Immer am Freitag gibt es die Familienrollen: Dieses Mal erzählt Emma (Blog: Emmas Wunderwelt), wie es ihr mit unerfülltem Kinderwunsch ging, was in der Kinderwunschklinik auf sie zu kam und warum sie heute – auch mit erfülltem Kinderwunsch – Adoptionsanwärterin ist. 

Du bist Zwillingsmutter und Adoptionsanwärterin: Wie kam es zu dieser
Konstellation? 

Die Töchter von Emma.

Mein Mann und ich wünschten uns schon ziemlich lange ein Kind, ich wurde nach 1,5 Jahren des Wartens dann auch schwanger, verlor das Kind aber recht früh. Das war ein herber Schlag für uns. Wir entschieden uns, nach einem weiteren halben Jahr ohne Schwangerschaft, eine Kinderwunschklinik zu Rate zu ziehen.

Die begannen zuerst mit der Diagnostik, es wurde aber nicht heraus gefunden, weshalb wir noch immer kinderlos waren. Wir begannen dann mit Inseminationen, das heißt mein Zyklus wurde mit Hormonen, die ich spritzen musste, unterstützt, mein Eisprung per Hormon ausgelöst, so dass man wusste, wann er genau statt findet, und dann wurde das Sperma des Mannes direkt in die Gebärmutter gegeben. Auch das taten wir zwei Mal erfolglos.

Die Kinderwunschklinik riet uns zu einer IVF, hier wird auch wieder der Zyklus hormonunterstützt, dann werden allerdings in einem kleinen Eingriff die herangereiften Eier entnommen und in einer Petrischale mit dem Samen des Mannes zusammengebracht.

Wenn eine Befruchtung stattfindet, werden 1-2 Zellhaufen zurück in die Gebärmutter gegeben, in der Hoffnung, dass sie sich einnisten. Bei uns endete die erste IVF mit einem positiven Schwangerschaftstest, allerdings wollte auch dieses Kind nicht bei uns bleiben.

Das hat uns ziemlich getroffen. Wir wurden noch ein weiteres Mal genauer untersucht, wieder ohne Ergebnis. Die zweite IVF war sofort negativ. Wir beschäftigten uns immer mehr mit dem Gedanken, dass wir vielleicht nicht Eltern werden können, denn auch wenn die Medizin schon einiges leisten kann, ist das keine Erfolgsgarantie. Je mehr wir uns damit befassten, desto klarer wurde uns, dass wir Eltern sein wollen und das auch die Adoption oder Dauerpflege für uns in Frage käme.

Ich stellte Kontakt mit dem Jugendamt her und wir durchliefen ein sehr intensives Verfahren mit dem Ergebnis, dass wir als mögliche Adoptiv- oder Dauerpflegeeltern zugelassen werden.
Während dieses Verfahrens hatte ich meine dritte IVF, ohne Schwangerschaft.

Wurdest Du während der Bewerbung für das Adoptionsverfahren? Und wie ging es dann weiter? 
Nein, ich wurde nicht während des Verfahrens schwanger. Wir waren bereits anerkannte Bewerber, hatten das Verfahren also überstanden und waren in der Warteschleife für “den” Anruf.

Ich war dann nach unser 4. IVF in der neunten Woche mit M. und A. schwanger, als das Jugendamt anrief, und sagte, es gäbe einen kleinen Menschen, der uns kennenlernen wollte.

Da ich bereits zuvor zwei Fehlgeburten hatte, hatten wir dem Jugendamt von der Schwangerschaft noch nichts erzählt. Nach diesem Anruf haben wir das natürlich nachgeholt.

Das war kein großes Problem, denn in den Vorgesprächen hatten wir nur ausgemacht während der Anbahnungsphase (also die Zeit, in der man den kleinen Menschen kennenlernt, bevor er zu dir nach Hause zieht) und für eine angemessene Zeit nach der Aufnahme des Kindes eine Schwangerschaft zu verhüten. Und dieser Anruf sollte die Anbahnung ja erst einläuten.

Nun habt Ihr zwei Mädchen und seid wieder im Gespräch mit dem Jugendamt. Das klingt ungewöhnlich. Warum habt Ihr Euch erneut dazu entschlossen Adoptiveltern werden zu wollen?

Als wir unserer Sachbearbeiterin von der Schwangerschaft erzählten, waren wir glücklich und traurig zugleich, denn wir wussten, dass wir einen Herzenswunsch hinten anstellen müssen. Im Laufe des Verfahrens haben wir uns intensiv mit der Frage beschäftigt, ob wir auch Herzeltern für ein Kind sein können, dass ich nicht geboren habe.

Es ist wichtig, sich damit auseinander zu setzen, denn schließlich brauchen Kinder Eltern, die sie bedingungslos lieben. Wir haben erkannt, dass es zu einem ganz eigenständigen Wunsch geworden ist, Eltern für ein Kind zu sein, dass dringend ein echtes zu Hause braucht.

Wir haben uns nie als Adoptiv-/Pflegeeltern streichen lassen, sondern blieben mit unserer Sachbearbeiterin in losem Kontakt. Wir vereinbarten, dass wir wieder intensiver ins Gespräch kommen, wenn wir uns wieder bereit für ein weiteres Kind fühlen. Und das ist jetzt so.

Ihr seid zum zweiten Mal in Gesprächen wegen einer Adoption.Wie nimmst Du das Bewerbungsprocedere in Deutschland wahr? 

Das Bewerbungsprozedere wird in Deutschland von Jugendamt zu Jugendamt verschieden gehandhabt. Ich kann nur für unser Verfahren sprechen. Wir wurden sehr gründlich überprüft, mussten unser gesamtes Leben offen legen.

Es war sehr persönlich und eine spannende Zeit, weil man auch viel über sich selbst gelernt hat. Man hat viele Denkanstöße bekommen und es wurden auch Situationen besprochen, die das Zusammenleben mit einem Adoptiv- oder Pflegekind schwer machen können.

Ich fand alles, was wir tun mussten, richtig und wichtig. Jedes Kind hat eine Familie verdient, in der es gut aufgehoben ist und meiner Meinung nach gehört da eine Überprüfung dazu. Natürlich findet man so nicht alle schwarze Schafe, aber ausgesiebt wird mit Sicherheit.

Ihr habt bereits zwei Kinder und denkt über eine Adoption nach: Hast Du Ängste, dass Du den Kindern unterschiedlich begegnest, oder ist das eine dumme Frage, die nur jemand stellen kann, der nicht Euren Weg gegangen ist?

Nein, das ist keine dumme Frage. Ich musste sie mir beim zweiten Durchlauf auch noch mal stellen, den nun weiß ich ja, wie das Band zwischen Mutter und Kind ist, wenn man es im Bauch hatte und es geboren hat.

Ich musste mich schon fragen, ob ich dieselbe Liebe für ein Kind empfinden kann, dass nicht in mir gewachsen ist. Ich glaube, dass es für mich keinen Unterschied macht. Anders, als viele es erzählen, musste ich meine Kinder erst Stück für Stück kennenlernen und so wuchs auch die Liebe. Das begann natürlich schon in der Schwangerschaft, aber die wird ja ersetzt durch die Anbahnungsphase. Da lerne ich dieses Kind kennen und mit Sicherheit auch lieben. Liebe wächst im Herz und nicht im Bauch. So empfinde ich das zumindest gerade. Angst habe ich natürlich trotzdem zwischendurch.

Wie reagiert das Umfeld auf Eure Pläne?

Alle waren in das Verfahren involviert und informiert. Die Meisten dachten, wir adoptieren Zwillinge, als wir mitteilten, dass wir welche erwarten. Ich musste dann oft noch mal erklären, dass ich schwanger bin.

Alle wussten, dass der Weg der Adoption/Pflegschaft trotzdem noch in unseren Herzen wohnt. Den Kindern haben wir bislang noch nichts erzählt, ich glaube, das würden sie noch nicht verstehen. Das muss erst greifbar sein.

Und wir wissen ja noch gar nicht, wann es diesen kleinen Menschen gibt und ob wir überhaupt ausgewählt werden. Vielleicht startet nächste Woche eine Anbahnung, vielleicht dauert es noch Jahre oder vielleicht wird es nie was. Daher warten wir noch, bis wir sie mit einbeziehen.

Was wünscht Du Dir für Deine Familie für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass jeder Einzelne von uns den Raum in unserer Familie findet, den er braucht um glücklich zu sein. Viele schöne gemeinsame Momente und Erinnerungen, Gesundheit und Zufriedenheit.

Vielen lieben Dank, Emma, für Deine Offenheit und die Bilder. 

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mal an fruehesvogerl@gmail.com.