Sie ist junge Mutter, sie ist Studentin und sie lebt ein außergewöhnliches Modell: Diese Woche erzählt Marie (Blog: Kalinchens) in den Familienrollen, warum sie auch nach der Trennung mit dem Vater ihrer Tochter zusammenlebt und wie der Alltag funktioniert. 

Auf Deinem Blog hast Du einen Text veröffentlicht in dem Du über Dein Familienleben schreibst. Du bist mit dem Vater Deines Kindes nicht mehr zusammen, aber ihr teilt Euch immer noch eine Wohnung. Wie kam es dazu?

Wir sind im Mai seit zwei Jahren getrennt. Anfangs dachte ich, ich muss mir schnell eine Wohnung suchen und uns steht ein großes Drama bevor. Relativ schnell hat sich aber herausgestellt, dass wir erstmal so wohnen bleiben. Schlauerweise haben wir eine Wohnung bezogen, in der jeder von Anfang an sein eigenes Zimmer hatte. Ich brauche abends meine Ruhe und schlafe sehr unruhig wenn jemand neben mir liegt. Nach vielen Gesprächen haben wir uns dazu entschieden, dieses Modell so lange zu leben bis es nicht mehr geht.

Wir sind uns einig, dass das Kalinchen an erster Stelle steht und wir erst danach kommen. Da wir uns beide sehr respektieren und gut miteinander auskommen klappt es auch. Natürlich haben wir auch Streit, das kommt ja überall vor.

Für mich ist der Papa vom Kalinchen wie ein Bruder oder ein bester Freund. Er kennt mich manchmal besser als ich mich selbst, wenn er nicht da ist vermisse ich ihn sogar ein bisschen. Natürlich werden wir irgendwann eine räumliche Trennung angehen, wann der Zeitpunkt kommt kann ich nicht sagen. Manchmal, wenn ich sauer bin, der Alltag zu viel war und ich meine Ruhe will, suche ich nach Wohnungen und will sofort ausziehen. Am nächsten Tag ist das aber meistens vergessen.

Wie gut funktioniert Euer Konzept im Alltag? 

Jeder hat sein Zimmer. Ansonsten ist es so wie bei jeder anderen Familie auch. Wir kochen zusammen, gehen zusammen einkaufen, essen zusammen, leben den Alltag gemeinsam. Wir gucken sogar zusammen Fernsehen und gehen spazieren. Niemand von außen würde denken, dass wir kein Paar sind. Ich denke, dass eine Beziehung kein Thema mehr ist. Er ist mir sehr wichtig und ich schätze ihn sehr.


Eure Konstellation ist für viele sicher etwas ungewöhnlich. Wie reagiert Euer Umfeld darauf und vor allem potenzielle neue Partner? 

Wenn ich darüber rede sind die Meinungen oft unterschiedlich. Viele sind interessiert andere sagen sofort: wir könnten das nicht. Ich weiss, dass eine gute Freundin gerade in der gleichen Situation steckt. Wir reden viel und tauschen uns aus. Sie bewundert das und ich bin fest davon überzeugt, die Beiden werden das auch schaffen. Ich glaube, das könnte ein neues Zukunftsmodell werden. Ohne Streit und Belastungen ist der Alltag sehr viel einfacher zu leben. Für das Kind ist das Aufwachsen mit beiden Elternteilen doch was Schönes. Ich bin leider ohne meinen Vater aufgewachsen und ständig stand ich irgendwie zwischen meinen Eltern. Das wollte ich dem Kalinchen nicht zumuten. Falls wir uns räumlich trennen sollten, wollen wir die Zeit mit dem Kalinchen Hälftig aufteilen.

Falls ein neuer Partner auftauchen würde, bekämen wir auch das hin. Man muss ja nicht zwingend hier sein, kann sich beim Anderen treffen. Ich finde jeder sollte sein Leben leben und wenn der Papa jemanden kennen lernt dann freu ich mich sehr für ihn, denn er hat das verdient!


Für Eure Tochter ist das Familienleben Alltag. In wie weit habt Ihr ihr die Konstellation erklärt, oder besteht da gar kein Gesprächsbedarf?

Wir sagen da nichts zu. Dafür mussten wir schon oft Negatives für einräumen. Ich finde aber es besteht kein Gesprächsbedarf. Sie kennt das mit den 2 Zimmer nicht anders und für sie ist es ganz normal, dass Mama und Papa getrennt schlafen. Ich finde sogar, dass sie es besser hat. Wir schreien uns nicht an, hier ist keine Gewalt und der respektvolle Umgang ist für sie Alltag. Ich finde Familien, die nur zusammen sind um den Schein zu wahren, viel schlimmer. Diese Lügen und Betrügen ist ein absolutes Unding, nur um nicht aufzufallen. Leider kenne ich viele Paare bei denen das so ist. Viele sind nur noch wegen der Kinder zusammen. Das war für uns keine Möglichkeit.

Was wünscht Du Dir für Deine Familie für die Zukunft?

Ich würde mir wünschen, dass wir uns weiterhin so gut verstehen. Das wir uns nicht wegen Geld streiten, dass wir immer nur das Beste für das Kalinchen zusammen entscheiden. Soll heißen: ich würde mir wünschen, dass sie nie das Gefühl hat, dass nur einer von Beiden für sie da ist. Sie soll zu uns Beiden den gleichen Kontakt haben. Ich gehe stark davon aus, dass das so sein wird. Gerne hätte ich ein Haus mit Garten, vielleicht mit 2 Wohnungen eine für mich eine für den Papa….

Danke Dir für Deine Antworten und die Bilder.

Ihr habt auch eine außergewöhnliche Familiengeschichte? Oder eine Idee, welches Thema unbedingt mal in den Familienrollen vorkommen sollte? Dann schreibt mir eine Mail an fruehesvogerl@gmail.com.