Von überall aus arbeiten können: Johanna und ihre Familie haben nun den Grundstein für dieses Modell der Vereinbarkeit gelegt und wollen sich bald auf eine lange Reise machen. In den Familienrollen erzählt sie, warum der erste Weg nach Bayern führt, wie ihre Erfahrungen beim Coworking Toddler in Berlin waren und welche Pläne sie für die nächsten Jahre hat. 

 

Du bloggst unter anderem über Dein ortsunabhängiges Arbeiten: Wie kann man sich das konkret vorstellen?

 

Das bedeutet, dass wir in Zukunft unser Geld so verdienen möchten, dass wir dies von überall aus tun können. Ein Teil unseres Einkommens soll außerdem „passiv“ sein, d.h. durch Vorgänge entstehen, die auch ohne unser Zutun weiter laufen (Werbung auf Webseiten z.B.). Auf diese Weise können wir unsere Arbeitszeit reduzieren und so auf den Tag verteilen, dass es zu uns und unseren Abläufen passt. Aktuell arbeiten wir ja noch nicht wirklich ortsunabhängig, sondern legen sozusagen die Grundsteine dafür. Das heißt, dass wir verschiedene Möglichkeiten ausloten und ausbauen, im Internet Geld zu verdienen, bzw. als Selbständige Aufträge zu erhalten, die ich von überall aus erfüllen kann.

Damit wir damit langfristig über die Runden kommen, soll sich unser ortsunabhängiges Einkommen aus verschiedenen Quellen zusammensetzen. Unter anderem gehören dazu unsere Webseiten (Familienblog Rubbelbatz, mein Blog Sonnengeflecht, meine Infoseiten Babyled-Weaning.de und Tragewelt.de, einige weitere kommen ggf. noch dazu), E-Books, sowie Auftragsarbeiten als (SEO)Texterin und Social Media Betreuung. Weil wir durch unsere aktuelle Situation noch einiges an Zeit zur Verfügung haben, werden wir aber noch mehr ausprobieren. Zum Beispiel beschäftigen wir uns aktuell mit Email-Marketing und innovativen Verkaufs-Modellen auf Amazon.

 

Mein Leben hatte ich mir nicht immer so vorgestellt. Früher träumte ich von einem Haus, festem Job und 3 Kindern. Nun habe ich letztes Jahr eine Selbständigkeit angemeldet – etwas, das mir früher immer wiederstrebte. Vor meiner Elternzeit war ich im Bereich Human Resources / Sales in einem großen Unternehmen beschäftigt und dachte, eine Festanstellung mit Feierabend und festen Urlaubstagen sei das Allerbeste. Erst durch unseren Sohn (2 Jahre) haben sich viele unserer Prioritäten und Ansichten verschoben und wir möchten möglichst viel Zeit zusammen haben. Weil mein Mann als Online Marketing Manager arbeitet, lag es nahe, es in diesem Bereich zu versuchen.

 

In diesem Frühsommer verlässt Du mit Deiner Familie Berlin: Wie sehen Eure Pläne für die nächsten Jahre aus?

 

Eigentlich wollten wir den Rest des Jahres bei meinen Eltern in Bayern auf dem Land verbringen und die Zeit nutzen, unsere Projekte voranzubringen. Mein Papa arbeitet halbtags und kann den anderen halben Tag auf seinen Enkel aufpassen. Nun hat es sich aber so ergeben, dass mein Mann noch bis Ende 2017 teilweise für seinen aktuellen Arbeitgeber tätig ist, allerdings zu großen Teilen von Bayern aus. Das verschafft uns ein ordentliches finanzielles Polster und damit mehr Startkapital für die Zeit danach.

 

Frühestens zum neuen Jahr wollen wir dann los Richtung Indien oder Indonesien, vielleicht auch Thailand. Konkrete Pläne dazu haben wir nicht, weil die von verschiedenen Faktoren abhängen. Einen Teil der Zeit werden wir auf jeden Fall in Indien verbringen, weil mein Mann dort geboren ist, das Land aber nie bewusst (also nach dem Alter von 3) gesehen hat.

 

Wenn wir einen Ort gefunden haben, wo es uns allen gut geht, möchten wir dort ggf. längere Zeit, also zwischen mehreren Monaten bis Jahren bleiben. Zurück nach Deutschland soll es erst gehen, wenn unser Kind eingeschult werden soll.

Dabei sind wir aber nicht auf irgendeine Version fixiert. Wir ziehen auch die Möglichkeit in Betracht, dass wir nach ein paar Monaten zurückkommen, weil wir total überfordert sind vom Leben auf Reisen. Dann haben wir eben eine längere Fernreise unternommen und können aufhören, von einem Leben im Ausland zu träumen. Wir wollen es aber auf jeden Fall versucht haben.

 

Oft werden wir, unabhängig von unseren Auslandsplänen, nach einem Geschwisterkind für unseren Kleinen gefragt. In der Zeit, die wir nicht in Deutschland sind, möchten wir das eigentlich nicht. Aber auch unabhängig davon verspüren wir beide nicht das geringste Bedürfnis, die ganze Baby-Sache demnächst zu wiederholen. Im Gegenteil, der Gedanke versetzt uns eher in Alarmbereitschaft.

 

Die letzten Monate gingen Dein Kind täglich zum Coworking Toddler, was Deiner Selbstständigkeit sicher entgegenkam: Wie zufrieden warst Du mit dem Konzept dort?

 

Smartmama Sandra hat mit dem Coworking Toddler etwas geschaffen, was sie selbst gerne für ihre Jungs gehabt hätte: Die Vereinbarkeit von Beruf und Kind. Selbständige wie auch Angestellte Eltern können im Coworking Space arbeiten, während nebenan die Kinder betreut werden. Wenn irgendetwas passiert oder das Kind seine Mama / Papa vermisst, werden die Eltern gerufen. Das passiert tatsächlich sehr selten (bei uns nur ein Mal), aber es ist beruhigend zu wissen, dass die Kinder die Möglichkeit haben. Mittags essen Eltern und Kinder zusammen. Die Einrichtung ist sehr bedürfnisorientiert, Kinder werden getragen, dürfen frei spielen und essen, wie und was ihnen gefällt. Ganz viele Punkte, die mir wichtig sind. Nach 10 Monaten vor Ort kann ich sagen: Das Konzept hält, was es verspricht. Ich hoffe, dass sich solche Modelle in Zukunft durchsetzen.

 

Für mich wäre keine „normale“ Kita in Frage gekommen. Auch wenn ich unter der Allein-Betreuung meines sehr anspruchsvollen Sohnes (wir hatten keine Familie in der Nähe, die mich hätte unterstützen können) sehr gelitten habe, hätte ich ihn mit 14 Monaten nicht an einem Ort alleine, also ohne Mama und Papa, lassen wollen. Nur weil es das Coworking Toddler gab, konnte ich ihn überhaupt in Fremdbetreuung geben.

 

Nun plant Ihr erst das Großelternhaus und dann die Reisen: Werdet Ihr für die nächsten Jahre zum Selbstbetreuer?

 

Das nächste halbe Jahr ändert sich zunächst für mich nicht so viel. Weiterhin wird unser Kleiner ganz in meiner Nähe betreut – nur eben jetzt nicht mehr in der Kita, sondern von seinem Großvater. Das heißt, ich kann weiterhin den halben Tag an unseren Online-Projekten arbeiten, den restlichen halben Tag verbringe ich mit ihm.

 

Reisen und die Welt sehen: Hast Du keine Angst vor der Wiederkehr und dem Wiedereinfinden in den Alltag?

 

Ehrlich gesagt habe ich daran noch kaum einen Gedanken verschwendet. Wir haben uns ein finanzielles Polster für den Wiederanfang in Deutschland zurückgelegt, all unsere Möbel etc. geben wir ja weg. Alles andere, also wo und wann wir uns wie wieder in Deutschland ansiedeln, lassen wir bewusst offen. Denn wenn ich eines in meinen 32 Jahren über mich selbst und die Welt gelernt habe: Pläne sind da, um geändert zu werden. Zum Beispiel haben wir kein Jahr, bevor wir beschlossen, unseren Wohnsitz aufzugeben, überlegt, uns in Berlin eine Wohnung zu kaufen. In unserer modernen Zeit haben wir so wahnsinnig viele Möglichkeiten und entwickeln uns auch persönlich so schnell und viel weiter, dass ich aufgehört habe, langfristige Pläne zu schmieden.

 

Welche Tipps hast Du für Familien, die von Eurem Weg inspiriert sind?

 

Startet nicht mit einem Blog, wenn ihr vorhabt, Geld im Internet zu verdienen! Das hört sich immer toll an, wenn man den Erfolg der anderen liest, aber niemand hat auch nur eine Ahnung davon, wie viel Arbeit dahinter steckt, für die man keinen Cent verdient. Wir bloggen seit 2014 und haben die meiste Zeit nichts damit verdient. Auch den Blog nun zu monetarisieren läuft sehr schleppend. Das Ganze lohnt sich nur, weil ich es wahnsinnig gerne mache und ohne finanziellen Hintergedanken gestartet habe.

 

Vielen lieben Dank und alles Gute, Johanna. 

 

Wenn Du Johannas Geschichte spannend fandest, interessiert Dich vielleicht auch das Interview von Lena, die mit ihrer Familie ein Jahr Couchsurfer war.

 

Wenn Du selbst eine Familiengeschichte hast, die gut in die Familienrollen passen würde, dann meld Dich doch bei mir unter fruehesvogerl@gmail.com.