Es gibt Menschen, die fühlen sich in großen Gruppen wohl,  und kommen schnell mit fremden Leuten klar. Überraschung: Ich gehöre nicht dazu. Deshalb war mir auch schnell klar, die Hebamme, die ich bei der Geburt dabei haben möchte, die möchte ich vorher kennen.

Damit ich meine perfekte Beleghebamme (Krankenhausgeburt mit mitgebrachter Hebamme) finde,  dachte ich, muss ich sicher ein paar treffen. Dann kam die Erste. Beim Tee erklärte sie mir, dass es passen muss, zwischen Frau und Hebamme. Ich ging nervös zur Toilette. Als ich wieder kam, waren mein Mann und sie beim “Du”. Zwei Minuten später war ihr Stempel in meinem Mutterpass. 
Kennt jede Schwangere: Streifenkleidung

Ab dem Zeitpunkt kam sie regelmässig. Ob der Frauenarzt mich etwas ratlos zurück ließ, ich nicht so recht wusste, wie ich (Vegetarierin) meinen Eiweiß-Haushalt ausgleichen kann, oder mich die Forenmuttis eher abschreckten, als mir Fragen zu beantworten: Sie hatte immer Antwort. Vor allem brachte sie immer Ruhe mit. Und eine gute Meinung, die sie mir, eine ihrer größten Gaben, nie aufdrängte. 

Während der Schwangerschaft hatte ich das Gefühl, dass ich mit ihr eine gute Entscheidung getroffen habe. Dennoch: eine Geburt ist ja immer doch noch mal was anderes. In diesem Fall aber nicht: meine Hebamme war super. Ich konnte mich auf sie verlassen. Sie hat dem Krankenhaus die Hektik genommen. Als wir nach zwei Tagen wieder daheim waren und noch wenig Besuch haben wollten, kam sie wieder und war immer beruhigend. Sie hatte nie für alles ein Patentrezept, aber sorgte dafür, dass wir uns immer sicher fühlten, mit unseren Entscheidungen. 
Als das Baby vier Wochen alt war, waren wir auf einer Hebammen-Demonstration. Wir waren glücklich und stolz, Verbundenheit mit den anderen Menschen machte sich breit. Vom Kanzleramt bis zum Friedrichsstadtpalast marschierten wir mit lauter Menschen, die auch gute Hebammen-Erfahrung gemacht hatten, oder als solche tätig waren. Und Gerüchten zu Folge gab es auch viele Ehemänner von ihnen, die da mit wanderten.

Später hörte ich noch andere Geschichten: Von der Hebamme, die das falsche Mittel zur Milchsteigerung empfahl. Hebammen, die nur Dienst nach Vorschrift machen, und am Abend nur bis sechs Uhr erreichbar sind. Oder die genau wissen, wie sie ablaufen soll: Die Schwangerschaft, die ja immer noch die Schwangerschaft der werdenden Mutter bleibt. Nicht jede Hebamme ist automatisch gut. Meine ist ein Profi, aber vor allem ist sie auch ein toller Mensch, das erwirbt nicht jeder automatisch mit dem Zertifikat. Ich bin froh mich richtig entschieden zu haben.

Dieser Text ist Teil des Aufrufes von Susanne von Geborgen Wachsen zum Thema: #meinegeburtmeineentscheidung.