Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Sportliche Fahrradfahrer unterwegs / Produkttest von WeeRide

Alle Babyfreunde sind schon seit Monaten mit dem Fahrrad unterwegs. Meist vorne angeschnallt wirken sie allesamt ganz zufrieden.

Bis wir unter die Radfahrer gegangen sind, hat es etwas gedauert. Vor Kurzem war es soweit. Wir durften von WeeRide den Kindersitz testen. Natürlich eher eine Aktion für Björn, den Vater des frühen Vogerls, der ja selbst gerne Downhill fährt und seinen Sohn an das Radfahren heranfahren will.

Hier sein Eindruck:

Der Anbau war leicht, da die Teile schon grob vormontiert waren. Ich habe ja doch ein paar Fahrräder zum Testen, und wirklich gut hat der Sitz an meinem Oldschool-Mountainbike gepasst, da dort die Federgabel nicht ganz so hoch ist. Ich habe es mal an einem Downhill-Boliden (schweres Gefährt) versucht, jedoch stört da die Doppelbrückengabel. Aber wer hat diese Probleme schon?

An meinem grünen Rad passt der Sitz, grade auch mit dem kurzen Oberrohr sitzen wir gut zusammen auf dem Rad.

Nun gibt es ja viele Kindersitze. Die Auswahl fiel uns dann doch ganz leicht. Denn mein Favorit war von Anfang ein Konzept, so aufgebaut wie der Sitz von WeeRide, bei dem das zusätzliche Gewicht von Kind und Sitz zentral sitzt. Ich habe mich schnell daran gewöhnt und so konnten wir schnell „sportlich“ unterwegs sein. Grad Mountain Bikes haben oft gute Bremsen, eine Federgabel und sind leicht. Einen Hecksitz kann man bei den meisten kompakten oder vollgefederten MTB’s nicht anbauen. Kam also für uns von Anfang an nicht in Frage.

Der WeeRide Sitz wird am Steuerrohr und an der Sattelstütze befestigt,  somit passt er so gut wie an alle Räder, selbst an Carbon-Rahmen.

Einziges Problem: der Sitz ist nur bis 15 kg zugelassen, im nächsten Jahr müssen wir uns nach einem anderen Sitz umsehen oder das Vogerl bekommt nur noch Hirsekringel zu essen. (Einspruch. ;))Vermutlich wird er auch zu groß werden.

Die Handhabe ist ziemlich einfach. Wenn die Verbindungsstange einmal montiert ist, kann man mit einer Schraube die Sitzschale demontieren, die Stange kann am Rad bleiben. Wenn man die Stange an ein anderes Rad montieren möchte, braucht man zehn Minuten.

Geeignet ist der Sitz ganz klar für sportliche Fahrradfahrer, die ihr Kind mitnehmen möchten. Und für Fahrräder mit eher unüblichen Rahmen. Und, das war auch mir wichtig: Leute, die ihrem Kind was zeigen möchten. Der Copilot schaut in die gleiche Richtung und es ist auch kein störender Rücken oder gar Po dazwischen.

Es geht auf bei uns! Wir haben Fahrspaß, das Vogerl quiekt vor Freude, wenn wir uns in Kurven legen, die Federgabel schluckt ruppige Pisten weg und ich kann auch mal richtig bremsen wenn es nötig ist.

Demnächst steht die erste Radtour für Mutter und Kind an.

Der Fahrradsitz wurde uns freundlicherweise von WeeRide zur Verfügung gestellt, unsere Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Und womit radelt Ihr so durch den Spätsommer?

Kultur mit Kind, Nachgefragt

„Wir waren im Februar mit den Kindern auf der Anti-Dügida Demonstration.“ / Sonja Mama notes über Kultur mit Kind in Düsseldorf

Im Kultur mit Kind – Interview dreht sich aktuell alles um die Vermittlung von Toleranz bei Kindern. Der Text „Was werden wir wohl unseren Kindern erzählen, wenn sie uns später fragen, was wir im Sommer 2015 getan haben, als alles anfing?“ von Sonja hat mich sehr bewegt, deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dass sie sich zu einem Interview bereit erklärt hat.

Stell Dich doch bitte kurz vor.

Hallo, ich bin Sonja, blogge als Mama notes, arbeite als Texterin/PR-Tante/Social Media-Dings und habe zwei Kinder und einen Mann. Wir leben in Düsseldorf.

Du hast einen wunderbaren Text darüber geschrieben, dass Dich Deine Kinder später fragen werden, was Du im Sommer 2015 getan hast, als die Fremdenfeindlichkeit um sich griff. Was tust Du?

Wir haben Kleidung gespendet und ich werde als Ehrenamtliche den Deutschunterricht unterstützen. Momentan sieht es so aus, als ob ich nicht selbst unterrichten werde, da ich keine Lehrerin bin. Vielleicht traue ich mir später noch zu, Flüchtlinge als „Patin“ zu unterstützen und ihr Asylverfahren formell und mit Begleitung auf den Behördengängen zu unterstützen. In der Aufgabe liegt aber so viel Verantwortung und ich weiß mit Job, Kindern und Mann ständig unterwegs nicht, ob ich das wuppen kann. Aber regelmäßig die Woche zum Beispiel Deutschunterricht / Nachhilfe / oder auch einfache Behördenbegleitung machen, das kann ich durchaus.

Wie empfindest Du die Situation von Flüchtlingen in Deiner Stadt Düsseldorf?

Die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch macht durchaus einen guten Job, soweit ich das aus der Presse heraus beurteilen kann. Sie sagt selbst, dass in den letzten Jahren viel versäumt wurde, denn ein Flüchtlingszustrom wie jetzt war erwartbar. Vergeigt hat das die Vorgängerregierung seit Jahrzehnten, insofern ist es leicht für sie, ehrlich zu sein.

Es gibt verteilte Flüchtlingsheime und Zeltstädte in Düsseldorf. Die Spendenannahmestellen platzen aus allen Nähten und es wird nichts mehr angenommen. Mich irritieren allerdings Meldungen der letzten Tage, dass Flüchtlinge vermehrt mitten in der Nacht mit dem Zug am Düsseldorfer Flughafen ankommen und nicht mehr am Hauptbahnhof. Dort haben viele Angst, weil sie befürchten sofort wieder abgeschoben zu werden. Außerdem vernahm ich, dass das DRK die Kleiderspenden an die Flüchtlinge verkaufe. Letzteres finde ich gelinde gesagt einen Skandal.

Wie begegnet Dein Umfeld Deinem Engagement? 

Mein Umfeld begegnet mir sehr offen und alle stehen wir auf einer Seite. Ich habe zum Glück noch nichts Gegenteiliges gehört. Bei meinen Freunden war das eh klar, aber auch nicht beim Einkaufen oder in der Kita.

Was bekommen Deine Kinder durch Dein Engagement mit, und wie versuchst Du Ihnen Dinge nahezubringen?

Wir besprechen das Thema immer wieder mal. Es ist ja auch sehr komplex. Aber dass ich auf dem Basisseminar für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit war und mich für Flüchtlinge engagiere, muß die Große durch Gespräche zwischen dem Mann und mir mitbekommen haben. Vor zwei Tagen fragte sie mich ganz unvermittelt: „Was machen wir jetzt mit den Flüchtlingen?“ Ich sagte ihr, dass viele Menschen in unser Land kommen, die Hilfe brauchen. Und dass wir den Menschen helfen wollen, mit unserer alten Kleidung, bei der Wohnungssuche und mit Deutschunterricht. „Ist da Krieg, wo die herkommen?“ fragte sie weiter. „Ja“. Dann nickte sie nur und das Thema war für sie somit klar: Von Krieg muß man weg, natürlich helfen wir denen. In der ersten Euphorie wollte sie sogar ihre Clownpuppe abgeben, aber einen Tag später wollte sie sie doch lieber behalten. 🙂

Der Regenbogenfisch auf der NoDügida-Demo.

Was möchtest Du Deinen Kindern vermitteln?

Ich möchte vermitteln, dass man persönlich gefragt ist, wenn diese Dinge passieren. Dass man sich einbringen muss, seine Meinung sagen soll, auch wenn es Gegenstimmen gibt. Wir waren im Februar mit den Kindern auf der Anti-Dügida Demonstration. Nur auf einer weil da der Mann dabei sein konnte. Alleine mit den Kinder dorthin gehen ging nicht, weil die Polizei dort sehr – ähm – undifferenziert handelte. Die Kinder können seitdem „Nazis raus“ rufen und wissen – zumindest die Große, dass wir auf der Demo waren, weil wir teilen wollen und es nicht akzeptieren, dass es Menschen gibt, die das Teilen verhindern wollen. Das haben die Kinder ziemlich schnell verstanden. Ähnlich ist die Erklärung auch zum Thema Flüchtlinge jetzt. Mama und Papa wollen teilen, darum geben wir Kleidung, Geld, Zeit. Eigentlich verstehen alle Kinder sowas intuitiv, da muß man nicht viel erklären.

Gibt es noch etwas, dass Du unbedingt beantworten möchtest, aber in dem Zusammenhang nicht gefragt wurdest?
Ja. durchaus. Ich bin nicht diejenige, die unfassbar viel getan hat und deshalb interviewt werden sollte. Da gibt es andere, wie Lucie Marshall, Mareice von Kaiserinnenreich oder Petra von allerlei-themen.de, um in der Blogger-Filterbubble zu bleiben, die deutlich mehr für Flüchtlingsprojekte arbeiten als ich. Das zum einen. (Anmerkung: Petra hat mir bereits ein Interview gegeben, an Mareice habe ich mehrmals gedacht, bin mir aber sicher, dass sie grad sehr eingespannt ist. Und ich finde sehr wohl, dass Sonja gefragt werden sollte. Denn hier geht es vor allem auch die Vermittlung an Kinder.)

Zum anderen gibt so komische Gegenstimmen: Blogger für Flüchtlinge würden nur reden und wenig tun, Blogtexte schreiben sei kaum etwas wert, Flüchtlinge am Bahnhof „Willkommen heißen“ sei Selbstdarstellung, habe Event-Charakter wie Public Viewing und auch Helfen im Flüchtlingsheim ist auch aus irgendwelchen Gründen eigentlich im Kern böse. Blablabla.

Diese pauschalen Nörgler können demotivieren, das stört mich so daran. Dabei brauchen wir dringend einen breit geführten gesellschaftlichen Diskurs zu dem Themenkomplex Asylpolitik, Migration und die deutsche Verantwortung in Bezug auf Waffenhandel etc. Erst wenn es eine bürgerliche, mainstreamige Bewegung gibt, ändert sich etwas in der Politik. Darum ist jede Aktion, jedes Helfen auch politisch wichtig, finde ich.

Ja, ich kann mir vorstellen, dass einige Helfer*innen nicht komplett uneigennützig helfen und auch eine gewisse Neugierde haben, wie das so ist. Aber das ist schnurzepiepenegal. Mir ist es wurscht, die Flüchtlingen interessiert es sicherlich auch nicht, solange sie würdig, freundlich und empathisch behandelt werden. Helfen hilft. Punkt.

Vielen lieben Dank für das Interview, Sonja.

Die Bilder wurden freundlicherweise von Sonja zur Verfügung gestellt.

Ihr habt auch ein Kind, dem ihr Toleranz beibringt und wollt darüber reden? Schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com. 

Eine Übersicht über einen Großteil der bisher geführten Interviews zum Thema „Kultur mit Kind“ findet Ihr hier.

Kultur mit Kind, Schöne Dinge

Lesen in einem Rutsch

Die letzten beiden Wochen habe ich einen Lesemarathon hingelegt. Acht Bücher sind es geworden. Es waren aber auch tolle darunter. Wie zum Beispiel das von Charlotte Link.

Ich liebe ihre Bücher. Mittlerweile habe ich fast alles von ihr gelesen, und das immer in einem Rutsch. Für lettra durfte ich vor ein paar Jahren sogar ein Videointerview mit ihr machen.

In „Die Betrogene“ erzählt sie von Kate, die bei Scottland Yard arbeitet, und eigentlich in ihrem ganzen Leben niemanden hat, außer ihrem Vater. Dann wird der plötzlich ermordet. Und Kate mischt sich in die Ermittlungen ein. Mehr als einmal passiert es, dass die Person, die sie treffen wollte, kurz vorm Zusammentreffen schon nicht mehr lebt.

Parallel dazu wird die Geschichte einer jungen Familie erzählt, die eigentlich nur Urlaub machen wollte. Sie haben ein Kind adoptiert. Und die leibliche Mutter sucht immer mehr die Nähe zur Familie. Die Bedenken der Adoptiveltern sollten sich als richtig erweisen.

Wie immer bei Link verdichtet sich das ziemlich stark. Und wie immer hat mich das Ende überrascht. Wenig überraschend, war die Zeit, die ich dafür brauchte.

Ein Abend an dem ich ein bisschen später ins Bett ging, und eine Autofahrt lang. Lohnt sich.

Was habt Ihr zuletzt in einem Rutsch gelesen?

Alltag, Kultur mit Kind

Gartenparty im Spätsommer / Unser Wochenende in Bildern vom 12.-13.September 2015

Wir hatten eine Gartenparty geplant. Der Älteste von uns hatte Geburtstag. Am Freitag sieht das Wetter plötzlich nach November aus. Glücklicherweise zeigt sich am Samstag noch mal der Spätsommer von seiner schönsten Seite (die Vorbereitungen der Party gibt es beim #12von12 zu sehen). 
Unser Kuchenbuffet. Und außerdem der einzige Ort, wo die Luftschlangen tatsächlich liegen bleiben. 
Der Schurkenbeardie freut sich über Mädchenbesuch. 
Wieder mal ein Fleischfoto, und das obwohl ich seit 22 Jahren keines mehr esse. 
Kind auf Hüpfberg. Das Ding kommt übrigens vor allem bei den Erwachsenen gut an. Auf Facebook wurden schon erste Pärchenfotos gesichtet. 
Quatschgeschenke gibt es auch. Einer will damit die Tür öffnen, aber doch nur fast. 
Das frühe Vogerl mag meine Freundin sehr. Von jedem Treffen gibt es Fotos. Hier nicht zu sehen: Die lächelnden Gesichter der Beteiligten. 
Sonntagmorgen beginnt mit dem neuen Ikea-Spielzeug. 
Und ein Kopfüber-Bild von einem Geschenk vom Vortag gibt es auch. 
Resteessen kann so gut sein. 
Hat sich auch schon rumgesprochen. 
Mittags verschicke ich Interviewfragen für ein neues #familienrollen  – Interview. 
Der Rest im Haus schläft. 
Zu Kaffee und Kuchen gibt es auch ein bisschen Obst. 
Und wir trinken etwas, das viel besser schmeckt, als es aussieht. 
Angeblich ist das Schnatterinchen, oder doch Frau Elster? So richtig erkennen würde ich nur Pitti. 
Am Nachmittag haben wir fast alles abgebaut. 

Und wie steht Ihr so zu Hüpfburgen? Ich konnte sie ja nicht ausprobieren, wie beim Schaukeln wird mir dabei immer schlecht und das schon seit Jahren. 
Mehr Wochenenden in Bildern gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen
Alltag, Kultur mit Kind

Partyvorbereitungen in 12 Bildern

Immer am 12 gibt es 12 Bilder. Heute dreht sich fast alles um die Vorbereitung unserer Gartenparty. 
Morgens wird zum letzten Mal dieses Jahr geerntet. 
Die Deko ist noch im Haus. 
Auch kleine Söckchen treten nicht immer zu zweit auf. 
Wir holen Brot. Viel Brot. 
Ich muss sechs Luftballons aufblasen. Bei meiner Panik nicht leicht. 
Der erste platzt sogleich. 
Kinder-Animations-Programm-Tester 1 und 2. 
Mittlerweile sind alle Luftballons Geschichte. 
Gott sei Dank gibt es noch andere bunte Dinge. 
Die ersten Kuchen stehen auf dem Tisch. 
Und ich – und der Wind – verteilen Luftschlangen. 

Ach ja, ein schnelles Mittagessen gab es auch. 

Mehr #12von12 Bildern gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen.

Bilder von der Party, die jetzt gleich beginnt, gibt es morgen beim Wochenende in Bildern.

Habt es fein. 

Familienrollen, Kultur mit Kind

„Leider hatte mein Partner Angst vor Körperlichkeit während der Schwangerschaft.“ / Alleinerziehend, Therapie und drei Kinder: Madlen in den Familienrollen

In den #familienrollen erzählt die alleinerziehende Madlen, wer ihr bei der Bewältigung ihrer Tagesaufgaben zur Seite steht, welche schlimmen Erfahrungen sie in der Schwangerschaft machen musste und was ihr hilft, ihren #mutterkoerper mehr zu akzeptieren. 

Du bist Mutter dreier Kinder nach Deinem zweiten Kind ging es Dir so schlecht, dass Du in eine psychiatrische Klinik musstest. Was ist dort passiert und was hat Dir letztlich geholfen? 

Vor meinem ersten Kind hat mein Frauenarzt gemeint, es sieht schlecht aus mit eigenen Kindern. Regelblutungen hatte ich sehr sehr unregelmäßig und von meinem ersten Kind habe ich erfahren, da war ich schon in der 13ten Woche!

Übelkeit oder Ähnliches kenne und kannte ich gar nicht. Während der ersten Schwangerschaft bin ich mit meinem Partner in eine Wohnung gezogen, die Niederlassung unserer Firma in Erfurt wurde aufgelöst und ich habe mich nach Halle versetzen lassen, meine Heimatstadt.

Wir haben uns auf das Kind sehr gefreut, die Geburt war aber nicht so schön. Ich hatte einen Blasensprung und der Muttermund wollte sich nicht öffnen, Kaiserschnitt. Leider hatte mein Partner Angst vor Körperlichkeit während der Schwangerschaft. Nachdem unsere Tochter trocken und sauber war, haben wir es auf ein zweites Kind angelegt und da wusste ich es sofort, als es geklappt hat. Dadurch hatte ich sozusagen eine längere Schwangerschaft als bei Nummer 1 und somit auch wenig Sex. Mein Partner wollte nicht und ich habe es so hingenommen

Insgeheim spürte ich wohl schon die Probleme zwischen uns, aber durch die Gelbsucht von Nummer 2 und unserem schwierigen Start zu viert, habe ich es verdrängt und die Probleme sind mir über den Kopf gewachsen. Ich konnte mich nicht mehr freuen, konnte jedoch auch nicht mehr weinen.

Als ich dann durch Zufall und mein ungutes Gefühl herausfand, dass mein Partner sich anderweitig orientierte, brach ich bei meiner Hebamme zusammen. Sie ermutigte mich dazu, in unsere psychiatrische Klinik zu gehen, die auch auf postnatale Depressionen spezialisiert waren. Auch wenn ich mich arg schämte und es mich unheimliche Überwindung gekostet hat, diesen Schritt zu gehen, war es eine super Entscheidung! Ich war raus aus meinem Umfeld, hatte den Kleinen mit dabei, wurde umsorgt.

Meine Tochter war in dieser Zeit bei meinen Eltern. Und ich hatte Abstand, mir wurde mein Krankheitsbild erklärt, mein Tag wurde strukturiert, ich lernte, Hilfe anzunehmen. Seit dem nehme ich auch ein Antidepressiva und habe erfahren, dass meine Urgroßmutter sich unter Depressionen umgebracht hat (leider ist es ja noch immer ein Tabuthema)

Als Du zum dritten Kind schwanger wurdest, ist Dir ein Albtraum passiert.

Nach drei Wochen klinischen Aufenthalts wurde ich entlassen, hatte eine Therapeutin, die mich weiter betreut. Wir haben als Paar eine Therapie angefangen, um noch eine Chance als Familie zu haben.

Da ist es dann passiert, dass ich trotz Verhütung ein drittes Mal schwanger wurde. Ein Schock. Mein Partner wollte den Abbruch, ich war zur Beratung und hatte den Schein in der Hand, konnte es aber nicht.

Meine Mama hat mit mir geweint, als ich es ihr erzählt habe. Auch so gab es im Umfeld eher viele negative Kommentare. Der Büroleiter meinte zu mir, dass nur Assis mehr als ein Kind bekommen!

Mein Partner qualifizierte sich in seiner Firma weiter, wobei ich ihn immer ermutigte. Er ging in Schichten arbeiten und zu Lehrgängen, es war anstrenged für alle. Aber meine Eltern waren da!
Wieder eine schwere Geburt, fünf Tage Wehen, zwei kleine Kinder (damals knapp 4 und anderthalb Jahre alt), übermüdet, am Ende meiner Kräfte. In den OP ist mein Partner nicht mitgekommen, seine Reaktion hat mich gekränkt, aber ich schob meine Gefühle auf meine Hormone.

Als mein Jüngster etwa drei Monate alt war, fand ich ein zweites Handy bei meinem Partner, meine Neugier siegte an einem Abend! Es stellte sich heraus, dass er während der Schwangerschaft und unserer Paartherapie eine Affäre über mehrere Monate mit einer Kollegin hatte! Ich dachte, ich sterbe! Alleine mit drei Zwergen, das schaffe ich nicht!

Meine Hebamme half, meine Psychiaterin auch. Ich wandte mich ans Jugendamt und beantragte eine Familienhilfe. Aber ich brauchte noch ein Jahr, um zu begreifen, dass ich in dieser Beziehung nicht mehr glücklich werden konnte.

Nun bist Du alleinerziehende und berufstätige Mutter dreier Kinder: Wer hilft Dir? 

Nun bin ich seit fast drei Jahren alleinerziehend. Fast zeitgleich zu der Trennung vom Kindsvater, wurde unsere Niederlassung aufgelöst. Mein Arbeitsweg wurde deutlich länger. Wir zogen im Januar 2013 um, es waren viele Freunde zum Helfen da. Meine Eltern sind in unseren Häuserkomplex gezogen und unterstützen mich sehr! Unsere Tage sind lang, wir verlassen 6:10 Uhr etwas das Haus und sind gegen 18:00 Uhr alle wieder zu Hause.

Meine Eltern holen so oft es geht (sind beide noch berufstätig) die Kinder eher aus KiTa und Hort ab. Ich habe mir ein Netzwerk aus ein paar wenigen Freunden aufgenbaut, habe im Büro ein tolles Kollegenteam und seit einem halben Jahr einen neuen Partner! Ich bin auch weiterhin in Behandlung meiner Psychiaterin, nehme auch immernoch mein Medikament, langsam dosieren wir runter. Meine Familienhelferin hat uns durch die Zeit der Trennung geholfen und mich als Mutter bestärkt.

Durch die Blogparade #mutterkoerper haben wir uns kennengelernt. Du hast über Dein Körpergefühl geschrieben und Dein Partner hat einen liebenvollen Beitrag hinterlassen. Welche Einstellung hast Du heute zu Deinem #mutterkoerper?

Mein Körper hat unter den Schwangerschaften gelitten, mein ganzes Ich hat unter dieser Zeit gelitten. Ich habe pro Kind etwa vier Kilo drauf behalten, nach dem dritten stört mich vor allem mein Bauch. Ich sehe auch heute, vier Jahre nach der letzten Geburt aus wie schwanger! Das deprimiert mich.

Ich hatte nie Modellmaße, aber so fühle ich mich nicht wirklich wohl. Sicherlich liegt es an mir, auch daran etwas zu ändern, doch ist es Dank Medikamente doppelt schwer. Seit drei Monaten nimmt der Kindsvater seine Kinder endlich regelmäßig aller zwei Wochen, so dass ich auch mal Zeit für mich habe.

Aber mein Freund nimmt mich so wie ich bin, er tut mir gut, baut mich auf, macht mir Komplimente, unterstützt mich. Er tut mir gut! Manchmal schafft er es schon, dass mich mein Bauch nicht stört.
Außerdem habe ich letztes Jahr im Winter angefangen, erotische Bilder von mir machen zu lassen. Mein Freund bestärkt mich darin weiterzumachen! Er sieht mich, wie ich es wohl (noch) nicht kann.

Welchen Rat möchtest Du anderen Müttern mit traumatischen Erlebnissen in einer neuen Partnerschaft geben? 

Die Kinder mit dem neuen Partner

Schlussendlich bin ich froh, mir Hilfe gesucht und angenommen zu haben. Und ich rede über meine Depression! Es war ein schwieriger Schritt und ist noch immer ein schwieriger Weg! Leider wird es Eltern in unserer „ach so kinderlieben“ Gesellschaft oft sehr schwer gemacht.

Ich lebe von meinem Gehalt, Unterhaltsvorschuss und Wohngeld, bekomme zusätzlich anteilig Ermäßigung bei der KiTa. Die Anträge sind belastend, die Bearbeitungszeiten einfach zu lang! Unser diesjähriger Urlaub auf dem Bauernhof (mit meinen Eltern) stand fast auf der Kippe, da unser Auto kaputt war und die Reparatur 1000 euro gekostet hat! Ohne meinen besten Freund hätte ich es nicht stemmen können!

Viel Angst habe ich vor dem nächsten KiTa-Streik! Im April und Mai hatte unsere Einrichtung acht Tage zu, ohne Notbetreuung. Dies war und ist eine Belastung für die Kinder und die Eltern, vor allen wenn sie berufstätig sind.

Wir Eltern sind wahre Organisations- und Improvisationstalente, leider wird das oft nicht gesehen!
Außerdem erkläre meinen Kindern im Moment die „Flüchtlingsproblematik“, da sie ja doch vieles mitbekommen. Gemeinsam haben wir Spielsachen und Bücher aussortiert, am Samstag werde ich mit einer Freundin nach Halberstadt ins Erstaufnahmelager fahren und Hygieneartikel verteilen.

Herzlichen Dank für Deine Offenheit. 

Die Bilder wurden freundlicherweise von Madlen zur Verfügung gestellt.

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com.