Für einen Tag sollte “Embrace” im Kino laufen: Das war der 11. Mai. Am 16. Mai läuft er nun noch mal. Falls Ihr das nicht schafft, gibt es am 18. Mai die DVD: Anschauen solltet Ihr ihn aber auf jeden Fall.

 

Nora Tschirner hab ich kürzlich in einem Kindercafé gesehen: Ich gestehe weder ich, noch meine Freundinnen, konnten wirklich damit umgehen, dass da in Mitten von uns eine Schauspielerin spielte.

 

Nora Tschirner also. Irgendwie mag ich sie. Als durch Facebook waberte, dass sie einen Dokumentarfilm mitproduziert hatte, wollte ich ihn sehen. “Embrace” – das Projekt hat mich sehr angesprochen: So sehr, dass ich ein dreiviertel Jahr nach der Geburt meines Mädchens erstmalig alleine ins Kino gehen wollte. Ok, na gut mit einer Freundin und jede Menge Essen.

 

In “Embrace” erzählt eine australische Fotografin von der Welle, die sie losgetreten hat, als sie ein Foto in die sozialen Medien stellte. Ein Foto, dass sie vollschlank und glücklich zeigte, gegenüber von dünn und unglücklich. Taryn Brumfitt, so ihr Name, hat drei Kinder geboren, fühlte sich unwohl in ihrem Körpter und hat mit Hilfe einer Trainerin schließlich einen Bodybuilding-Wettbewerb gewonnen: und die Erkenntnis, dass Idealmaße auch nicht alles sind. Die große Glückseeligkeit stellte sich nämlich dadurch nicht ein, sondern eher durch Akzeptanz und die Erkenntnis, der Körper ist ein Instrument, mit dem man tolle Dinge tun kann. Kurz darauf macht sie sich auf, um auf der ganzen Welt Frauen zu besuchen, die darüber nachdenken sollten, wie ihr Leben wäre, wenn sie sich nie über ihr Gewicht und ihre Optik Sorgen machen würden. Kaum vorstellbar.

 

Klingt banal?

Ist es vielleicht auch ein bisschen. Vor allem aber ist es sehr, sehr bewegend. Sie trifft eine Frau, die aus ihrer Magersuchtsspirale nicht mehr rauskommt. Jemanden, der am ganzen Körper Verbrennungen hat, und nicht mit dem Leben hadert. Ein ehemaliges Model, dem die Gesichtszüge auf einer Seite entglitten sind und jede Menge toller Frauen: Frauen, die keine Modelfiguren haben, manche mit sehr viel Selbstbewusstsein, manche mit viel Zweifel.

 

Neunzig Minuten lang ist man gerührt, fühlt mit den Frauen, ist beeindruckt von den Starken, schockiert von den Schicksalen und gerührt: eigentlich ununterbrochen. Was wahrscheinlich vor allem auch damit zusammenhängt, dass jeder eine Biografie dazu hat. Jeder muss sich mit seinem Körper auseinandersetzen. Schade an dem Film finde ich lediglich, dass in dem Film, der ja ausschließlich von Frauen handelt, fast ausschließlich Frauen vorkommen. Das fand ich echt schade, denn schließlich tragen ja Männer auch einen nicht unwesentlichen Teil dazu bei, wie wohl sich Frauen in ihren Körpern fühlen.

 

Nora Tschirner finde ich anfangs etwas in den Film “hineingephotoshopt”, bis sie etwas Kluges sagt: Den Kampf um die Schönheit kann jeder nur ein paar Jahre gewinnen. Dann kommt was anderes dazwischen: das Alter.

 

Und so verlasse ich nach 90 Minuten das Kino: Berührt und bewegt und ein bisschen in Eile, weil man ja nie weiß, wie der erste Abend so läuft, ohne einen selbst.

 

Habt Ihr “Embrace” schon gesehen: Wie fandet Ihr ihn?

 

Hier geht es zu einem Beitrag, der zeigt wie über 20 Frauen ihren Mutterkörper empfinden.