Weit entfernt von einer Frauenzeitschrifts-Bikini-Figur postet sie Sport-Selfies, holt sich während einer Krankheit Trost bei Twitter und lässt sich auch von Hatern nicht unterkriegen: Ich gestehe, dass ich ein Fan bin von der Twitter-Froschdomse. In den Familienrollen hat mir die Frau dahinter, Nicole, ein paar Antworten gegeben. 

 

Du postest Selfies von Dir beim Sport und bekommst auch hier viel Zuspruch für Deinen Umgang mit Deinem Körpergefühl: Was würdest Du jemanden mit auf den Weg geben, der – aus welchen Gründen auch immer – Schwierigkeiten mit seinem Körper hat?

Liebt euch!

Ja, das ist kurz und einfach. Aber genau das ist der Schlüssel. Sich selbst zu lieben.

ICH muss mich schön finden. ICH muss in diesem Körper leben. ICH muss mir auch bewusst sein, was ich meinem Körper antue. Niemand sollte sich das dick sein schön reden, denn es ist ein hohes gesundheitliches Risiko.

 

Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass es wichtig ist sich selbst anzunehmen. Egal wie groß, klein, dünn oder dick der Körper ist!

Ich weiß nicht genau wann das bei mir begonnen hat. Vielleicht als meine Kinder dem Spott von anderen Kindern ausgesetzt wurden, weil über mich gelästert wurde und ich meinen Kindern zeigte, dass sie sich niemals für irgendetwas schämen müssen. Schon gar nicht für ihre Mutter.

Ich glaube ein Schlüsselerlebnis war Folgendes:

Ein kleiner Junge kam im Kindergarten zu meiner 5jährigen.

„Meine Mama hat gesagt dass deine Mama viel zu dick und hässlich ist!“

und meine Tochter antwortete:

„Dafür habe ich viel mehr Mama zum liebhaben als du!“

Der Junge lief zu seiner Mutter und heulte: „Ich will auch so viel Mama zum liebhaben!“

Es ist alles eine Frage der Perspektive. Es ist alles eine Frage der Einstellung.

Und genau das ist auch der Schlüssel für uns selbst!

Viele Menschen setzen sich für andere ein. Inklusion ist der Schlüssel. Egal auf welchem Gebiet.

Und wenn wir uns für andere einsetzen, dann eben auch für uns selbst! Und bitte bringt das euren Kindern bei! Nichts ist schlimmer als eine Mutter oder ein Vater, die ihrem Kind erzählen es sei nicht hübsch/schlank/klug genug! Hier legt ihr den Grundstein für ein gutes Selbstbewusstsein!

Liebt euch!

„Ich bin 43, Mutter von 3 erwachsenen Kindern (2 Mädchen und ein Junge) und in 2. Ehe verheiratet. Ein mehr als Vollzeitjob fordert mich sehr und bei mein Hobby Häkeln kann ich mich immer sehr gut entspannen. Nachdem nun alle Kinder aus dem Haus sind ist nun die Zeit gekommen mich eine Zeit lang nur um mich und meine Gesundheit zu kümmern. Sport entdecke ich gerade erst wieder neu für mich und der innere Schweinehund bellt doch sehr laut…“

 

Vor Kurzem warst Du krank und hast darüber geschrieben, in wie weit hat Dir der Austausch geholfen und wie geht es Dir heute?

Meine Krankheit auf Twitter zu thematisieren half mir in den schwersten Stunden nicht zu verzweifeln. Dann, wenn man meint, die Welt bräche über einem zusammen. Wenn die Angst so groß war. So viele Gespräche habe ich geführt. Mit Betroffenen, mit Angehörigen mit ähnlichen Krankheiten und sie haben mir Kraft gegeben. Sehr viel Kraft und ich danke allen dafür!

Am 27.8. habe ich die nächste Kontrolluntersuchung und die Nervosität begleitet mich. Sie wird mich immer begleiten. Bleibt einfach nur die Hoffnung, dass nichts im Kopf gefunden wird!

 

Du twitterst als Froschdomse: Du schreibst über dein Körpergefühl, das Dick sein, über Deinen Sport und auch vor Kurzem über Deine Krankheit: Viele geben Dir Zuspruch, aber Du hast auch immer wieder Hater, die andere in die Flucht schlagen würden. Was bedeutet der Online-Austausch für Dich?

Ich twittere als Froschdomse über mein Leben und meine Erfahrungen. Nichts im Speziellen und nicht über ein bestimmtes Thema. Alles das was mir so durch den Kopf geht. Meinen Account hatte ich 2010 angelegt, aber damals hat mich Twitter nicht erreicht.

Erst 2014 habe ich dann angefangen zu twittern und habe mit diesem großen Zuspruch niemals gerechnet.

Twitter bedeutet für mich den Kopf frei zu bekommen. In den letzten Jahren ist in meinem Leben sehr viel passiert und Twitter war immer eine Art Ventil. Einfach die Gedanken aus dem Kopf bekommen. Sich frei schreiben.

Hater… ja, die gibt es und meistens kann ich darüber hinweggehen. Manchmal jedoch auch nicht. Das kommt immer ganz auf meine Grundstimmung an. Letztendlich bin ich aber der Meinung, dass diese Leute nicht wirklich beurteilen können, wer ich bin und was ich warum schreibe. Dann kann ich es wegwischen und fertig.

Was mich immer wieder verletzt, sind solche Twitterer, die meinen offentlich schlecht über mich schreiben zu können und keinerlei Background haben. Die irgendeinen Kram erzählen, den sie sich aus den Tweets zurechtlegen und keinerlei Grundlage hat. Statt nachzufragen wird verurteilt. Aber damit muss man eben leben und auf Durchzug schalten.

Schöne und wichtige Momente passieren jeden Tag im Austausch mit anderen Menschen.

Besonders schöne Erinnerungen habe ich an unsere kleinen Veranstaltungen. Ob „Froschgrillen“ mit ganz ganz vielen Twitterern feiernd in unserem Garten, oder die „Froschdinner“ in kleiner Runde.

Was ich an Twitter extrem schätze, ist dass immer jemand da ist. Ich habe viele wirklich tiefgehende Freundschaften auf Twitter geschlossen. Menschen auf die ich mich jederzeit verlassen kann und die mit mir durchs Feuer gehen. (Was sie auch schon getan haben!). Das ist einfach toll!

 

Du bist Mutter erwachsener Kinder: Viele Deiner Follower haben noch kleinere Kinder, was gibst Du denen mit auf den Weg?

Oh je… wenn es ein Geheimrezept gäbe, dann könnte ich damit viel Geld verdienen! Doch das gibt es nicht. Für mich war und ist es das Wichtigste, dass meine Kinder wissen, dass ich sie liebe und immer für sie da sein werde.

Wir sind ja eine Patchworkfamilie und es gab Zeiten, zu denen wir fast wahnsinnig geworden sind. Drei fast gleichaltrige Kinder gleichzeitig in der Pubertät und dann auch noch zusammengewürfelt. Es war die Hölle! Aber auch das ging vorbei!

Da muss ich sagen, hat mich Twitter echt entspannt. Auch wenn mir das von einigen vorgeworfen wurde, dass ich über meine Kinder schrieb. Übrigens wussten die Kids es!

Mir war es wichtig, dass wir beide die Eltern dieser Kinder waren. Von Anfang an. Dass mein Mann und ich bei allen Kindern die gleiche Rechte und Pflichten wahrgenommen haben. Ein „Stief“ gab es bei uns nicht. Wir sind eine Familie.

Gerade in der Pubertät gab es oft große Probleme, und es flogen auch mal die Fetzen, aber in der Zeit danach wurde immer darüber in Ruhe gesprochen und eine Versöhnung war immer wichtig. Ich habe sicher viele Fehler gemacht. Gerade in der Trennungs- und Scheidungszeit, weil man da eben sehr mit sich selbst und allem drumherum beschäftigt ist, kommen die Kinder da leider manchmal zu kurz. Zu einer Zeit, in der sie uns am allermeisten brauchen. Das habe ich im Nachhinein für mich gelernt und auch mit meinen erwachsenen Kindern besprochen. Und wenn meine Kinder mir heute sagen, dass sie glücklich sind und mich lieben, dann kann ich gar nicht sooooo schlimm gewesen sein! 😉

Was wünscht Du Dir vom Leben?

Was wünsche ich mir vom Leben?

Dass es noch lange dauert und ich mit meiner Familie und Freunden glückliche Stunden erleben werde.

Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Nicole. 

Ihr habt auch eine Geschichte zu erzählen über die Ihr in den Familienrollen mal reden wollt? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.