Superkräfte

Jeden Donnerstag erscheinen hier die Familienrollen, die eine andere Familie vorstellen. Halima (vom zauberhaften Blog Mamamia) hat sich in punkto Vereinbarkeit Hilfe geholt. In den Familienrollen erzählt sie, wie das Leben mit AuPair ist, was sich für ihre Familie dadurch verändert hat und was sie anderen Familien rät. 

 

 

 

Du bist eine meiner liebsten Elternbloggerinnen: Weil Du immer mit viel Gefühl schreibst, Dich nicht in Klischees verlierst und auch die Privatsphäre Deiner Kinder nicht verkaufst. Manchmal geht es hoch her in der Elternblogger-Blase, vor allem auch weil jeder andere Gründe hat zu bloggen. Was motiviert Dich, neben Deinem vollgepackten Alltag, zu schreiben? 

 

 

GrauErstmal danke für die Blumen.  Bei mir ist das eigentlich ganz einfach: Ich schreibe gerne. Neulich fiel mir eine Mappe in die Hände, in der meine Mama meine schönsten „Kunstwerke“ aufbewahrt hat. Da waren auch ganz viele kleine Hefte, in Krickelschrift und mit ganz vielen niedlichen Rechtschreibfehlern voll.

 

Das waren alles Urlaubsberichte, denn in unseren Urlaben habe ich immer eine Art Tagebuch geschrieben. Im Grunde habe ich damals, mit 6, 7, 8 Jahren angefangen zu bloggen- nur eben analog. Und bis heute macht es mich tatsächlich glücklich, mich hinzusetzen und Geschichten aufzuschreiben. Dass ich heute dafür sogar Feedback bekomme, ist doch toll.

 

Du arbeitest als Juristin und bist Mutter zweier Kinder: Seid Kurzem hat Eurer Familie zur Unterstützung ein AuPair. Warum habt Ihr Euch dafür entschieden? 
FelsIch bin mit einem Workaholic verheiratet. Als wir noch alleine waren, hat ich das nie gestört. Ich habe die Abende mit Freundinnen oder beim Sport verbracht und war glücklich und zufrieden mit meiner Beziehung voller Freiräume für mich. Als die Kinder kamen, sah das natürlich anders aus.

 

Als Geschäftsführer einer großen Firma kann mein Man aber auch nicht ständig um 17 Uhr Feierabend machen. Jahrelang war das für mich in Ordnung, aber dann kam der Tag, an dem ich sagte: „Wir müssen neu verhandeln.“

 

Eine Zeitlang haben wir dann bei krankem Kind, Geschäftsreisen etc. mit komplizierten Plänen versucht, uns mit der Kinderbetreuung abzuwechseln, aber das war fast unmöglich. Entweder, wir hätten beide sehr viel von unseren Jobs aufgeben müssen (was wir nicht wollten) oder wir brauchten jemanden, der uns zu Hause unterstützt. Und da wir jemanden brauchten, der immer da ist, also auch spontan, wenn sich morgens kurz vor Aufbruch ein Kind im Flur übergibt, schien uns ein AuPair die Lösung unseres Betreuungsproblems.

 

Anfangs war das sehr schwierig, denn es kommt ja ein komplett fremder Mensch ins Haus. Erst jetzt, nach Monaten sind wir so richtig, richtig glücklich damit. Wir haben nun eine Vertrauensperson, die sich wie eine große Schwester um die Kinder kümmert und uns leichte Hausarbeiten abnimmt. Die Kinder sind glücklich und wir sind es auch.

 

Auf dem Blog findet man in Alltagsbeschreibungen bei Euch wenig Infos zum AuPair: Liegt das daran, dass Du ihre Privatsphäre schützen möchtest, oder das ihre Rolle einfach nicht so groß ist?
Ein bisschen von beidem. Die Alltagsbeschreibungen drehen sich ja meistens um das Wochenende in Bildern. Am Wochenende hat unser AP frei. Das ist für sie wichtig, weil sie gerne ausgeht, und für uns, weil wir nur am Wochenende richtig Zeit für uns als Familie haben. Inzwischen gehört sie allerdings immer mehr zur Familie. Trotzdem halte ich sie aus dem Blog lieber heraus und gebe dort nur ganz allgemein meine Erfahrungen zum Thema AuPair weiter.
Wenn sich eine Familie entschließt ein Au-Pair ins Haus zu holen: Mit welchen Kosten und Verantwortlichkeiten ist zu rechnen?
Mutter mit beiden KindernDie Kosten sind nicht zu unterschätzen. Ich hab das in einem Blogpost mal aufgeführt. Da sind vordergründig nur die Kosten für das Taschengeld (260 Euro), aber dazu kommt die Krankenversicherung (ca 50 Euro/Monat), die Zuschüsse zum Sprachkurs (50Euro/Monat), ein Monatsticket (ca 50Euro/Monat) und natürlich Kost und Logie.

 

Die Agentur hat eine saftige Prämie bekommen, ein Zimmer musste eingerichtet werden, dazu kommen Kosten für die Visumsverlängerung…da kommt ganz schön was zusammen.

 

Die Aufstellung im Blog mag kleinlich klingen, aber ich wollte einmal wirklich alle Kosten aufführen. Auf der anderen Seite kann man einen Teil von der Steuer absetzen.

 

 

Welchen Tipp hast Du an Eltern, die sich mit dem Gedanken tragen ebenfalls dieses Modell zu wählen? 
Ich glaube, die größte Hürde ist, dass sehr viel zusammenkommen muss, damit es wirklich passt. Bei uns prallte eine extrem laute, wilde, emotionale Familie auf ein schüchternes Mädchen, das anscheinend Gefühle zu unterdrücken gelernt hatte. Dazu kommen kulturelle Unterschiede, die zu Missverständnissen führen können, unterschiedliche Vorstellungen etc. Ich denke, es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen, sich einander anzunähern und zusammenzuwachsen (hat bei uns wie gesagt sechs Monate gedauert). Ein AuPair ist natürlich keine Putzfrau und auch keine 24/7 Kinderbetreuung.

 

Vielen lieben Dank, Halima. 

 

Ihr habt auch eine Geschichte, die Ihr gerne in den Familienrollen erzählen wollt? Dann meldet Euch doch unter fruehesvogerl@gmail.com bei mir.