Anzeige. Kürzlich unterhielt ich mich mit einer Freundin. Anlass war eine Bekannte, die herbe enttäuscht wurde, weil ihre große Liebe einiges vorenthielt. Als sie dahinter kam, war nichts mehr, wie es war. Wir hatten Mitgefühl und fanden das tragisch. Natürlich waren wir kurz davor zu sagen: Hätte man nicht an einer Stelle schon etwas erahnen können und kann man manche Dinge wirklich so lange verschweigen und warum hatte unsere Bekannte nicht früher mal nachgefragt?

 

Lesezeit im Kaffeehaus.

Schnell bremsten wir uns, denn wir merkten: Erstens ist man beim Leben anderer oft schlauer. Zweitens: Was wissen wir wirklich von den Menschen, die uns lieb sind? Natürlich der gute Freund hat studiert, aber haben wir uns je sein Zeugnis zeigen lassen? Die Nachbarin war zum Schüleraustausch in Kalifornien: Haben wir Bilder gesehen? Die Kollegin spricht sieben Sprachen, aber haben wir mal versucht mit ihr auf Portugiesisch zu fluchen?

 

In Partnerschaften neigen manche dazu, dann doch mal ein wenig mehr zu fragen: So auch der Protagonist Raphaël in Guillaume Mussos neuem Roman “Das Mädchen aus Brooklyn”. Raphaël, erfolgreicher Thriller-Autor, ist schwer verliebt in die Ärztin Anna von der aber leider sehr wenig weiß. Kurz vor der Hochzeit will er es noch einmal wissen: Was verbirgt sie und wie kann er es die Details erfahren? Eines Nachts lässt er nicht locker und statt der erhofften Beschwichtigungen ist er plötzlich mit einem Foto von drei verkohlten Leichen und einem vagen Schuldgeständnis konfrontiert.

 

Auch nach dem Frühstück schnell ein paar Seiten lesen.

Als er sich nach kurzem Abwenden dazu entscheidet, dass die Liebe überwiegt und er mehr erfahren will, ist Anna über alle Berge. Zurück in Paris bleibt Anna verschwunden. In ihrer Wohnung findet Raphaël nur rätselhafte Fotos, einen Haufen Geld und ein paar Zeichen, die auf eine überstürztes Weggehen zeigen. Gemeinsam mit seinem Nachbarn, einem Ex-Ermittler, macht er sich auf die Suche nach Anna und ihrer Vergangenheit.

 

Stück für Stück tragen die beiden Informationen zusammen und als Leser weiß man immer ein kleines bisschen weniger als das Ermittlerteam: Fast mühelos scheint es Musso zu gelingen den Leser nahezu 500 Seiten mit psychologischer Spannung bei Laune zu halten. Besonders gut gelungen fand ich die Liebe zum Detail und die Verschlungenheit der einzelnen Erzählstränge, und dass sich nahezu bis zur letzten Seite immer wieder Dinge entdecken lassen.

 

Dieses Buch, das vor allem auch immer wieder die Frage nach dem Offenbaren aufwirft, darf ich nun einmal an Euch verlosen. Dazu müsst Ihr – direkt auf dem Blog – folgende Frage beantworten: Wie wichtig findet Ihr Geheimnisse? Bis zum 30. Juni um 18 Uhr habt Ihr Zeit diese Frage zu beantworten, dann endet das Gewinnspiel.