Kürzlich waren wir auf einem kleinen Rummel. Jede Menge Menschen waren da. Kleine Kinder, die juchzend das erste Mal mit einem Ringelspiel fuhren, Süßigkeiten aßen und mit Werbeluftballons versorgt wurden.

Ein kleiner Junge, vielleicht eineinhalb, fuhr zum ersten Mal in einem kleinen Auto und drehte sich mit. Er hat mit dem Kopf gewackelt und gelacht. Er hatte Spaß, könnte man meinen. Spontan dachte ich aber eher: Er hat echt irre Verwandte. Vier (!!!) Leute hielten dem Knaben ihr Handy ins Gesicht, um den besonderen Moment abzulichten, den der Junge da – nun eigentlich ganz alleine – verlebte.

Nun mag es natürlich sein, dass die Eltern und Großeltern eigentlich ganz normal sind, sie nur unbedingt dieses Bild haben wollen und eigentlich ganz anders sind: Vielleicht. Wollen wir es ihm wünschen.

Als wir neulich im Technikmuseum waren, war es allerdings ähnlich: Teenies stürmten von Gerät zu Gerät und machten immer fleißig Bilder. Ununterbrochen. Das fand ich zumindest befremdlich. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand diese Fülle an Bildern tatsächlich sehen will. Ich würde sie nicht sehen wollen.

Ich kann mich noch an Momente erinnern, ohne sie festgehalten zu haben: Und das möchte ich mir bewahren.

Wenn mein Kind lacht, möchte ich in erster Linie das Lachen in dem Augenblick sehen und nicht die Serie, die sich am Abend beim Durchscrollen entfaltet.

 

Jetzt kann man natürlich sagen: Ist doch egal, wie andere das handhaben. Ist es mir ja auch meistens. Stimmt, ja, eigentlich.

 

Da gibt es noch einen Punkt: Ob beim Parkfest oder am Wasserspielplatz – meist mache ich dort keine Bilder, weil ich es irgendwie nicht so fein finde, wenn fremde, nackte Kinder in mein Bild laufen. Und dass ja umgekehrt auch nicht so cool fände, wenn mein Kind da auf irgendwelchen Bildern ist. In einer Babygruppe hat kürzlich jemand meine Tochter fotografiert: Dass dann aber auf die Bitte hin, auch unterlassen.

 

Eine Menge an Bildern gibt es bei uns natürlich trotzdem. Es gibt so viele Momente, die Raum bieten  für ein Bild oder mehrere.

 

Mehr als die Nachbildung, finde ich, zählt doch immer noch der Moment und ein bisschen auch die Privatsphäre. Wenn die Familie vom Ringelspiel-Knaben vielleicht nur drei Fotografen gehabt hätte, dann hätte ihm auch jemand die Hand reichen können. Anfassen ist nicht zu unterschätzen.

Wie seht Ihr das: Schaut ihr noch oder fotografiert ihr schon??

Gelernt habe ich das übrigens bei unserem Welt-Urlaub in Schweden: Plötzlich tauchten drei Rentiere auf, und wir hatten die Möglichkeit Kamera zu holen oder eben hinschauen.