburt durchstehen würde und hatte großen Respekt davor. Eine Geburt ist auch viel Kopfsache.
Meine Zwillinge wurden am Termin eingeleitet – nachdem vorher wochenlang das Damoklesschwert „Frühgeburt“ über uns geschwebt hatte. Eine völlig surreale Situation. Die Einleitung selbst dauerte zwei Tage. Zwischen der manuellen Öffnung der unteren Fruchtblase bis zur Geburt des ersten Zwillings lagen allerdings nur drei Stunden. Am schwersten war es für mich, die Geburt auch zuzulassen, nachdem ich vorher so sehr um jeden Tag im Bauch gekämpft hatte.

Danach lief alles gut. Nach der Geburt des ersten Babies habe darauf vertraut, dass mein Mann gut nach ihm guckt, denn zum Anschauen war ja keine Zeit. Ich habe ein Stoßgebet gen Himmel geschickt, dass auch mein jüngstes Kind eine rasche und komplikationsfreie Geburt haben darf. Eine junge Ärztin hat das Baby von außen am Drehen gehindert, dann wurde die Fruchtblase geöffnet. Fünf Minuten später war mein zweites Kind geboren, das ich dann direkt zum Bestaunen in den Arm bekommen habe.

Obwohl viele Menschen dabei waren und sicherlich nochmal so viele vor der Tür bereit standen, um uns im Notfall zu helfen, war die Geburt sehr ruhig, sehr privat und einfach schön. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt.

Oft hört man von Zwillingsmüttern (zum Beispiel auch bei Einerschreitimmer), die immer wieder die gleichen Fragen beantworten müssen: Hast Du da auch so ein Repertoire?

Oh ja, das habe ich. Und ich schreibe mit Freuden in meinem Blog darüber. Weil es so skurril ist. Von „Sind da zwei Babies im Wagen“?, über „Sind das Zwillinge?“ hin zu „Da haben Sie aber sicher viel Arbeit“. – ich hatte die gängigen Sprüche alle schon mehrmals. Am häufigsten witzigerweise im örtlichen Edeka, ich weiß auch nicht, warum.

Schön ist auch „Ich habe auch Zwillinge, die sind aber schon x Jahre alt.“ Mehr kommt dann nicht. Oder auch „Es wird besser“. – ohne dass ich mich beklagt hätte.

Das Beste und Skurrilste war aber ein Spruch über meine drei Kinder. Da sagte ein Mann zu mir, als ich im Dorf mit Doppelwagen und Buggyboard unterwegs war: “Wenn Sie noch eins bekommen, dann haben Sie nicht mehr genug Hände.“

Wirklich nervig sind aber Omas, die ihre Enkel anhalten, stehenzubleiben und die Zwillinge anzugucken – als seien die beiden ein  seltenes Tier im Zoo. Das wird nur getoppt von Leuten, die „mal kurz“ anfassen wollen.

Was wusstest Du wirklich nicht, bevor Du Zwillingsmutter wurdest?

Ich habe länger überlegt, was ich an Wissen über Kinder gewonnen habe, seit ich auch Zwillinge habe, aber mir fällt nichts ein. Wenn man schon ein Baby hatte, weiß man, glaube ich, die wesentlichen Sachen und kennt sich auch in starken Belastungssitutionen wie Schlafentzug und Dauerlärm.

Was ich als Einlingsmama aber wirklich nur erahnen konnte, ist, wie es ist mehrere Kinder zu haben und jedes ganz individuell für den wunderbarsten Menschen der Welt zu halten. Dass da so viel Platz im Herzen ist, habe ich nicht gedacht. Das wächst einfach mit, wenn die Familie größer wird.

Was wünscht Du Dir für Dich und Deine Familie für die Zukunft?

Dass Gott seine schützende Hand auch weiterhin über uns hält. Dann wird alles gut.

Danke Dir für Deine Offenheit, liebe Lamasus und alles Gute für die Zukunft. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.