Kultur mit Kind, Meinung

Eine Stimme für die Hebammen

Im neunten Monat schwanger hatte ich eine kurze Rückfrage zur Abrechnung meiner Beleghebamme. Ich rief bei meiner Krankenkasse an, wo mir eine Dame erklärte, dass sie der Meinung war, dass Beleghebammen unnötig wären und außerdem viel zu teuer. Sie riet mir, weitere Angebote einzuholen. Das müsse doch auch anders gehen.

Ziemlich verdutzt erwiderte ich, dass das wohl nicht ihre Sache sei, der Zeitpunkt wohl etwas spät, ich rundherum zufrieden und sie ganz bestimmt nicht mein Ratgeber sei. Ich schimpfte noch ein bisschen vor mich hin, und legte dann, recht schnell, einfach auf.

Im Tipps-verteilen-die-keiner-braucht scheint sie aber in guter Gesellschaft zu sein. 

Nun geistert ein Bild durch die sozialen Medien in dem die stellvertretende Pressesprecherin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen auf NDR Info gesagt haben soll, dass wir keine freiberuflichen Hebammen brauchen. 

Wer ist denn dieses WIR?

Ich möchte keine Minute missen, die mir meine Hebamme zur Seite stand. Vor, während und nach der Geburt. Und auch sonst. Schon einen Text habe ich über meinen Lieblingsprofi geschrieben.

Und ich wünsche jeder Frau, die sich ein Kind wünscht, die ein Kind bekommt oder auch ein Kind verliert, eine Hebamme. Eine Hebamme, die in der ersten Zeit hilft, wo so viele Fragen sind. Die zur Seite steht, ohne die eigene Meinung in den Vordergrund zu stellen und die einem Ruhe gibt.
Vielleicht findet nicht jeder so eine gute wie die meine. Aber ich bin mir sicher es gibt eine Menge guter Hebammen da draußen.

Zumindest habe ich bisher nur Profis kennengelernt, das kann ich nicht von jeder Berufsgruppe behaupten.

Hebammen sind so unglaublich wichtig. Aber es gibt anscheinend immer noch Menschen, die es nicht begriffen haben. Auch wenn ich die Aussage der stellvertretenden Pressesprecherin nicht gehört habe, habe ich immer noch die Stimme von der Sachbearbeiterin im Ohr und bin froh, dass ich natürlich nicht auf sie gehört habe. 

Hier geht es zur Petition.
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4 Kommentare

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    Reply Hanno Köhncke 9. Juli 2015 at 22:41

    Frau Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes (Dachverband, der alle gesetzlichen Krankenkassen vertritt) ist rhetorisch geschult. Um weniger angreifbar zu sein, hat sie ihre Aussage in eine Frage verpackt: Es sei zu fragen, ob freiberufliche Hebammen notwendig seien. Wer es genau wissen will kann die Sendung in der Mediathek des NDR nachhören, um einen eigenen Eindruck zu gewinnen, wie die gestrigen hitzige "Redezeit"-Diskussion bei NDR Info verlief: http://www.ndr.de/info/sendungen/redezeit/Hebammen-in-Not,sendung382492.html

    Festzuhalten ist aus meiner Sicht: Der Spitzenverband will in Unternehmensberater-Manier den Berufsstand der Hebammen ins Abseits befördern. Die Folgen für Frauen, die Mutter werden interessieren dort nach meinem Eindruck wenig. Der GKV-SV will ein Kosten-Spar-Programm auf dem Rücken gebärender Frauen durchziehen.
    Protest ist deshalb kurzfristig notwendig unter
    http://www.change.org/elternprotest

    Wer mittelfristig etwas bewegen will, kann jetzt schon einen Mitgliedschafts-Antrag in dem in der Gründungsphase sich befindenden Verein Mother Hood e.V. stellen – eine Mitgliedschaft würde die beständige Arbeit für eine gute Betreuung von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett möglich machen.

    Danke an Bettina Apelt für den Erfahrungsbericht, der die Wichtigkeit einer gewissen Aufmüpfigkeit heraus stellt und für das Bekanntmachen der Petition!

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    Reply dievenus 10. Juli 2015 at 8:37

    Hallo Bettina, ich habe den Link zur Mediathek geschickt bekommen und konnte, wollte eigentlich gar nicht glauben, was Frau Marini gesagt hat. Ich gebe Dir völlig Recht, ich hatte eine unfassbar gelassene, kluge und ruhige Hebamme an meiner Seite, als ich mit Brustentzündungen, einem nicht zunehmenden Kind und anderen Nöten kämpfte in den ersten Wochen. Ich wünsche keiner Frau, dass sie auf diese Versorgung verzichten muss.
    ich habe meine Ansicht dazu auch verbloggt, falls Du gucken magst, hier:
    http://dailydress.de/002975_kein-herz-kein-hirn-oder-beides/
    Liebe Grüße, Nicole

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    Reply Anonym 10. Juli 2015 at 11:34

    Was ich nicht verstehe, alle sagen immer, der GKV wolle Geld sparen. Wie spart man Geld, wenn es keine Hebammen mehr gibt? Die Frauen werden dann mit ihren Problemen entweder zum Gynäkologen oder in die Notaufnahme gehen. Das kostet mehr Geld als ein 10 Min. Gespräch mit einer Hebamme, die zudem wesentlich mehr Ahnung hat. Auch Geburtshaus- und Hausgeburten sind wesentlich günstiger als Krankenhausgeburten. Ich weiß, ein Vergleich mit anderen Ländern ist immer schwierig, aber in den USA ist die Geburtshilfe wesentlich teurer als hier, was auch daran liegt, dass fast alle Frauen im Krankenhaus entbinden (müssen). Ich denke, dieses Argument sollten wir stärker in der Öffentlichkeit platzieren, damit auch "nicht Betroffene" mal aufwachen und sich denken: Oh, ich soll mehr Geld für weniger Leistungen bezahlen? Denn über die gesetzlichen Krankenkassen tragen wir alle die Kosten mit. Ganz zu schweigen von den ganzen Folgekosten (Kind bei Krankenwagengeburt geschädigt, weil kein geschultes Personal anwesend war und das nächste Krankenhaus zu weit weg; Kind in Krankenhaus geschädigt, weil Hebamme 3 Frauen gleichzeitig betreuen musste und so die Komplikationen zu spät bemerkt hat; Kinder werden wieder seltener gestillt, weil Stillberatung fehlt, was zu geschwächtem Immunsystem führt etc. etc.)

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    Reply Tüdeltante 10. Juli 2015 at 12:33

    Ich frage mich auch, wie die da Geld sparen wollen.

    Ich hatte beim ersten Kind eine völlig überforderte Stationshebamme, da sie alleine Dienst hatte und mehrere Frauen gleichzeitig betreuen musste.
    Es wurde dann ein KS (aus Personalmangel, Mehrkosten für die KK), ich hatte ein gereiztes Hämatom, musste deswegen mehrfach zur Frauenärztin und Medikamente nehmen (Mehrkosten für die KK). Bei zweiten Kind musste aufgrund des KS vorzeitig eingeleitet werden. Das hat drei Tage gedauert (Mehrkosten für die KK). Hätte ich eine Beleghebamme bei der ersten Geburt gehabt, wäre wohl einiges anders gelaufen. Ich verstehe auch nicht, wieso die von der GKV so überhaupt gar nicht nachdenken bzw. einfach nicht weiter denken.

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