Jeden Donnerstag erscheinen hier die Familienrollen, die eine andere Familie vorstellen.  

 

Mein Sohn ist fast drei Jahre alt: Bisher finde ich fast alles an Kindermusik schrecklich. Und dann haben wir durch eine Freundin Rotz ‘n’ Roll Radio kennengelernt: Was ist Dein Geheimnis und hat Berlin etwas damit zu tun?

 

 

Kai LüftnerAls mein Sohn zwei war, hab ich angefangen ihm vorzulesen – und war teilweise entsetzt. Wahnsinn, was es für Schrott gab und gibt. Vor allem, da man uns als Eltern nich nur nich auf der Mütze hat, sondern offensichtlich auch vergrauen will. Das fand ich derart übel, dass ich mich gefragt hab: was mach ich jetz. Da is mir eingefallen, dass ich sowieso immer Schriftsteller werden wollte. Und Musiker. Und dann hab ich damit angefangen, das zu machen, was ich schon immer machen wollte und hab vor allem ein Kriterium gehabt: Es muss mir selber gefallen! – Und siehe da, es gab und gibt offenbar einige Eltern, denen es genauso geht. Die lesen meine Bücher (vor) und hören (mit ihren Kindern gemeinsam) meine Musik. Ich weiß nich, ob und wenn dann warum, das eventuell in Berlin besonders gut funzt. Vielleicht, täuscht das nur, weil ich von hier komme.

 

 

Du bist eigentlich Sozialpädagoge. Ab 2012 liest man allerdings vermehrt von Deiner Musik, Deinen Kinderbüchern und Hörspielen: Hat die Geburt Deines Sohnes all das ausgelöst?

 

 

Ja, mein Sohn war und ist schon maßgeblich an all dem was hier grade los is beteiligt. Es fühlt sich so sinnvoll und richtig an, für den wichtigsten Menschen in meinem Leben endlich das zu tun, wovor ich mich jahrelang gedrückt hatte. Aus Angst zu scheitern vielleicht.

 

 

Du schaffst Kultur für Kinder: Ist Dein eigener Sohn Dein größter Fan und Dein schärfster Kritiker?

 

Er ist entsprechend alles in Personalunion. Bisher war es auch extrem einfach mit seinem Feedback umzugehen, da er recht bedingungs- und kritiklos meinem Schaffen gegenüber war. Das wird nun anders. Sein letztes Statement war: Ich mag was du machst, aber es ist mir auch manchmal ein bisschen zu einfach. Und dann setzt sich dieser siebenjährige Stöpsel hin und schreibt sein eigenes Zeug – oder gründet mal eben ne Band, die „ED AND THE MASHINEGUNS OF NOISE“ heißt.

 

 

Was ich an Deiner Musik so mag. Ich hab das Gefühl, Du willst Kultur für Eltern UND Kinder schaffen. Das Feld ist noch recht leer, find ich. Was denkst Du da drüber?

 

 

Ich denke, da passiert grad viel. Der Zenit der meisten „Recken“ im Kinder-Entertainmentbereich is wohl einfach überschritten. Mit dem Internet und den nach zweitausend geborenen Virtual-Nativs kommt wohl ein anderer Schlag Menschenkinder auf die Welt. Keine Ahnung, aber ich denke,

 

wenn man als Vorschulkind schon zwölftausend Videos und Fotos von sich selbst, animierte Trickfilme vom Schlage Pixar, Harry Potter oder sonstwas gesehen, gelesen, konsumiert hat, haut einen Michel aus Lönneberga, die Kinder von Bullerbü oder Rolf Zuckowskis Weihnachtsbäckerei vielleicht nicht mehr so schnell um.

 

Ich kann mich täuschen, aber so empfinde ich das bei meinem Kind. – Auch wenn einige Klassiker wohl für immer bleiben werden… Und das ist auch gut so. Und ich denke, das Verständnis von Kinder-Unterhaltung verändert sich Richtung Familien-Unterhaltung. Was vielleicht gar nicht so neu, sondern eher eine Umkehr zu einem alten Bedürfnis ist.
Was wünscht Du Dir für Deine Musik für die Zukunft?

 

 

Ich wünsch mir die große Bühne. Kein Dasein außerhalb des Wahrnehmungsradars der Medien, sondern ein ernst nehmen. Kinder-Unterhaltung führt ein Schattendasein in Spartensendern und Nischen-Programmen. Das ist doch bekloppt. Ich will und werde das ändern. Wie weiß ich noch nich, aber auf jeden Fall volle Pulle!

 

Die große Sause findet am 28. Mai in der Kindl-Bühne Wuhlheide statt.

 

Zu Kais Musik und Büchern geht es hier.

 

Neue Familienrollen gibt es wieder kommende Woche: Wenn Ihr auch ein Familienkonzept habt, über das ihr gerne sprechen möchtet, dann schreibt mir doch unter fruehesvogerl@gmail.com.