Tomma, lachend

Jeden Donnerstag erscheinen hier die Familienrollen, die eine andere Familie vorstellen. Heute erzählt Tomma, warum sich ihre Familienplanung noch nicht umgesetzt hat und welche Pläne sie hat, wen sich ihr Kinderwunsch in den nächsten Jahren nicht erfüllt.

Im Rahmen Deiner Agenturarbeit (Rabach Kommunikation) hast Du viel mit Elternbloggern und Unternehmen, die sich auf Familien spezialisiert haben, zu tun. Beruflich sind Kinder also immer großes Thema. Du selbst hast (noch) keine Kinder. Welchen Stellenwert nimmt Familienplanung in Deinem Leben ein? 
Tomma KidsFamilie – und da gehören für mich die besten Freunde mit dazu – kommt für mich an erster Stelle! Und ich bin wahnsinnig stolz (für mich) behaupten zu können, dass ich die beste Familie der Welt habe. Ich bin aufgewachsen mit dem Wissen, dass, was auch passiert, meine Familie hinter mir steht und für mich da ist. Dieses Wissen und das damit einhergehende Gefühl bedingungsloser Liebe und Zusammenhalt, gibt mir eine unglaubliche Sicherheit und Stärke – selbst in herausfordernden Momenten. Und genau dieses unbezahlbare Glück möchte ich weitergeben: an meine Patenkinder, meine Nichte/meinen Neffen, die/der im Sommer auf die Welt kommt, und eines Tages auch an meine eigenen Kinder.

Ich kann mir ein Leben ohne Kids nicht vorstellen. Wohlwissend, dass es Situationen geben wird, in denen ich meine mir aktuell mögliche Spontaneität, das ohne Rücksicht auf jemanden einfach nur in den Tag leben können oder die kompromisslose Flexibilität durchaus sehr vermissen werde. Aber welchen Stellenwert hat das im Vergleich zu einem Kinderlachen? Oder dazu, die Welt (wieder) mit Kinderaugen sehen zu können? Eine Sicht, die vieles so klar und so „einfach“ erscheinen lässt. Die so logisch ist und gleichzeitig so herzlich. So bedingungslos ehrlich. Und die uns immer wieder einen notwendigen Spiegel vorhält.

 

Wie kommt es, dass du bislang auf eigene Kinder verzichtest?

 
Tomma in AgenturEhrlich gesagt habe ich mich viele Jahre auf meine berufliche Karriere konzentriert. Insbesondere mit dem Start in die Selbständigkeit vor fünf Jahren bekam dies eine neue Dimension. Andererseits war die Intensität meines Fokus’ auch bedingt durch meine privaten Umstände. Denn wie heißt es so schön? It takes two to tango … In meiner letzten Beziehung kam bei meinem Freund irgendwann der Punkt, an dem für ihn feststand, dass er (doch) keine eigenen Kinder möchte. Das zu akzeptieren und nicht die falsche Annahme zu verfolgen, der andere würde seine Meinung schon ändern, wenn er erst einmal sein Patenkind im Arm hält etc., hat mehr als ein Jahr gedauert.

 

Selbstverständlich habe auch ich darüber nachgedacht, ob ich meine Einstellung zugunsten der Beziehung ändern kann. Eine Entscheidung, die ich, und die wir, in unserer langjährigen Beziehung nicht „mal eben so“ getroffen haben. Die Liebe aufzugeben für ein Kind, von dem ich nicht weiß, ob ich es je haben werde? Wie sich wieder neu verlieben, wenn man doch eigentlich „den Richtigen“ an der Seite hat? Als lösungsorientierter Mensch habe ich sehr lange nach einem Happy End gesucht. Aber bei der Entscheidung pro oder contra Kinder gibt es keinen Kompromiss. Und so hat es mehrere Jahre gedauert, bis wir uns schließlich zugunsten unserer jeweiligen Kindereinstellung gegen eine gemeinsame Zukunft entschieden haben.

Wenn jedoch „nur“ eine konträre Meinung, wenn auch zugegebenermaßen eine sehr Entscheidende, der einzige Trennungsgrund ist, sind damit nicht zeitgleich auch die Gefühle ebenso Geschichte. Es hat knapp zwei Jahre gedauert, bis ich wieder bereit war, mich überhaupt gedanklich wieder auf eine „neue Zukunft“ einzulassen.

Wie waren die Reaktionen auf deine Entscheidung?

 
Während wir Ex-Partner unsere Entscheidung auch heute noch als einzig faire und respektvolle Entscheidung dem anderen gegenüber verstehen, haben wir beide in unserem Umfeld zum Teil sehr großes Unverständnis geerntet – Vorwürfe inklusive.

 

Ich wurde darüber hinaus immer wieder gefragt, warum ich nicht „einfach schwanger“ geworden bin? Und das sowohl von meinem privaten, als auch beruflichen Umfeld. Von Frauen und Männern. Klar habe auch ich mich irgendwann gefragt, ob ich wirklich „zu blöd“ war? Und warum ich nicht jetzt „einfach“ schwanger werde.

 

Habe mich gefragt, ob ehrlich zu sein, die richtige Entscheidung war. Und ja: alles andere ist in meiner Wahrnehmung ein absoluter Vertrauensbruch. Ich habe den romantischen Gedanken, dass sich zwei Menschen bewusst für ein Kind entscheiden – wobei das nicht zwangsläufig in einer klassischen Konstellation sein muss.

 

Mit eigenem Kinderwunsch täglich das Thema Familie präsent: Ist das schwierig für Dich, oder kannst Du da gut differenzieren?
Mittlerweile kann ich das. An den meisten Tagen sogar sehr gut. Aber klar gab und gibt es auch Tage, in denen mir das nur bedingt gelingt. Kurz nach der Trennung waren Fragen wie „Und? Hast du eigene Kinder?“ ein absoluter Stich ins Herz. Insbesondere, wenn ich danach gefragt wurde, warum ich es nicht einfach hab drauf ankommen lassen bzw. „nicht einfach“ schwanger geworden bin? Sei doch egal, dass der Partner nicht wollte.

Wenn ich die süßen Facebookposts von Elternbloggern sehe, Familienzeitschriften durchblättere und Themen für unsere Kunden bearbeite – dann steigert das an guten Tagen die Vorfreude auf die eigene Elternzeit, während ich im nächsten Moment meine Flexibilität genieße. An „schlechten“ Tagen stürze ich mich einfach auf unseren zweiten Themenschwerpunkt: die Food-Kunden oder skype mit meinem zweieinhalbjährigen Patenkind.

 

 

Du bist beruflich erfolgreich und hast derzeit keine Beziehung. Wahrscheinlich spielt bei Dates die Familienplanung schon früher eine Rolle als bei 20-jährigen Studentinnen: Wie offensiv gehst Du mit Deinem Kinderwunsch um, und wie ist die Resonanz?? 
Das Thema ist definitiv präsent und für mich entscheidend. Und ich gehe damit sehr offen um. Ich mag keine Zeit mehr investieren, wenn für mich wichtige Aspekte nicht übereinstimmen. Das gilt für mich nicht nur in Bezug auf einen Partner und so gehört für mich auch nicht nur die Kinderfrage zu dieser Einstellung. Ich bin glücklich, in einem Alter zu sein, in dem ich meine Wünsche klar formulieren kann und ebenso deutlich ausdrücken kann, was ich nicht möchte. Das erspart Missverständnisse, unerfüllte Erwartungen und am Ende auch viel Herzschmerz.

Gleichzeitig nimmt das Thema ganz klar die Leichtigkeit, in der 20-Jährige einander kennenlernen. Vor allem, wenn wir Frauen die biologische Uhr immer lauter ticken hören. Das wird noch einmal verstärkt durch das Umfeld, das dir wohlwollend Tipps gibt, aber dadurch auch unbewusst den Druck und die Zweifel an dir selbst erhöht. Scheitert ein Beziehungsversuch, ist es neben dem Verlust des Menschen, der dich traurig stimmt, zusätzlich wie ein Fall auf den Boden der Tatsachen, dass damit auch der eben noch zum Greifen da gewesene Traum einer eigenen Familie erst einmal auf Eis liegt. Sich von all diesen Einflüssen ein Stück weit zu befreien, ohne das Ziel und damit auch das realistische Zeitfenster aus den Augen zu verlieren, ist ein Balanceakt und nicht selten eine Achterbahn der Gefühlswelt.

 

Welche Pläne für die Familienplanung hast Du, wenn sie das mit dem passenden Partner in den nächsten Jahren nicht einstellt? 
Tomma mit RaubtierIch habe in den vergangenen zwei Jahren sehr intensiv darüber nachgedacht und mich über verschiedene Möglichkeiten informiert und intensiv dazu ausgetauscht: Ob der Besuch in einer Kinderwunschklinik, Beratung rund um das Thema Social Freezing, Gespräche über Adoption, der Austausch über Co-Parenting oder die Überlegung doch „einfach“ schwanger zu werden … Im Freundeskreis haben wir darüber gescherzt, gemeinsam einen Spender zu suchen, in ein großes Haus zu ziehen und zusammen Geschwister großzuziehen. Wäre es kein solch emotionales und persönliches Thema, könnte ich mit meinen Erfahrungen mehrere Bücher füllen und ein eigenes Comedy-Programm schreiben. Aber dieser „Spaß“ ist dann doch persönlichen Gesprächen vorbehalten.

 

In den vergangenen Monaten habe ich häufiger darüber nachgedacht, „Familie“ und Beziehung voneinander zu trennen. Klar ist für mich Plan A, ein klassisches Familienmodell, noch immer meine Wunschvorstellung. Ich bin aber aufgrund meines Alters und auch meiner lösungsorientierten Persönlichkeit realistisch genug, parallel den Weg für Plan B zu ebnen. Beide Wege führen zu meinem großen Traum: eine eigene Familie. Auch ein aktuell für viele sicherlich ungewöhnlich scheinender Weg muss am Ende kein steiniger sein. Und wenn doch: Werde ich gemeinsam mit meiner Familie genau daraus etwas Schönes bauen.

 

Kürzlich hast Du beim Blog Runzelfüsschen über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie  in Deiner Funktion als Agenturchefin geschrieben. In Bezug auf die Vereinbarkeit und auch gesamt gesehen: Hast Du ein Ideal, welche Mutter, Du selbst einmal gerne sein möchtest?
Ich mag ungern von einem Ideal sprechen. Auch ohne selbst Mutter zu sein, bekomme ich (nicht zuletzt durch meinen Job) mit, welchen Druck sich Mütter (und auch Väter) unnötig machen und welchen Druck sie noch viel mehr untereinander ausüben. Wie Mütter sich gegenseitig verurteilen, weil die eine ihr Kind länger stillt, als die andere, weil die eine es gar nicht tut. Weil der Vater sich eine Auszeit nimmt, während der andere den Staat nicht zusätzlich belastet. Weil die einen Eltern ein Familienbett haben, die anderen für eine strikte Bettentrennung sind. Weil die eine Mutter die andere angreift, weil diese relativ schnell wieder arbeiten geht, während sie selbst all’ ihre Bedürfnisse hinten anstellt.

Tomma_Patenkind_HandIch habe viele klare Vorstellungen davon, wie ich meine Kids erziehen würde, was ich ihnen mit auf den Weg geben möchte, in welchen Bereichen ich streng bin; in welchen Situationen entspannter. Aber ich bin Realist genug (oder durch den Kontakt zu vielen Eltern ein gebranntes Kind? ;-), zu wissen, dass sich das Thema Erziehung im Zweifel an der ein oder anderen Stelle anders entwickeln wird, als die Pläne es zunächst vermuten lassen.

Daher lass mich die Frage etwas offener beantworten: Ich für mich möchte es hinbekommen, mich selbst nicht zu verlieren, mich nicht ausschließlich über meine Mutterrolle zu definieren und dennoch oder gerade deshalb eine großartige Mami zu sein. Mir ist es wichtig, dass meine Kids wissen, dass sie sich, komme was wolle, immer auf mich verlassen können. Dass ich bedingungslos hinter ihnen stehe. Dass ich aber auch ein „eigenes“ Leben habe: mit Freunden und Hobbys, mit beruflichen Zielen, mit Freiräumen für mich selbst und – sofern Plan A funktioniert – für uns Eltern als Paar. Und mit all dem mag ich meinen Kindern vorleben, wie wichtig es ist, dass sie sich genau dieses selbständige Leben auch erarbeiten – mit Köpfchen und einer großen Portion Herz. Dass sie für sich individuelle Ziele finden, dass sie sich Zeit nehmen, ihre Akkus aufzutanken – auf ihre ganz eigene Art – und voller Neugierde, Wissensdurst, Zuversicht, Herzenswärme, Selbstvertrauen und Selbständigkeit und nicht zuletzt Optimismus durchs Leben gehen.

Wenn du gezielt nach einem Ideal fragst, dann kann ich sagen: Wenn ich auch nur einen Bruchteil von dem weitergeben kann, was mir meine Eltern mitgegeben haben (und es noch immer tun), dann hab ich mehr als meine Vorsätze erreicht.

Und bis dahin arbeite ich daran, die coolste Patentante und beste Tante der Welt zu werden.

Vielen lieben Dank, Tomma.

 

Ihr habt auch eine Geschichte, die Ihr gerne in den Familienrollen erzählen wollt? Dann meldet Euch doch unter fruehesvogerl@gmail.com bei mir.