Sarah mit Großfamilie

Jeden Donnerstag erscheinen hier die Familienrollen, die eine andere Familie vorstellen. Diese Woche erzählt Sarah (von Schwesternliebeundwir), wie sie das Leben in der Großfamilie geprägt hat und welche Dinge, sie auf jeden Fall aus ihrer Ursprungsfamilie übernehmen will. 

 

 

Du bist Mutter von zwei Mädchen und kommst selbst aus einer sogenannten Großfamilie: Wie war das Aufwachsen in dieser? 

 

 

Sarah mit TochterIch habe fünf jüngere Geschwister, zwei Brüder und drei Schwestern. Wir vier Großen sind sehr dicht hintereinander geboren. Meine beiden jüngsten Geschwister kamen mit einem deutlich größeren Abstand dazu.
Ihre Geburten habe ich sehr stark wahrgenommen. Vor allem in der Babyzeit meines kleinen Bruders haben meine Schwestern und ich oft auch Mama-Aufgaben übernommen. Ich war damals zum Beispiel gerade in der 12. Klasse und hatte morgens öfter später Schulbeginn. Es war damals selbstverständlich, dass ich aufstand wenn mein Bruder aufwachte und ihn erst einmal anzog und wickelte. Auch für meine Schwestern waren solche Aufgaben immer normal.

 
Für mich war das Leben mit vielen Kindern immer selbstverständlich. Mein Papa kommt selbst aus einer Familie mit 11 Kindern. Inzwischen sind knapp 40 Cousins und Cousinen! Wenn wir früher ein Familientreffen veranstaltet haben, mussten wir ein komplettes kleineres Hotel mieten.
Auch die Freunde meiner Eltern hatten alle immer mindestens drei Kinder. Die meisten mehr. So empfand ich als Kind auch Familienkonstellationen von 10 oder mehr Kindern nicht als außergewöhnlich. Ich kannte es wirklich nicht anders, denn meine Eltern umgaben sich zum größten Teil nur mit Großfamilien.
Da ich nicht wirklich in den Kindergarten ging und zu anderen Kindern nur sehr lockere Kontakte im Ballett- und Musikschulunterricht knüpfte, kam ich auch selten mit anderen Familienmodellen in Kontakt.

 

 

Das Gefühl, dass wir mehr sind kam erst sehr spät. Ich glaube da war ich schon 11 oder 12 Jahre alt. Ich besuchte einfach öfter allein meine Freunde aus der Schule und merkte dann schnell, dass viele Familien anders sind.

 

Mir kamen „Kleinfamilien“ immer komisch vor und ich habe mich oft gefragt, ob den Kindern da nicht langweilig wird.

Ich habe diese große Familie schon immer als etwas Wunderbares empfunden. Auch heute noch. Meine Geschwister und ich genießen es sehr, wenn wir alle zusammen sind. Mit unserer erweitern Familie geht es uns nicht anders. Zusammen mit meinen Cousins und Cousinen veranstalten wir aller 2-3 Jahre ein Treffen. Wir alle gehen da total gerne hin und merken immer wieder wie erstaunlich ähnlich wir uns doch sind. Es ist einfach total schön so eine große Familie zu haben, die auch wenn sie sich nur sehr selten sehen kann, so viele Gemeinsamkeiten hat.

Auch wenn das jetzt alles sehr harmonisch klingt, so ist es an vielen Stellen natürlich auch Schwierigkeiten wenn so viele Menschen so eng zusammenleben. Meine Mama, die Maschinenbauingenieurin ist, hat zum Beispiel nicht gearbeitet. Da sie ihre Arbeit wirklich geliebt hat, war das natürlich manchmal etwas schwierig für sie. Auf der anderen Seite wollten meine Eltern natürlich auch genau dieses Familienmodell. Das Schöne war, dass mein Papa jahrelang als Sänger am Theater gearbeitet hat. Er konnte sich immer morgens um uns Kinder kümmern und ging dann vormittags zur Probe. Am Nachmittag war er wieder Zuhause und hatte Zeit für uns. Er fuhr zum Beispiel immer mit mir zum Ballettunterricht. Am Abend hatte er dann meist wieder Proben oder Auftritte.

 

 

Welche Vorteile ziehst Du heute daraus, mehrere Geschwister zu haben?

 

 

Mit meiner Schwester, die nur 1,5 Jahre jünger als ich ist, habe ich wohl schon immer das engste Verhältnis. Trotzdem ist sie nicht wirklich mein Lieblingsschwester. Alle meine Geschwister haben komplett unterschiedliche Charaktere und so sind sie immer auf die eine oder andere Weise eine Lieblingsschwester oder -bruder.

Genau da liegt wohl auch der große Vorteil. Mit meinem Bruder würde ich zum Beispiel nicht zusammen kochen, mit der einen Schwester macht shoppen Spaß, mit der anderen Ausflüge in den Wald. Ich bin zum Beispiel immer der Ansprechpartner, wenn wir irgendetwas für unsere Eltern organisieren wollen.

Geschwister sind wie beste Freunde, sie kennen dich einfach wirklich gut. Ich würde fast behaupten meine Geschwister wissen das meiste über mich, da wir wirklich viel zusammen waren. Bei so vielen Geschwistern habe ich immer für jede Situation den richtigen besten Freund.

 

Wenn Du Dich an Deine Kindheit zurück erinnerst: Wie wurde Euch als Großfamilie begegnet?

 

Ich kann mich nicht an negative Reaktionen erinnern. Das liegt wohl einfach daran, dass wir die meiste Zeit einfach mit Familien verbracht haben, die auch viele Kinder haben.

Meine Oma mütterlicherseits hat immer ganz stolz ihren Freundinnen und Kolleginnen erzählt, dass ihr Tochter so viel Kinder hat – und die auch alle noch von einem Mann! Die Familie meiner Mama ist klein, sehr klein. Sie selbst ist ein Einzelkind und viele in ihrer Verwandtschaft empfanden es immer als wunderschön, wenn mal so viele Kinder da waren.

Du hast einen sehr berührenden Blogbeitrag geschrieben, dass Du hoffst bald mit dem dritten Kind schwanger zu sein: War Dir von Anfang an klar, dass Du auch eine Großfamilie gründen möchtest? Das ist man ja in Deutschland bereits mit drei Kindern. 

 

 

Sarah mit Mann und KindernInzwischen bin ich ja schwanger. Eine Schwangerschaft, auf die ich wirklich lang gewartet und gehofft hatte. Und ja, für mich war es immer klar mindestens 3 oder 4 Kinder zu haben. Ich könnte es mir wirklich nicht vorstellen „nur“ zwei Kinder zu haben. Christian und ich sind da glücklicherweise komplett auf einer Wellenlänge: wir wollten immer früh Kinder und auch definitiv mehr als zwei.

Geschwister sind einfach etwas Wunderbares. Das spüre ich jeden Tag bei meinen Töchtern, die wirklich einen wundervollen Umgang miteinander haben.

 

 

Was möchtest Du Deinen Kindern mit auf den Weg geben? 

 

Dass es nichts Wichtigeres gibt als Liebe und Zeit. Genau das haben meine Eltern immer wieder gelebt. Unsere Familie stand immer an erster Stelle. Meine Eltern hatten oft Geldprobleme, Probleme die wir als Kinder nie gespürt haben. Denn sie wurden einfach nicht so wichtig genommen, wie die gemeinsame Zeit miteinander. Meine Eltern wären nie auf die Idee gekommen mehr zu arbeiten um mit uns jedes Wochenende teure Ausflüge zu machen. Ausflüge waren für mich immer Waldspaziergänge, Besuche bei befreundeten Familien oder ein Ausflug zu meinen Großeltern. Ich habe nur selten einen Zoo von innen gesehen und im Kino war ich einmal mit meinen Eltern. Auch gingen unsere Urlaube bis maximal an die Ostsee und fanden auch oft in kleinen Bungalows oder auf Zeltplätzen statt. Wir hatten trotzdem immer eine wunderschöne Zeit zusammen. Zeit die sich meine Eltern immer gern genommen haben und die wertvoller für mich war als all das materielle.

 

Vielen lieben Dank, Sarah.

 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.